Alle Artikel mit dem Schlagwort: Dirk von Lowtzow

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WIN | Happy Advent #3 mit ANHEDONIA

Blicken wir zurück auf 2016, liegt doch ein recht ereignisreiches Jahr mit vielen Tief- und Höhepunkten hinter uns. Glücklicherweise ist nicht alles düster und fragwürdig gewesen, sondern gerade kulturell gesehen gab es viele Highlights. Eines davon war ohne Frage der Kinostart von ANHEDONIA „Narzismus als Narkose“. Wir erinnern uns an den Debütfilm von Regisseur, Musiker und Produzent Patrick Siegfried Zimmer (und unser Interview) mit der fulminanten Besetzung und dem aktuellen, pointiert inszenierten Thema der Anhedonie unserer Gegenwart. Als überzeichnete Dystopie auf die Leinwand gebracht, wählt sich der Film zwei Aristokratensöhne als Role Models einer bis zum Limit umtriebigen Spaßgesellschaft, die ob des permanenten Triggerns jedweder Sinne durch Informationsflut, Leistungs- und Optimierungsimperativ sowie Second Life in den sozialen Medien hilflos kapitulieren muss. Langeweile, Apathie und schließlich Anhedonie wird zur Volkskrankheit, Millionen von Menschen unfähig, auch nur irgendein Anzeichen von Freude oder Befriedigung zu empfinden. Glücklicherweise besteht Hoffnung auf Heilung – dank der neuartigen Lust-Stimuli-Therapie von Dr. Immanuel Young, der sich beide Protagonisten in der Nervenklinik Seelenfrieden unterziehen. Die Darsteller, vor allem aus dem Musikkontext oder von der Theaterbühne bekannt, hauchen dem …

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Mixtape | Take Care Of Business

An manchen Tagen stehen alle Zeichen auf Retrospektive. Da kann es vorkommen, dass da auf der Bühne vor einem an einem lauen Spätsommerabend ein Künstler steht, den man vor ziemlich genau drei Jahren schon einmal in der gleichen Stadt gesehen hat – und schon hängt der Kopf im Wolkenreich der Erinnerungen. Meist bleibt es nicht nur allein dabei, denn es liegt in der Natur des Menschen, Vergleiche zu ziehen. Das Damals mit dem Jetzt abzuwägen, zu Analysieren, was sich seitdem verändert oder nicht verändert hat und was überhaupt alles passiert ist. Meist gilt der als erfolgreich, dessen Leben sich in besonders großem Maße um die eigene Achse gedreht hat. Ganz unabhängig von dem, was inhaltlich genau passiert ist – es gilt: Wandel ist als positiv einzuschätzen und Stillstand ist eher unangenehm. Womöglich liegt es in der bloßen Natur des Menschen, die sich an das Bestehende klammert und sich vor Neuem scheut. Wer diese grundsätzliche Angst überwindet, gilt immer als respektabler Gewinner. Außerdem lehrt uns bereits die Renaissance: Erneuerung ist erstrebenswert. Wer sich und andere aber rein …

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ANHEDONIA | 5 Fragen an Regisseur Patrick Siegfried Zimmer

Den morgigen Donnerstag solltet ihr im Kalender schon einmal mit einem X versehen, denn ANHEDONIA „Narzismus als Narkose“ kommt in die Kinos. Der Debütfilm von Patrick Siegfried Zimmer handelt von der Emotionslosigkeit unserer Gegenwart und bringt sie mit einem Augenzwinkern als ein groteskes Schauspiel auf die Leinwand. „ANHEDONIA ist das satirische Bildnis einer hoffnungslos narzisstischen Spaßgesellschaft, die sich dem kapitalistischen Diktat der permanenten Selbstoptimierung unterwirft und zugleich auf der sehnsuchtsvollen Suche nach mehr Tiefe, Glück und Erfüllung im Leben in der Dunkelheit selbstkonstruierter Abgründe verzweifelt umherirrt“, so der in Hamburg lebende Regisseur, Musiker und Produzent Patrick Siegfried Zimmer. Durch die Reizüberflutung dieser Tage bis zum Kollaps getriggert, verkehrt sich der Hedonismus unserer Zeit im Film in Langeweile, Unerschütterlichkeit und Apathie – bevor er ins Bodenlose stürzt und zur Anhedonie wird. Der Begriff der Anhedonie stammt aus der Psychologie und bezeichnet eine mentale Symptomatik: die Unfähigkeit, Freude und Befriedigung zu empfinden. Ein Phänomen, das wir angesichts der zunehmenden medialen, digitalen, leistungs- und konsumorientierten Konzentration auf Selbstinszenierung, -optimierung und Work-Work-Balance tatsächlich beobachten können. Da die Handlung beim Zuschauer am besten ohne …