Alle Artikel mit dem Schlagwort: Think Aloud

Killed my mother

Think Aloud | Die Ehe für alle. Liebe all Over

Bild: I Killed my Mother (Regie: Xavier Dolan) Sie ist beschlossen, die “Ehe für alle”! Heute Vormittag beschloss der Bundestag in einer ersten Abstimmung mit eindeutiger Mehrheit von 393 Stimmen das Ja für die gleichgeschlechtliche Ehe. Ein wichtiger, historischer Schritt, der gleichzeitig deutlich macht, wie viel trotzdem noch immer im Argen wird. Führt man sich einmal vor Augen, dass noch bis vor knapp 50 Jahre Homosexualität als Krankheit galt, die mit Elektroschocktherapie zu heilen versucht oder sogar direkt gesetzlich geahndet wurde. Ein Prinzip, das in vielen Teilen der Welt leider noch heute Gang und Gebe ist. Man muss sich das einmal vor Augen führen: Menschen werden verfolgt und diskriminiert, weil sie jemanden lieben. Um nichts anderes geht es hier. Wen interessiert schon das jeweilige Geschlecht dahinter. Heterosexualität ist ohnehin nichts anderes, als ein tradierter Mechanismus, eingeschrieben ins kulturelle Gedächtnis, dessen hegemoniale Position daraus resultiert, dass viele sie für gegeben ansehen, ohne ihre Richtigkeit zu hinterfragen. Anders ausgedrückt: 2017 ist Modell Vater, Mutter, Kind in vieler Hinsicht überholt. Es gibt Patchworkfamilien, Paare, die in sogenannter wilder Ehe …

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Think Aloud | Von Perfektions- und Moralansprüchen

Vor Kurzem las ich ein einem Dossier in der Zeit, wie schädlich der Anbau von Avocados eigentlich für die Umwelt ist. Ausgerechnet jene Superfrucht, die in der westlichen Welt als Sinnbild für das bessere Leben steht, saugt derart viele Nährstoffe aus dem Boden, dass sie ihn danach nicht selten als Brachland zurücklässt. Von den Unmengen an Wasser, die in die Reifung einer einzelnen Frucht gepumpt werden müssen, ganz zu schweigen. Ebenso von den langen Transportwegen, die einen entsprechenden CO2-Ausstoß mit sich bringen. Kurzum: An der Avocado auf unserem Teller ist eigentlich nichts super. Schöner Mist. Meinen Konsum der grünen Frucht habe ich seitdem eingeschränkt. Das funktioniert ganz gut. Die Avocado komplett aus dem Kühlschrank zu verbannen, ist mir allerdings noch nicht gelungen und ich würde sogar behaupten, damit hatte der Beitrag noch immer mehr Affekt auf mich, als auf viele andere die ihn gelesen haben. Denn irgendwie ist es doch so: In der Theorie mögen wir zwar wissen, dass einiges, was wir in unserem Alltag verzapfen, nicht ganz koscher ist, doch ist die Praxis eben …

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Think Aloud | Katharsis. Eine Annäherung

Ich schwebe. Die Veränderung hat mich kalt erwischt. Seitdem scheint nichts mehr wie es war und doch ist irgendwie alles gleich. Die Tage gehen dahin, man steht auf, arbeitet, wabert durch die Gegend und geht wieder Schlafen. Nicht mehr. Nicht weniger. Es geht mir OK aber eben nicht gut. Niemand ist gestorben und trotzdem fehlt etwas unheimlich – jemand fehlt unheimlich. So ist das aber nun einmal mit dem Leben. Wenn du etwas verlierst, kannst du dich wie ein Kleinkind auf den Boden schmeißen und lauthals brüllen. Ob das etwas bringt, wage ich zu bezweifeln. Entsprechend bleiben zwei weitere Möglichkeiten. a) Letagiere vor dich hin, verkriech dich im Bett und versinke im Sumpf aus Selbstmitleid oder b) mobilisiere alles, was du an Kraft in dir hast und zieh den Misthaufen, der sich Leben schimpft, durch. Ich habe mich für Letzteres entschieden. Auch wenn es schwer fällt und ich mehr als einmal schon das Bedürfnis verspürt habe, einfach im Bett liegen zu bleiben oder wahllos fremde Menschen auf offner Straße zu beschimpfen. Bis zur verrückten Katzenlady …

generation was weiß ich

Think Aloud | “Was weiß ich schon, was ich will?!” Motto meiner Generation?

