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Watch | Lady Diana – (Stil-)Ikone wider Willen

Lady Diana

Sie gilt als Vorbild und Stilikone unserer Zeit. In diesem Jahr jährte sich der 20. Todestag von Prinzessin Diana. Dokumentationen über ihre Person gibt zu Auf. Doch selten war eine davon so einprägsam, wie Diana: Die geheimen Interviews.

Es ist eine gebrochene Frau, die aus dem Off erzählt. Die Stimme bekannt, doch eigentlich möchte man zunächst nicht glauben, dass sie jener schillernden Frauengestalt gehören soll, die parallel über den Bildschirm flimmert. Diana, Princess of Wales, war für viele mindestens so sehr ein Vorbild, wie sie als Stilikone galt. Als sie starb, war ich etwa zehn Jahre alt und obwohl damit noch zu jung um wirklich von Erinnerung zu sprechen, ploppen auch bei mir im Hinterkopf Bilder auf, wie die Nachricht ihres Tod über den Bildschirm flimmert. Fast noch eindringlicher ist die Trauerfeier im Kopf geblieben. Der Sarg umhüllt von einer Flagge, bedeckt mit weißen Lilien rollt er durch die trauernde Menschenmasse in London. Dahinter vier Menschen, zwei davon ihre Söhne William und Harry. Es war eine meiner ersten Begegnungen mit dem Tod, die zeigte, hier wird es in der Regel richtig traurig. Natürlich lag danach auch bei uns daheim die Maxi-Single von Elton Johns Abschiedslied herum. Blauer Hintergrund, goldene Schrift und mittig eine weiße Rose. Wie edel das wirkte und wie passend für eine Prinzessin. Damit war die Geschichte für mich erst einmal erledigt.

21 March 1983: Princess Diana enjoys the sunset during a walk at Ayers Rock in Uluru; Australia’s stunning, red rock formation that has become a national landmark ■ 21 مارس 1983: اﻷميرة ديانا تستمتع بمنظر غروب الشمس خلال جولة استكشافية في جبال آيرز روك الواقعة في مقاطعة يولارا الشمالية بأستراليا. ويعد هذا الجبل الرملي المميز بلونه اﻷحمر واحدا من أشهر المعالم الطبيعية في قارة أستراليا ومدرج على قائمة مواقع التراث العالمي ■ #princessdianaforever #humanitarian #princessofwales #princessdiana #gb #hertruestory #kensingtonpalace #uk #thebritishroyalfamily #theroyalfamily #thebritishmonarchy #queenofhearts #instagood #instaroyal #instalike #di #fashionicon #peoplesprincess #style #glamorous #icon #foreveryoung #uk #الأميرة_ديانا #أميرة_ويلز #أميرة_القلوب #الأميرة_ديانا_لﻷبد #بريطانيا #لندن #قصتها_الحقيقية #أميرة_الشعب

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Zwar tauchte Diana sobald sich ihr Todestag jährte wieder in den Medien auf und so mancher hatte für die früh Verstorbene längst eine anhimmelnde Passion entwickelt. Auf mich hatte das alles aber nur wenig Wirkung. Auch interessierten mich, wenn überhaupt, die Verschwörungstheorien weit mehr, als das Auftreten und das soziale Engagement der einstigen Princess of Wales. Da gab es für mich ganz andere Vorbilder, solche die nicht so bieder schienen. Bis, ja bis ich besagte Doku sah.

16 November 1986: Princess Diana visits The Women’s Union in Manama, on the first day of her trip to Bahrain ■ 16 نوفمبر 1986: اﻷميرة ديانا تزور مقر الاتحاد النسائي في مدينة المنامة، في اليوم اﻷول لزيارتها الرسمية إلى البحرين ■ #princessdianaforever #humanitarian #princessofwales #princessdiana #gb #hertruestory #kensingtonpalace #uk #thebritishroyalfamily #theroyalfamily #thebritishmonarchy #queenofhearts #instagood #instaroyal #instalike #di #fashionicon #peoplesprincess #style #glamorous #icon #foreveryoung #uk #الأميرة_ديانا #أميرة_ويلز #أميرة_القلوب #الأميرة_ديانا_لﻷبد #بريطانيا #لندن #قصتها_الحقيقية #أميرة_الشعب

