Alle Artikel mit dem Schlagwort: Tocotronic

habits_mixtape_dan_croll

Mixtape | Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein

Seit kurzem höre ich wieder Tocotronic. Das Bewusstwerden dieses Umstands ging ganz organisch mit der Beobachtung einher, dass es vorher eine Zeit gegeben haben musste, in der ich Tocotronic nicht – oder viel richtiger: nicht mehr – gehört habe. Überrascht von dieser Tatsache habe ich mir dennoch nichts dabei gedacht, denn ich tue so viele Dinge bewusst oder unbewusst nicht, ohne einen größeren Sinn dahinter zu vermuten, dass sich das durchaus auch auf „Zuletzt gehörte Künstler“ auf Spotify auswirken kann. Hört man Tocotronic nach einer längeren Pause erneut, und das vielleicht auch in einer Situation, in der man sich wahlweise vierteilen oder doch zumindest den Beistand einer vierköpfigen Band vertragen kann, entfalten sich die poetischen Bestandsaufnahmen Dirk von Lowtzows und Kombo weit magischer als für gewöhnlich, weil eben nicht mehr gewohnt. Kaum habe ich die erste Verzückung der neuerlichen Identifizierung mit und Umarmung durch die Songs abgeschüttelt, ist es auf einmal ganz klar. Und zwar, wie viel Sinn gerade derzeit Tocotronic und im speziellen „Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein“ für mich höchstselbst ergibt. Dazu sei gesagt, …

habits_anhedonia_00

ANHEDONIA | 5 Fragen an Regisseur Patrick Siegfried Zimmer

Den morgigen Donnerstag solltet ihr im Kalender schon einmal mit einem X versehen, denn ANHEDONIA „Narzismus als Narkose“ kommt in die Kinos. Der Debütfilm von Patrick Siegfried Zimmer handelt von der Emotionslosigkeit unserer Gegenwart und bringt sie mit einem Augenzwinkern als ein groteskes Schauspiel auf die Leinwand. „ANHEDONIA ist das satirische Bildnis einer hoffnungslos narzisstischen Spaßgesellschaft, die sich dem kapitalistischen Diktat der permanenten Selbstoptimierung unterwirft und zugleich auf der sehnsuchtsvollen Suche nach mehr Tiefe, Glück und Erfüllung im Leben in der Dunkelheit selbstkonstruierter Abgründe verzweifelt umherirrt“, so der in Hamburg lebende Regisseur, Musiker und Produzent Patrick Siegfried Zimmer. Durch die Reizüberflutung dieser Tage bis zum Kollaps getriggert, verkehrt sich der Hedonismus unserer Zeit im Film in Langeweile, Unerschütterlichkeit und Apathie – bevor er ins Bodenlose stürzt und zur Anhedonie wird. Der Begriff der Anhedonie stammt aus der Psychologie und bezeichnet eine mentale Symptomatik: die Unfähigkeit, Freude und Befriedigung zu empfinden. Ein Phänomen, das wir angesichts der zunehmenden medialen, digitalen, leistungs- und konsumorientierten Konzentration auf Selbstinszenierung, -optimierung und Work-Work-Balance tatsächlich beobachten können. Da die Handlung beim Zuschauer am besten ohne …

mixtape header_habits_lcmdf

Mixtape | Konserviere deine Jugend

Als ich jünger war, gab es kaum etwas, dass mein Herz nicht auf Anhieb zum Klopfen bringen konnte. Wenn man mitten in der Pubertät steckt, scheint es ohnehin tausend gute Gründe zu geben, um den eigenen Emotionen freien Lauf zu lassen. Um ehrlich zu sein, hat sich mein Hang zum Theatralisch-Sinnlichen auch mit knapp 30 nicht wirklich verändert. Ich mag Emotionen und noch lieber lebe ich meine Gefühle aus. Sie zeigen mir, dass ich auch als Erwachsene noch immer dazu in der Lage bin, meinem inneren Kind genug Platz zum Toben zu lassen und die Welt mit anderen Augen zu sehen, als der schnöde Alltagstrott es uns so oft glauben machen will. Trotzdem habe auch ich gelernt mich hin und wieder am Riemen zu reißenn – vor allem in Situationen, in denen mein Verstand und (berufliches) Know How gefragt sind. Denn im Gegensatz zu mir scheint der Großteil meines Umfelds seine geistigen Marotten schon vor langer Zeit zusammen mit der Pubertät in einer Kiste tief im Keller verstaubt zu haben. Funktionieren, statt Fühlen. Das ist hart …

