Alle Artikel mit dem Schlagwort: Kommentar

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Debate | G20 – Die Hölle war abszusehen

Editor’s Note: Der Beitrag zum G20 Gipfel mag zunächst ein ungewohntes Thema hier auf dieser Seite sein. Doch beschäftigen sowohl Lola, als auch ich uns nicht nur mit den schönen Dingen des Lebens. Das Interesse an Politik und Gesellschaft gehört spätestens seit dem Studium als fester Teil zu mir. Ich habe selbst schon auf Demonstrationen gestanden und laut meine Meinung skandiert, ich engagiere mich seit Jahren feministisch und bin mit meiner manchmal radikalen Einstellung zu verschiedenen Punkten auch schon mehr als einmal angeeckt. Das alles ist wichtig, das alles ist gut. Dialog – egal ob sachlich leise oder laut streitend – bildet erst die Basis, auf der Neues Entstehen kann. Was in Hamburg gerade passiert, geht uns alle etwas an. Die Ereignisse markieren einen gesellschaftlichen Wandel, der schon lange unterschwellig brodelt und den wir endlich nicht mehr länger ignorieren dürfen. In vielerlei Hinsicht. Aus diesem Grund launchen wir hiermit offiziell die Rubrik Debate, in der wir solchen Themen ab sofort in regelmäßigen Abständen angehen und diskutieren wollen. ——————————————————————- Ich sitze im Zug von Berlin zurück nach Frankfurt, scrolle durchs Netz …

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Think Aloud | Die Ehe für alle. Liebe all Over

Bild: I Killed my Mother (Regie: Xavier Dolan) Sie ist beschlossen, die “Ehe für alle”! Heute Vormittag beschloss der Bundestag in einer ersten Abstimmung mit eindeutiger Mehrheit von 393 Stimmen das Ja für die gleichgeschlechtliche Ehe. Ein wichtiger, historischer Schritt, der gleichzeitig deutlich macht, wie viel trotzdem noch immer im Argen wird. Führt man sich einmal vor Augen, dass noch bis vor knapp 50 Jahre Homosexualität als Krankheit galt, die mit Elektroschocktherapie zu heilen versucht oder sogar direkt gesetzlich geahndet wurde. Ein Prinzip, das in vielen Teilen der Welt leider noch heute Gang und Gebe ist. Man muss sich das einmal vor Augen führen: Menschen werden verfolgt und diskriminiert, weil sie jemanden lieben. Um nichts anderes geht es hier. Wen interessiert schon das jeweilige Geschlecht dahinter. Heterosexualität ist ohnehin nichts anderes, als ein tradierter Mechanismus, eingeschrieben ins kulturelle Gedächtnis, dessen hegemoniale Position daraus resultiert, dass viele sie für gegeben ansehen, ohne ihre Richtigkeit zu hinterfragen. Anders ausgedrückt: 2017 ist Modell Vater, Mutter, Kind in vieler Hinsicht überholt. Es gibt Patchworkfamilien, Paare, die in sogenannter wilder Ehe …

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Reading List | Von großen Illusionen, Hass im Netz und Gendertrouble

Donnerstagfrüh. Halbzeit. Zwei Tage sind geschafft, zwei weitere folgen noch bis zum heiß ersehnten Wochenende. Normalerweise versuche ich es ja tunlichst zu vermeiden, mich in die Gruppe der Wochennörgler einzureihen. Im Gegensatz zu vielen anderen habe ich allerdings auch das Glück einen Teil meiner Woche relativ frei gestalten zu können. Trotzdem gibt es Wochen, in denen auch mir E-mails, Texte und Arbeit über den Kopf wachsen und mich dazu verdonnern, auch dann noch am Rechner zu sitzen, wenn andere schon längst Feierabend haben. Nicht, dass ich ein Problem damit hätte. Schließlich liebe ich, was ich tue, sonst würde ich mich wohl kaum auf ein Leben zwischen Teilzeit und Freiberuflertum einlassen. Was ich in solchen Zeiten aber schmerzlich vermisse, ist nicht einmal so sehr der Nachmittagskaffee oder der abendliche Wein mit den Herzmenschen. Es ist das Lesen. Wenn sich bei mir das Gefühl breitmacht, vor lauter Arbeit, nichts mehr von all den wichtigen Dingen in der Welt mitzubekommen, dann werde ich schlichtweg panisch. Wie sonst sollte man schließlich das eigene freie, kritische Denken sichern und bewahren, als durch …

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Think Aloud | Das Ende der Nacktheit? Wie Playboy und Co. die neue Prüderie einläuten.

Der Playboy ohne nackte Frauenkörper? Das klingt wohl mindestens so abwegig, als würde ein Fashionmagazin beschließen von nun an auf Mode zu verzichten. Und doch soll genau das spätestens im März 2016 knallharte Realität werden. Denn wie Magazin-Chef Scott Flanders nun gegenüber der New York Times äußerte, sind es längst nicht mehr die unbekleideten Damen, wegen denen sich das Magazin verkaufe. Ganz im Gegenteil. Der Playboy, der mit einer Auflage von knapp 5,6 Millionen Heften pro Ausgabe in den 70er Jahren zu den führenden Titeln auf dem Printmarkt zählte, druckte zuletzt nicht einmal mehr als 800.000 Exemplare. Und wozu auch? In Zeiten, in denen Brüste und andere Nuditäten per simplem Mausklick in Massen im WWW erhältlich sind und jeder Amateur offensichtlich glaubt, zum Pornostar berufen zu sein, kräht längst kein Hahn mehr nach der verhältnismäßig keuschen Print-Aternative. Was 1975 als (geschmacklose) Revolution galt und jahrelang bei einem ganzen Haufen heranwachsender Halbstarker für feuchte Träume und verklebte Seiten sorgte, kann den meisten von uns heute wohl nur noch ein müdes Lächeln abringen. Ohnehin hatte der Playboy tatsächlich schon …