Alle Artikel mit dem Schlagwort: Arcade Fire

Mixtape | Ich wünschte, ich würde mich für Tennis interessieren

Es ist doch so: Manchmal denkt man, und manchmal denkt man mehr. Manchmal ist da nur Harmonie, Gelassenheit, vielleicht auch nur bloße Hinnahme, Stillschweigen über das Dasein, während man sich routinemäßig von Tag zu Tag hangelt; zeitweilig als Balanceakt, aber ohne darüber viele Worte oder Gedanken zu verlieren. Das mag wie Apathie klingen, aber manchmal hilft uns das dabei, ohne größere Verwirrungen und Blessuren durch den Alltag zu kommen. Bisweilen kommt es aber vor, dass eine kleinere oder größere Erschütterung anklopft, ein Satz, eine Beobachtung, ein Gedankenspiel, ein Buch, ein Gespräch, Emotion. In den vergangenen Wochen war es irgendwie eine Mischung aus allem, das sich nicht nur über meinen Alltag legte, sondern nach einem Seitenblick, recht, links, vorn, hinten – überall irritiertes Stutzen, Empörung, Wut, große Gesten. Es geht um die Geschichten, Zwischenfälle, Begegnungen in einer Gegenwart, die niemals freier, niemals unverbindlicher, niemals schneller, entblößter und selbstverliebter war als heute. Eine Zeit, die uns die größtmögliche Freiheit verspricht. Eine Freiheit, die wir nicht abschlagen können, die so allgegenwärtig und groß ist, dass uns die Antwort …

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Mixtape | Zwischen Tagträumen und Fernweh

Wenn ich ehrlich bin, war ich nie eine große Tagträumerin. Als Kind hatte ich eine große Fantasie und habe es geliebt, mir eigene Welten zu konstruieren, ganz für mich allein in meinem Zimmer mit sehr abstrakten Plastikbausteinen und einer Handvoll Spielzeugtiere. Tagelang konnte ich so zubringen und meine Eltern haben sich sicher manchmal gefragt, ob ihre Kleine wieder bei Oma gegenüber steckt – dabei steckte ich gerade nur mitten in meinem Fantasieuniversum. Als ich ins Teenageralter kam, dachte ich mir jeden Abend zum Einschlafen eine eigene Geschichte aus, mit der ich mich glücklich ins Traumland manövrierte. Tagsüber bewahrte ich immer eine gewisse innere Gemütsruhe, war stets bei der Sache und fast schon ernst. Meine Träume waren etwas ganz für mich allein, reserviert für den Übergang vom Wachen zum Schlafen. Je älter ich wurde, desto mehr nahmen meine Utopien ab. Inzwischen bin ich nicht mal mehr imstande, mich am nächsten Morgen an einen meiner Träume der vergangenen Nacht zu erinnern, geschweige denn meine Vorstellungskraft bewusst dazu einzusetzen, um irgendwie der Realität zu entfliehen. Es mag platt klingen, aber sobald …

Mixtape | Wie ein pubertärer Gefühlsflashback

Pünktlich zum Start ins Wochenende gibt es von uns natürlich auch dieses Mal wieder die geballte Ladung Musik auf die Ohren… und das ist, was die Zusammenstellung angeht, für mich tatsächlich gar nicht so leicht, wie mancher denken mag. Denn während Lola diejenige von uns beiden ist, die sich in Sachen Musik richtig auskennt und über die neueste Neuerscheinung schon Wochen vorher Bescheid weiß, stapfe ich mehr als intuitive Hörerin durch, die ohne den musikalischen Geist ihrer herzallerliebsten Lola und des persönlichen Musiker-Herzmannes wohl tatsächlich ziemlich aufgeschmissen wäre. Vor allem Letzterer hat mich über die Jahre faul werden lassen. Schließlich bekomme ich durch ihn alles Hörenswerte nicht nur sozusagen in fein portionierten Häppchen auf dem Silbertablett gereicht, ich kenne auf diesem Planeten wohl auch niemand anderen, der so sehr für und durch Musik lebt, wie dieser Mann. Da stellt sich mir manchmal schon ernsthaft die Frage, wie dieser Kerl eigentlich an einen solchen Musik-Rookie, wie mich, geraten konnte, der nicht nur regelmäßig durch Unwissenheit, sondern auch noch eine tiefe Leidenschaft für links angehauchten, schrillen Feministinnen-Elekto-Postpunk und überproduzierte Dosenmucke hegt. Selbst der herzallerliebsten Lola blieb …

Music Friday | Das „Feel Good“-Mixtape

Es gibt sie, diese Tage und Wochen, an denen man vollkommen bei sich selbst ist, jede Faser des Körpers im Einklang mit dem Geist ist und man sich einfach nur gut fühlt. Dort wo normalerweise vielleicht Unzufriedenheit oder Verbitterung einen Tisch reserviert haben, sind Plätze frei geworden und laden solche gern gesehenen Gäste wie Unbekümmertheit, Spaß, Euphorie und Selbstzufriedenheit ein. Von genau dieser Tiefenentspannung bin ich derzeit randvoll ausgefüllt, schlendere lächelnd durch die Gegend, komme einfach so immer mal wieder zufällig auf der Straße oder in der U-Bahn mit meiner Umwelt ins Gespräch (von der man sich von Zeit zu Zeit ja doch allzu gerne abkapselt) und plappere fröhlich über Gott und die Welt. In diesem Modus bietet sich natürlich das passende „Feel Good“-Mixtape an. Und was wäre da angemessener als ein Mix aus neuen Hits und alten Favoriten. Ganz so wie ein Freund und ich gestern im Büro feststellen mussten, als „Bittersweet Symphony“ aus den Lautsprechern dröhnte. Ich war gerade mal zu einem schlichten „Hach!“, begleitet von einem versonnenen Schmunzeln fähig, was er mit einem …