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Zwischen Modelust und Modefrust | Die MET Gala

Met Gala 2017_header

Bilder Titelbild: Instagram.com // @saintrecords | @metgalaofficial | @marykatetomyashley | @lenadunham | @badgilriri 

Wir müssen reden… über die MET Gala. Jahr für Jahr tummelt sich bei der prestigeträchtigen Spendengala zugunsten des Metropolitan Museum of Art’s Costume Institute in New York City alles auf dem roten Teppich, was derzeit in der Medien- und Modewelt Rang und Namen hat. In diesem Jahr gab es sogar gleich doppelten Anlass zur Festlichkeit: der jährliche wechselnde Dresscode gestaltete sich dieses Mal als Hommage an Rei Kawabuko, eine der bedeutendsten Designerinnen unserer Zeit, deren Label Comme des Garçons nicht nur weltbekannt ist, sondern auch immer wieder die Konventionen textiler Schneiderkunst grundlegend hinterfragt. Da wundert es kaum noch, dass das New Yorker Costume Insitute diesem japanischen Genius nun endlich eine eigene Ausstellung widmet, die just am Abend der MET Gala eröffnete.

Soweit, so gut. Damit könnte der Drops eigentlich gelutscht sein. Fehlen nur noch ein paar Red Carpet-Schnappschüsse. Leider nimmt aber genau an diesem Punkt das Drama alljährlich seinen Lauf. Viele der prominenten Gäste – inklusive der sie ausstattenden Designer – scheinen den Begriff „Costume“ doch sehr wörtlich zu nehmen. Vielleicht ist Vogue-Chefredakteurin Anna Wintour, die seit 1995 Gastgeberin des Großevents ist, einfach nicht in der Lage den Dresscode verständlich zu formulieren, vielleicht macht sich mancher Designer mit seinen manchmal divenhaften Kundinnen auch einfach einen schlechten Scherz. Fakt ist aber, dass selten auf einem roten Teppich Modeglück und Modefrust derart nah beieinander liegen, wie im Falle der MET Gala. Bei mancher Robe bekommt man sogar fast den Eindruck, es handle sich hier um ein echtes Trauerspiel.

Da wird drapiert, verformt und gewickelt, was das Zeug hält. Je ungewöhnlicher für das gemeine Auge desto besser. Nieder mit der Silhouette, nieder mit dem Understatement. Wenn MET Gala ist, soll es knallen – am liebsten mit Farbe und viel Pow-Effekt. Wen interessiert es da schon, ob das Ganze überhaupt noch Sinn ergibt, geschweige denn der Trägerin steht. Das Ergebnis sind vielmehr verrückte Kopfbedeckungen, wie Sarah Parker sie 2015 trug. Man kann sich nicht sicher sein, hat sie die Idee von den indischen Gottheiten Shiva und Parvati stibitzt oder ist sie dafür gedanklich kurzerhand auf den Olymp geklettert. Sängerin Nicki Minaj scheint dagegen ganz in irdischen Gelüsten zu schwelgen. Ihre burleske Dominarobe könnte jedenfalls auch gut für den nächsten Teil von 50 Shades of Grey fungieren – könnte aber auch die Herzkönigin aus Alice im Wunderland sein.

#MetGala2017

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Inspirieren lassen hat sich scheinbar auch Katy Perry. In der roten Robe von Maison Margiela inklusive farbig passendem Schleier erinnert sie doch sehr an eine Mischung aus Lady Gaga im Videoclip zu Alejandro und Madonna zu Like a Virgin-Zeiten. Apropos Madonna. Die Queen of Pop wollte sich selbst wohl ganz still und heimlich über den roten Teppich schleichen. Leider war das hautenge Carmouflage-Dress von Jeremy Scott für diesen Zweck definitiv die falsche Wahl.

Ready Bitches! 🔫🔫🔫🔫🔫. Met Ball Gala! 😂

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@alexanderwangny giving it❤️thank you for being my super date ❤️👑💋 Ein Beitrag geteilt von Bella Hadid (@bellahadid) am

Dann schon besser wie Bella Hadid gezielt auf Hingucker setzen. Die bewies bekanntlich schon einmal, dass weniger Kleidung für die Kameras oft mehr ist. Nach ihrem atemberaubenden Kleid 2016 in Cannes bewies sie bei der diesjährigen MET Gala, dass es offensichtlich noch freizügiger geht. Ihr Outfit: ein glitzernder Netz-Catsuit von Alexander Wang, der sich auch getrost als ein Hauch von Nichts beschreiben ließe. Beim nächsten Mal muss sie dann wohl tatsächlich nackt erscheinen, um sich selbst zu toppen. Kim Kardashian setzte dagegen mehr auf Keuschheit. Wir unterstellen ihr zumindest einmal den Versuch. Das weiße Vivian Westwood-Dress samt Schnürung erinnerte nämlich mehr an ein Unterkleid ohne passendes Darüber oder mindestens ein Nachthemd aus Game of Thrones.

