Alle Artikel mit dem Schlagwort: David Bowie

Mixtape_Romy

Mixtape | “Tonight We’ll Let It Go And Let It Burn Into The Morning Light”

Statt 30 Grad steht die Heizung auf drei, statt Sonnenschein und Wonnestimmung draußen tristes Regengrau. Das aktuelle Herbstwetter schlägt mir auf’s derzeit ohnehin angeschlagene Gemüt. Müdigkeit. Lethargie. Im Kopf herrscht absolute Flaute, die Gefühle auf Sparflamme, wenn sie nicht inzwischen sowieso schon wie Hände und Füße abgefroren sind. Klingt dramatisch? Empfinde aber wohl längst nicht nur ich so. Wo man hinschaut, blicken einem abgespannte und zunehmend genervte Gesichter entgegen. Auch sie haben Wintermantel, Schal und Mütze satt. Auch sie wollen Sandalen, nackte Beine und Feierabendbier im Sonnenuntergang – eben das Klischee in voller Bandbreite. Es bleibt die Flucht in andere Realitäten. Bücher, Filme, Serien und seit kurzem auch wieder Musik. Die konnte ich in den letzten eineinhalb Monaten so gut wie nicht ertragen. Aus Gründen. Zu viel Emotion wurde da mit einem Schlag aufgewühlt – und wird es teilweise noch. Allmählich nähern wir uns aber wieder an, die Songs und ich. Neue kommen dazu, alte werden wieder entdeckt. Aktuell sind die meisten von ihnen eher laut, wütend und trotzig. Manchmal auch melancholisch. Aber das versuche ich …

habits_mixtape_david_bowie

Mixtape | We can be heroes, just for one day

Vor fünf Tagen ist David Bowie, eine der bemerkenswertesten Persönlichkeiten der Pop-Kultur, von uns gegangen. Die Nachricht erwischte mich von hinten, über das Radio in mein Ohr gesäuselt in meiner blanken Alltäglichkeit, an einem Morgen so wie jeder Morgen, nur dass mich nun den folgenden Tag über eine dumpfe Magenverstimmung begleitete. Ich könnte an dieser Stelle viele große Worte über seine außerordentliche Schaffenskraft und Originalität verlieren, die sich nicht nur auf die ständige Neuerfindung der Musik und seiner selbst bezog, sondern  auch auf seine Auftritte als Filmschauspieler und seinen Einfluss auf das zeitgenössische Verständnis von Mode. Und auch mit der Berlin-Triologie bestehend aus den Alben Low, Heroes und Lodger, die er während zwischen 1976 und 1978 in der Hauptstadt schuf, war er derjenige, der Berlin einen wichtigen Platz auf der Musiklandkarte sicherte. Solche Worte können aber nur beispielhaft bleiben. Um die Magie dieses Künstlers zu verstehen, muss man sie wahrscheinlich an sich herangelassen haben. Am Mittwoch arbeitete ich im Halleschen Haus gerade an einem Text, es war früher Nachmittag und das Café wie gewohnt voller arbeitender, …

habits_mixtape_magie_unbekannte

Mixtape | Über Magie und andere Unbekannte

Vor wenigen Tagen schickte eine Freundin, die momentan ein paar Wochen in New York verbringt, ein Foto via WhatsApp mit den Worten: “For you girls: das Haus von Carry Bradshaw”. Tatsächlich war dort das friedliche Haus der fiktiven 245 East 73rd Street in der Upper East Side (in der Realität sendete sie uns das Bild aus der 66 Perry Street, Greenwich Village) zu sehen und die berühmte Magnolia Bakery nur ein paar Schritte entfernt. Beim Anblick der Kulisse war auch Carry Bradshaw selbst, sitzend auf den Stufen vor ihrer Haustür, nur einen gedanklichen Fingerschnips entfernt. Merkwürdig, wie Realität und Fiktion in manchen Momenten magisch zusammenfallen und wie beinahe selbstverständlich wir das hinnehmen. Ähnlich ist es, wenn man eine seiner Lieblingsbands endlich live auf der Bühne erleben kann – so wie Laura am vorletzten Mittwoch bei MS MR in Frankfurt und ich selbst ein paar Tage darauf bei Years & Years im Astra Kulturhaus. Auch wenn echte Musiknerds ein obligatorisches Mainstream-Tabu ausgesprochen haben und man dieser Tage wenn überhaupt, dann nur verschämt zugibt, dass derlei Chart-Konsorten wie Years & Years, …

habits_mixtape_magic_island

Mixtape | Das Unglück muss zurückgeschlagen werden

Bisher dachte ich immer, Scheitern wäre ein fester Punkt auf einer Zeitachse. Ich war der Meinung, das Scheitern an sich könnte man immer einem eindeutig definierten Ereignis zuordnen. Der Kollaps kommt und im gleichen Augenblick ist einem klar – man ist gescheitert. Schließlich ist ein Misserfolg doch über alle Zweifel erhaben, so wie bei einer nicht bestandenen Prüfung oder wenn man bei einem Turnier verliert. Diese Woche habe ich allerdings erkannt, dass Versagen auch eine Entwicklung sein kann. Den Prozess bekommt man manchmal gar nicht wirklich mit, bis er einen von hinten umrennt und man fällt. Selbst der freie Fall lässt sich noch ausblenden, der Aufschlag tut irgendwann aber sicher weh. Doch wenn das Scheitern auch ein Vorgang sein kann, kann man dann zwischendrin womöglich sagen, man sei derzeit zu 63 Prozent gescheitert? Und morgen können es dann zwei oder 20 Prozent mehr oder auch weniger sein? Ab wann gilt Scheitern dann als definitiv? Scheitern ist heutzutage ja eher verpönt. Man scheitert lieber nicht und wenn doch, dann redet man nicht darüber. Aus diesem Grund sind wohl auch meine …