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Die Geschichte basiert inhaltlich auf den geheimen Interviews, die Diana mit dem Journalisten Andrew Morton führte. Aus diesen resultiert schließlich auch jene Enthüllungsbiographie, die mindestens das Königshaus und seine Anhänger in den Folgejahren als Lügengebilde bekämpfen würden. Wer hätte gedacht, dass die so dramatisch erscheinende Story gespickt mit Intrigen, kalkulierten Klüngeleien und allerlei Machtgeplänkel sich tatsächlich als wahr entpuppen würde. Sheakespeare meets Dallas oder mindestens Melrose Place. Das spannendste dabei aber vor allem die innere Zerrissenheit der Hauptfigur. Prinzessin Diana, die schillernde Ikone dekonstruiert sich schonungslos Satz für Satz selbst. Das Bildnis aus Anmut und Eleganz, dass sie zu Lebzeiten für die Medien geschaffen hat, bröckelt mit jeder weiteren Minute und schon nach der ersten halben Stunde bleibt davon nichts weiter übrig, als eine verstörte, tief depressive Frau. Die kämpft mindestens so sehr gegen sich selbst, wie gegen das System, dass sie unterdrückt. Das ist bitter und fasziniert gleichzeitig auf eine fast schon voyeuristisch perverse Art.

Wir sehen einen Freigeist, der im zarten Alter von 19 Jahren in den berühmten goldenen Käfig gesperrt wird. Statt durch große Liebe ist die Beziehung zu Prinz Charles von Anfang an durch feste Konventionen und ein striktes Regelwerk geprägt. Selbst als die zukünftige Gattin zu ihrer eigenen Verlobungsfeier im schwarzen schulterfreien Kleid erscheint, hält man ihr unvermittelt vor, einen Fauxpas begangene zu haben. Wir erfahren, bei Königs gibt es kein Schwarz zu festlichen Anlässen und Ausschnitte schon gar nicht. Da ändert es auch nichts, dass man eigentlich der Startgast ist. Von da an präsentiert Diana sich stets hochgeschlossen, trägt fließende Kleider in leuchtenden Farben oder mindestens Kostüme mit tougher Businessnote. Darin liegt schließlich auch tatsächlich ihre modische Leistung, die ich erst jetzt, Jahre später erkenne und verstehe. Geschickt vereint sie Mode mit Biederkeit und bringt ihre persönliche Note in die steife royale Etikette ein. Es ist ihre Rebellion. Und sie gelingt. Schaut man sich nur einmal aktuelle Modetrends an. Und mehr noch, dieser geschickte Twist machte es eigentlich überhaupt erst möglich, dass auch Herzogin Kate nicht nur zur Stilikone werden konnte, sondern auch, dass sie als empathische Person in den Medien auftreten kann. Denn erst Diana trug Emotion und Menschlichkeit ins Königshaus hinein und verankerte sie durch ihre Söhne.

Schlussendlich ist und bleibt es aber vor allem diese schonungslos Wahrheit, die Diana für mich mit einem Mal so spannend macht, der ungeschönte Blick, mit dem sie bereit ist, sich selbst zu betrachten. Auf einmal ergibt irgendwie alles Sinn. Nichts ist perfekt, nicht einmal diese humanistische, gertenschlanke und stilsichere Heldin. Zu gerne hätten viele es sich wohl eingeredet. Den Gegenbeweis liefert sie uns per Tonband selbst, zwingt uns zuzuhören und das vermeintliche Märchen durch ihre Augen zu sehen. So wandelt sich das Disney-Wunderland schließlich zum verstörenden Tim Burton-Szenario, eines in dem die Herzkönigin gewinnt. Doch nicht das Königshaus ist hier das Böse – zumindest nicht allein. Genauso sind es auch die inneren Dämonen Dianas, die scheinbar immer in ihr verankert waren. Ob sie sie mit Dodi Al-Fayed schließlich endgültig losgeworden wäre, wir werden es nie erfahren. Aber am Ende macht schließlich doch auch genau das den Mythos einer Ikone aus.

Kategorie: Culture, Watch

von

Laura Sodano

FOUNDER & EDITOR IN CHIEF // Lebe lieber ungewöhnlich // Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Für die einen Schizophrenie par exellence, für diese Dame aber ganz normaler Alltag. Frei nach dem Motto, Gegensätze ziehen sich an, verzücken Laufstegbilder und Editorial Shoots Laura ebenso wie die 100. Neuauflage eines Susan Sontag Essays. Bücher und Mode sind ihre Schwäche, Film, Kunst und Kultur das Terrain auf dem sie heimisch ist. Die gebürtige Frankfurterin redet oft schneller, als andere denken. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit Wörtern ihre Waffe. Selten steht das Gedankenkarussell mal still. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Notizbuch ihr ständiger Begleiter.

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