Stepping up into the MET like…. I have the best glam team! ❤️💄💋 thank you @makeupbymario @michaelsilvahair

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Eine, die jedes Jahr aufs Neue ganz vorne mit dabei ist, wenn es um fragwürdige Outfits geht, ließ es sich natürlich auch 2017 nicht nehmen für reichlich Knalleffekt zu sorgen. Rihanna versteckte sich in dreidimensionalen Meer aus Blumen und Blüten. Vom handwerklichen Standpunkt her war das in jedem Fall ein begeisternder Look, mindestens vom Sitzen dürfte es die Gute aber abgehalten haben. Wie das Netz darauf wohl reagieren wird? Schließlich hat ihr Styling schon mehrfach für akuten Meme-Alarm gesorgt, man denke nur an das Bacon-Omelett vom letzten Jahr.

Comme all the way through…. @melzy917 @yusefhairnyc @lora_arellano #sqwod #metball17 Ein Beitrag geteilt von badgalriri (@badgalriri) am

The boss is here! #AnnaWintour #Channel #MetKawakubo #MetGala 😍✨

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Zum Glück geht es aber auch ganz anders. Anna Wintour herself setzte auf Chanel in Form einer klassisch geschnittenen Abendrobe veredelt durch Gold und Federn. Model Gisele Bündchen präsentierte ein silberfarbenes Bodycon-Dress mit verrucht tiefem Rückenausschnitt. Model Doutzen Kroes begeisterte in verführerischem Rot und off Shoulder-Kleid. Rot, übrigens eines Trendfarben 2017 auf dem roten Teppich.

Met Gala 2017 in @brockcollection #metgala #metkawakubo Ein Beitrag geteilt von Doutzen Kroes (@doutzen) am

Dramatic exits #MetGala

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Atemberaubend schön auch Lena Dunham. Während sie als GIRL Hannah ja eher auf kurz-kurze Kleidung setzte, schwebte sie bei er MET Gala als schottische Prinzessin über den Teppich. Von so viel dramatisch-elegant fallendem Stoff sind wir ganz hin und weg! Auch Solange Knowles bewies einmal mehr, den Titel Stilikone wirklich verdient zu haben. Mit dem Daunenmantel-Kleid von Thom Browne präsentierte sie am Abend das wohl zeitgenössischste Stück und wurde mit am besten der japanischen Geradlinigkeit einer Rei Kawabuko gerecht. Atemberaubend schön und definitiv eines der Highlights auch die Looks von Mary-Kate und Ashley Olsen. Die Schwestern, die sich mit ihrer Marke The Row unlängst selbst in den Modeolymp katapultierten, flanierten in reichlich Spitze und mit viel Boho-Flair als hippireske Elfen die Treppen der MET Opera empor. Das macht dann auch schon fast manch anderen Modeausrutscher wett.

what a date @thombrowneny ▪️ Ein Beitrag geteilt von Solange (@saintrecords) am

~ Mary-Kate (left) & Ashley 💕 👑 Met Gala 2017 👑 #marykateandashley #olsentwins

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Wie dem auch sei. Am Ende sollte man allen Damen zugutehalten, dass sie mit ihren Looks bei der MET Gala jedes Jahr aufs Neue das etabliert-konservative Verständnis von Mode aus den Angeln heben und allesamt zeigen, wie viel Raum das Spiel mit dem Textilen doch bietet. Kleidung ist am Ende eben nicht nur eine Hülle, die es täglich überstreifen zu gilt. Durch sie schaffen wir Welten, wir kreieren Personen und manchmal lässt es sich sogar in andere Rollen schlüpfen. Das zeigt keine Veranstaltung besser als die MET Gala. Nur darf der Wunschtraum von der eigenen, optischen Erscheinung eben nicht zur Karikatur seiner selbst verkommen.

About last night! 💖 #PriyankaChopra #MetGala Ein Beitrag geteilt von Met Gala (@metgalaofficial) am

#DakotaJohnson #MetGala 👁❤

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#GigiHadid #MetGala 😁 Ein Beitrag geteilt von Met Gala (@metgalaofficial) am

Kategorie: Fashion, People, Trend

von

Laura Sodano

FOUNDER & EDITOR IN CHIEF // Lebe lieber ungewöhnlich // Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Was für die einen nach Schizophrenie par exellence klingt, ist für diese Dame ganz normaler Alltag. Frei nach dem Motto, Gegensätze ziehen sich an, verzücken Laufstegbilder und Lookbooks Laura ebenso wie die 100. Neuauflage eines Susan Sontag Essays. Bücherläden und (skandinavische) Mode sind ihre Schwäche, Filme und Kultur das Terrain auf dem sie sich zuhause fühlt. Die Frankfurterin mit der tiefen Liebe zum Berliner Leben redet oft schneller, als andere denken. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit Wörtern ihre Waffe. Selten steht das Gedankenkarussell mal still. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Notizbuch ihr ständiger Begleiter.

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