habits mixtape_header Newmen final

Mixtape | Im Zweifel für den Zweifel

Die Welt steht Kopf und wir mit ihr. Politische Querelen, Flüchtlingskrise, Terror-Angst, Wirtschaftsklüngeleien, permanente Verfügbarkeit dank digitaler Gadgets, Tinder, Jobsuche, Beziehungsstreits, Einsamkeit, Sinnsuche. Es scheint in diesen Tagen und vor allem in unserer Generation tatsächlich nicht leicht, auf dem richtigen Weg zu bleiben. Oft versperrt uns sprichwörtlich der Wald vor lauter Bäumen die Sicht und viel zu oft fühlen wir uns dazu gedrängt uns mit anderen zu vergleichen oder gar in Wettbewerb mit ihnen zu treten. Wir kämpfen gegen die Welt, tagtäglich aufs Neue. Eigentlich ist es nicht viel anders, als in Game of Thrones. Nur, dass hier von Zeit zu Zeit eben Köpfe rollen und das körperliche Ende dem seelischen vorauseilt. Die Realität geht da einen anderen Weg. Jeder von uns ist im Verlauf seines Lebens im matphorischen Sinne wohl schon gefühlte 100 Mal gestorben und wieder auferstanden. Und das ist bei Weitem nicht immer leicht – am Ende aber trotzdem dringend notwendig. Denn nur, wenn wir Altes hinter uns lassen, uns selbst hinterfragen, können wir weiterkommen. Wer wollen wir sein? Wer sind wir …

habits_mixtape_magic_island

Mixtape | Das Unglück muss zurückgeschlagen werden

Bisher dachte ich immer, Scheitern wäre ein fester Punkt auf einer Zeitachse. Ich war der Meinung, das Scheitern an sich könnte man immer einem eindeutig definierten Ereignis zuordnen. Der Kollaps kommt und im gleichen Augenblick ist einem klar – man ist gescheitert. Schließlich ist ein Misserfolg doch über alle Zweifel erhaben, so wie bei einer nicht bestandenen Prüfung oder wenn man bei einem Turnier verliert. Diese Woche habe ich allerdings erkannt, dass Versagen auch eine Entwicklung sein kann. Den Prozess bekommt man manchmal gar nicht wirklich mit, bis er einen von hinten umrennt und man fällt. Selbst der freie Fall lässt sich noch ausblenden, der Aufschlag tut irgendwann aber sicher weh. Doch wenn das Scheitern auch ein Vorgang sein kann, kann man dann zwischendrin womöglich sagen, man sei derzeit zu 63 Prozent gescheitert? Und morgen können es dann zwei oder 20 Prozent mehr oder auch weniger sein? Ab wann gilt Scheitern dann als definitiv? Scheitern ist heutzutage ja eher verpönt. Man scheitert lieber nicht und wenn doch, dann redet man nicht darüber. Aus diesem Grund sind wohl auch meine …

habits_musicfriday_drake_hotlinebling

Music Friday | Das „HAPPY“-Mixtape

Das größte Rätsel des Lebens ist wahrscheinlich das ontologische nach dem Sinn von alledem – unserem Sein, unseren Gedanken, unseren Taten. Warum schwingen wir uns allmorgendlich aus dem Bett, nur mit einer schnellen Kaffee-Infusion fähig, den unmittelbar folgenden Tag zu meistern? Wir tippen fleißig einen Text nach dem nächsten für die Arbeit herunter, finden das kreativste, nie dagewesene Konzept, bereiten einen Vortrag für die Uni vor, der ja keine einzige Frage offen lässt, geben das cleverste Kommentar zu jedem Sachverhalt ab, erdichten die witzigsten Hashtags auf Instagram oder kennen die wichtigsten Personen auf einer Vernissage oder Party. Unser Dasein ist ein Superlativ, wir sind die Besten. Oder arbeiten zumindest daran; denn in welchem Leben können wir eigentlich die Besten sein, schließlich gibt es doch immer jemanden, der noch besser ist. Und wenn wir mal kurz auf unsere innere Stimme hören, ist das dann am Ende des Tages wirklich das, was uns ein Lächeln auf das Gesicht zaubert, das von Herzen kommt? Im Leben geht es doch vielmehr darum, mal aus der Norm auszubrechen, nicht das zu machen, was …

Music Friday | Das „Feel Good“-Mixtape

Es gibt sie, diese Tage und Wochen, an denen man vollkommen bei sich selbst ist, jede Faser des Körpers im Einklang mit dem Geist ist und man sich einfach nur gut fühlt. Dort wo normalerweise vielleicht Unzufriedenheit oder Verbitterung einen Tisch reserviert haben, sind Plätze frei geworden und laden solche gern gesehenen Gäste wie Unbekümmertheit, Spaß, Euphorie und Selbstzufriedenheit ein. Von genau dieser Tiefenentspannung bin ich derzeit randvoll ausgefüllt, schlendere lächelnd durch die Gegend, komme einfach so immer mal wieder zufällig auf der Straße oder in der U-Bahn mit meiner Umwelt ins Gespräch (von der man sich von Zeit zu Zeit ja doch allzu gerne abkapselt) und plappere fröhlich über Gott und die Welt. In diesem Modus bietet sich natürlich das passende „Feel Good“-Mixtape an. Und was wäre da angemessener als ein Mix aus neuen Hits und alten Favoriten. Ganz so wie ein Freund und ich gestern im Büro feststellen mussten, als „Bittersweet Symphony“ aus den Lautsprechern dröhnte. Ich war gerade mal zu einem schlichten „Hach!“, begleitet von einem versonnenen Schmunzeln fähig, was er mit einem …