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Shoes Crush 2016 | Der Céline Babouche

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Bilder: PR

Die Modewelt hat einen neuen Crush und wie könnte es anders sein: Es ist ein Schuh aus dem Hause Céline. Der Babouche V Neck Slipper erhitzt derzeit die Gemüter der Modefans und kaum ein Instagram-Account, Blog oder Magazin, das nicht davon schwärmt. Ohnehin gilt das französische Traditionshaus ja schon seit einer Weile als Garant für allseits umschwärmte It-Pieces. Phoebe Philo weiß einfach, was Frau will – mindestens die Modefrau. Denn trotzdem scheiden sich natürlich auch an diesen schmucken Tretern wieder einmal die Geistern. Vor allem außerhalb der großen schönen Fashionwelt ploppt wohl bei so manchem Betrachter unweigerlich die Frage auf: Ist das eigentlich noch schön oder kann das weg?

Und zugegeben, auch ich bin mir längst noch nicht ganz sicher, wie ich nun zu den spitz zulaufenden Schläppchen stehen soll. Der Look hat etwas, keine Frage! Rundliche Schuhmodelle scheinen ja ohnehin seit einigen Saisons auf dem Rückmarsch und auch der gute alte absatzlose Ballerina macht sich mehr und mehr daran, sein Comeback zu feiern. Dazu kommt, dass man schon auf den Bildern das butterweiche (leider Lamm-)Leder praktisch fühlen kann – und wer will nicht seinen Fuß in etwas vermeintlich so bequemes hineinmanövrieren? Aber will ich (mal ganz nüchtern betrachtet), tatsächlich in einem Schuh das Haus verlassen, der ein wenig so aussieht, als habe Aladdin vergessen seine Hausschuhe auszuziehen? Dazu die riesige Schnalle, die in mir auf Anhieb das Bedürfnis weckt, ein lautes piratisches „Harr, harr, harr“ auszustoßen. Nennt mich verbissen, aber ich weigere mich schon seit Kindertagen entschieden, irgendwelche Dinge zu tragen, die auch nur im entferntesten optisch eine Seeräuberin aus mir machen könnten. Vielleicht liegt es daran, dass ich grundsätzlich viel zu schnell seekrank werde.

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Aber zurück zum Thema, bei dem vor allem eine Sache ein wohl nicht ganz unerheblicher ist: Schließlich sind satte 690 Euro auch bei Weitem kein Pappenstil für ein modisches Accessoire, das mit ziemlicher Sicherheit bei mindestens der Hälfte der Käuferinnen garantiert in der nächsten Saison schon wieder verständnisloses Kopfschütteln auslösen wird. Dann ist der Hype nämlich vorbei und der Blick jenseits von Social Media-Lobeshymnen wieder ein knallhart nüchterner. Und ehe wir uns versehen, verschwinden die einst so heiß begehrten Treter in den tiefen Weiten des Kleiderschranks und die Erinnerung daran in der „Was hatte ich mir dabei bloß gedacht“-Ecke. Wir haben es alle selbst schon oft genug erlebt. Von Buffalo-Klötzern über sportliche Knopfhosen, bis hin zu extravaganten Rüschenblusen oder Gladiatorsandalen, kaum ein Teil hat nach dem großen Trend noch gleichermaßen wie davor unser Herz erwärmen können. Sicher, wir könnten zwar versuchen, die Aladdin-Piraten-Schlappen wieder los zu werden, um wenigstens einen Teil des Baren zurück zu ergattern. Aber wer will schon Schuhe kaufen, die so augenscheinlich „Last Season“ sind? Da müssen wir wohl schon ein Weilchen warten, bis der Retrofaktor einsetzt und die Dinger als Vintage-Träumchen gelten.

Am Ende bleibt also die Frage: Begehren wir diesen Schuh nun so sehr, weil er uns wirklich gefällt oder kommt da nicht lediglich der innere Jagdtrieb nach dem nächsten großen It-Piece zum Tragen. Marken haben nun einmal eine ganz besondere Aura. Sie sind Statussymbole, mit denen wir anderen auf den ersten Blick zeigen, wer wir sind und in welchem Kosmos wir uns bewegen. Und genau darum geht es am Ende doch eigentlich auch vielen: ein Gefühl von Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe und mehr noch, die Anerkennung durch andere. Davon ist wohl niemand wirklich frei und während sich bei den einen das Bedürfnis in modischen Kapriolen niederschlägt, sammeln die anderen seltene Briefmarken und wieder Dritte bearbeiten ihr Auto, bis es eine Disko auf vier Rädern wird. Am Ende sind wir eben doch alle irgendwie gleich.

Wer allerdings im Falle der Céline Babouches die Probe aufs Exempel machen will, der findet im Netz bereits jetzt Unmengen passender Look-a-Likes, die im Budget deutlich unter den Originalen liegen. Wem angesichts dieser No-Name-Modelle dann immernoch das Herz höher schlägt, der dürfte auch mit den echten Trendteilen sein Glück finden – und das vielleicht sogar über mehrere Saisons hinweg. Alle anderen haben mit dem Kauf der Low-Budget-Alternative dann wenigstens das Wissen, für einen kurzweiligen Trend nicht das ganze Ersparte hingeblättert zu haben. Und wer weiß, irgendwann in – ferner Zukunft – feiern vielleicht auch diese Treter dann einmal ihr Comback. Schließlich kommt doch alles irgendwann irgendwie wieder.

#1 Buntes Korbmodell von Mango
#2 Slipper-Variante von Mango
#3 mit kleinem Absatz von Zara

Kategorie: Fashion, News, Trend

von

Laura Sodano

FOUNDER & EDITOR IN CHIEF // Lebe lieber ungewöhnlich // Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Für die einen Schizophrenie par exellence, für diese Dame aber ganz normaler Alltag. Frei nach dem Motto, Gegensätze ziehen sich an, verzücken Laufstegbilder und Editorial Shoots Laura ebenso wie die 100. Neuauflage eines Susan Sontag Essays. Bücher und Mode sind ihre Schwäche, Film, Kunst und Kultur das Terrain auf dem sie heimisch ist. Die gebürtige Frankfurterin redet oft schneller, als andere denken. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit Wörtern ihre Waffe. Selten steht das Gedankenkarussell mal still. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Notizbuch ihr ständiger Begleiter.

2 Kommentare

  1. Merle sagt

    Mal wieder ein schöner Artikel in dem ihr hinterfragt und reflektiert, anstatt die Dinge einfach zu lobhudeln.
    „Dann ist der Hype nämlich vorbei und der Blick jenseits der Social-Media Lobeshymnen wieder ein knallhart nüchterner.“ Ich konnte unzählige Passagen zitieren, ihr schreibt so herrlich erfrischend und kreativ!
    Abgesehen davon erzeugen die Schuhe bei mir bis dato eher Fragezeichen im Kopf als ein haben-wollen Gefühl.

  2. jule sagt

    Liebe Laura,

    dies ist wirklich ein ausgezeichneter Artikel zu diesem Trendthema. Ich bin wirklich extrem gespannt, wie lange wir diesen Schuh auf Instagramm und Co sehen werden. Ich selber finde diesen Schuh jetzt gerade schön, bin mir aber nicht sicher, ob es nur daran liegt, dass meine Lieblingsblogger ihn tragen. Deswegen warte ich ein paar Monate ab. Sollte er mir dann noch gefallen, könnte es eine Investition wert sein.

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