Ich habe einen neuen Job. Denn glaubt es oder nicht, habits ist, war und wird wahrscheinlich nie meine einzige Einnahmequelle sein. Wer verlässt sich aber auch schließlich in solch prekären Zeiten überhaupt noch auf eine einzelne fütternde Hand. Da wage ich doch lieber den Spagat zwischen verschiedenen Baustellen und sichere mich gleich mehrfach ab oder arbeite zumindest motiviert aufs Burnout zu. Wie dem auch sei, ich habe also einen neuen Job. Den Willen dazu hatte ich schon länger. Nach knapp sieben Jahren am selben Schreibtisch musste einfach mal Veränderung her. Hier ist sie nun also. Nach Berlin hat sie mich wieder nicht gebracht. Dabei wollte ich doch eigentlich immer dorthin. Wobei Frankfurt ist ja eigentlich auch sehr schön – und so bequem. Hier leben die Herzmenschen und wer hat schließlich nicht gern eine feste Hood mit vielen bekannten Gesichtern darin, die sich regelmäßig freuen einen zu sehen. Also lebe ich auch weiterhin brav in der Mainmetropole. Dafür pendle ich wenigstens ab sofort öfter gen Hauptstadt. Das passt deshalb ganz gut, weil ich ja auch meinen …

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Think Aloud | Fast 30. Alter ist auch nur eine Frage der Perspektive

Noch vor knapp einem Jahr – als auf dem Kuchen noch 29 Kerzen brannten – dachte ich großkotzig, dass all das Gerede um die Angst vor dem 30. Geburtstag nichts als krude Panikmache sei. Warum gerieten meine Freunde angesichts ihres eigenen Ehrentages eigentlich so aus dem Häuschen? Was macht es schon für einen Unterschied, ob nun vorne eine Zwei oder Eine drei steht? Naja, knapp 24 Stunden vor meinem persönlichen Zehnersprung weiß ich: einen ziemlich großen sogar! Zumindest emotional! Seit knapp zwei Wochen hat nun auch mich die Nervosität gepackt. Gehöre ich sonst eher zu der seltenen Spezies Mensch, die durch ein fast schon ungesundes Maß an Konzentrationsfähigkeit andere zum Kopfschütteln bringen, kann ich seit ein paar Tagen kaum mehr einen einfachen Gedanken zusammenhalten. Ich bin ruhelos, weiß nicht wohin mit mir, im Hirn geht es trotz reichlich Input drunter und drüber und kaum, dass der Kopf doch einmal kein direktes Denkfutter hat, rattert auch schon die Sorgenmaschine. Wo stehst du eigentlich im Leben? Was hast du bisher erreicht? Bist du damit zufrieden oder willst …

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Think Aloud | Kampf dem inneren Schweinhund

Sport und ich, das liegt in etwa so weit auseinander, wie Nudeln und Low Carb. Es ist nicht so, als hätte ich es nicht versucht, aber sobald es um das Thema Bewegung geht, krallt sich mein innerer Schweinehund am Sofa fest und ist dort mit aller Kraft auch nicht mehr wegzubekommen. Wer jetzt allerdings glaubt, ich wäre ein fauler Mensch, der nur faul im Bürostuhl hängt und auf dem Heimweg lieber die Roll- statt die analoge Treppe nimmt, der liegt völlig falsch. Um ehrlich zu sein, bereitet es mir sogar ziemliche Probleme einfach mal still auf meinen vier Buchstaben sitzen zu bleiben. Freunde sind immer wieder völlig baff angesichts all der so gut wie nie versiegenden Energie. Was sich mir nicht erschließt, ist vielmehr die Tatsache, warum ich stundenlang ziellos im Kreis laufen oder gar auf einem Stepper in einem müffeligen Studio auf der Stelle treten sollte. Allein beim Gedanken an schweißdurchtränkte Muckibuden mit all den fitten, durchtrainiert bis fleischigen Körpern n zu betreten, löst bei mir inneren Horror aus. Zu tief sitzen all die Vorurteile, die …

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Think Aloud | #WhatIReallyReallyWant… NOT

„Girlpower“, schreit das Netz und hyped derzeit ein Video, in dem der Spice Girls-Track „Wannabe“ seine feministische Neuauflage findet. Eine tolle Botschaft, die wir so aber irgendwie nicht ganz unterschreiben wollen. Es könnte doch eigentlich zu schön sein! Da veröffentlicht die UN einen Spot, in dem es um die Rechte von Frauen und Mädchen rund um den Globus geht – und zwar um die von allen Frauen ganz gleich welcher Herkunft. Verbündete scheinen schnell gefunden, weshalb auch gleich eine ganze Reihe charmanter junger Damen sich motiviert bis energisch durch den Imageclip singen und tanzen, darunter die bekannte Bollywood-Schönheit Jaqueline Fernandez oder die Tänzerinnen Larsen Thompson und Taylor Hatala. Passend zum Thema muss das Ganze natürlich auch mit dem entsprechenden Track unterlegt werden und was läge da näher, als der große Hit einer Girlband, die in den 90er Jahren für Girlpower stand, wie keine andere. Bringt garantiert zusätzliche Aufmerksamkeit und deren bekannteste Refrainzeile lässt sich – welch glücklicher Zufall – auch unheimlich gut in einen Hashtag verpacken. Et volià, ein Hype ist geboren, den wir unter …