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Reading List | Von großen Illusionen, Hass im Netz und Gendertrouble

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Donnerstagfrüh. Halbzeit. Zwei Tage sind geschafft, zwei weitere folgen noch bis zum heiß ersehnten Wochenende. Normalerweise versuche ich es ja tunlichst zu vermeiden, mich in die Gruppe der Wochennörgler einzureihen. Im Gegensatz zu vielen anderen habe ich allerdings auch das Glück einen Teil meiner Woche relativ frei gestalten zu können. Trotzdem gibt es Wochen, in denen auch mir E-mails, Texte und Arbeit über den Kopf wachsen und mich dazu verdonnern, auch dann noch am Rechner zu sitzen, wenn andere schon längst Feierabend haben. Nicht, dass ich ein Problem damit hätte. Schließlich liebe ich, was ich tue, sonst würde ich mich wohl kaum auf ein Leben zwischen Teilzeit und Freiberuflertum einlassen. Was ich in solchen Zeiten aber schmerzlich vermisse, ist nicht einmal so sehr der Nachmittagskaffee oder der abendliche Wein mit den Herzmenschen. Es ist das Lesen. Wenn sich bei mir das Gefühl breitmacht, vor lauter Arbeit, nichts mehr von all den wichtigen Dingen in der Welt mitzubekommen, dann werde ich schlichtweg panisch. Wie sonst sollte man schließlich das eigene freie, kritische Denken sichern und bewahren, als durch die Vermittlung und Aufnahme von Informationen. Gerade jetzt in einer Zeit, in der Konflikte an so vielen Ecken unseres Erdballs schwelen, erscheint dieser Grundsatz umso wichtiger. Das Böse und Beängstigende – wenn man es so platt nennen will – wütet nicht mehr nur noch am anderen Ende der Welt, es macht sich allmählich auch vor der eigenen Haustür breit. Grund genug, ein Auge auf all das zu haben, was in der Welt gerade so passiert – fernab des schönen ästhetischen Chichis, in dessen heiler Blase wir uns sonst so gerne verstecken. Hier kommt eine neue Leseliste:

#1 Die große Illusion | Nina Pauer zum Verhältnis von Schwangerschaft und Geschlecht

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“Wie man es dreht und wendet: Das Entstehen neuen Lebens ist ein archaischer GAU, der moderne Individuen zurück ins Affenzeitalter bombt, und sei es für noch so kurze Zeit. Während diese Phase für die meisten Männer nach einigen Tagen oder wenigen Wochen durch eine Rückkehr in die Arbeitswelt endet […], wird sie für die große Mehrheit der Frauen zum Alltag”, schreibt Nina Pauer in ihrem Kommentar auf ZEIT.de und trifft damit den Nagel in gewisser Weise auf den Kopf. Detailliert beschreibt sie, wie Frauen nach der Schwangerschaft auf einmal vergeblich nach Gleichberechtigung suchen. Aber auch junge Väter, so führt sie weiter aus, werden mit einem Schlag in eine Rolle gedrängt, die viele so eigentlich gar nicht haben wollen. Nicht alle möchten den Alleinversorger spielen, sondern legen Wert darauf, zeit mit der Familie zu verbringen. Ein Umdenken muss her, wirtschaftlich genauso wie im Hinblick auf Gesellschaft.

#2 “Wo Frauen sich äußern, erzeugt das Hass” | Die Süddeutsche im Interview mit Jessica Valenti

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Jessica Valenti ist eine der relevantesten feministischen Stimmen unserer Zeit. Leider zieht sie damit vor allem im Netz regelmäßig den Hass auf sich. The Guardian, für den Valenti schreibt, führte jetzt eine Studie zu eben jenem Thema durch. Trauriges Ergebnis: Valenti führt die Rangliste an. Keine erhält so viele Drohmalis und Hasskommentare, wie sie. Nur wie kann das sein? Scheint es tatsächlich für viele noch immer ein Problem, wenn Frauen denken und ihre Meinung zur Sprache bringen? Offensichtlich schon. Das zeigte nicht zuletzt auch die traurige Debatte um eine weibliche Fußballkommentatorin. Jessica Valenti im Interview mit Kathleen Hildebrand auf Süddeutsche.de, absolut lesenswert!

#3 Es ist nicht eure Welt, die hier zerschossen wurde | Redakteur Adriano Sack zum Attentat von Orlando

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Was in Orlando passiert ist, war nicht nur ein Angriff auf die freie, westliche Welt, es war vielmehr ein Angriff auf Liebe und Gefühle jenseits heterosexueller Muster. Zu diesem Thema haben wir bereits einen eigenen Kommentar verfasst. Den Artikel von Adriano Sack auf Welt.de, möchten wir euch aber trotzdem nicht vorenthalten, zeigt er doch auf besonders eindringliche Weise, wie wenig Homosexualität doch noch immer wirklich akzeptiert ist. Das ist traurig und macht wütend. Hier geht´s zum Text.

#4 Stell dir vor, deine Vergewaltigung ist ein Klick-Hit im Netz und diejenigen, die dich schützen sollen, glauben dir nicht | Teresa Bücker und die Frage nach dem Umgang mit sexueller Gewalt in Deutschland

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Nein heißt Nein! Seit dem Fall Gina-Lisa Lohfink wissen wir, das gilt hierzulande eher bedingt. Eigentlich hatten wir uns auch schon längst mit dem Thema selbst auseinandersetzen wollen, aber selbst uns versagt angesichts mancher Themen manchmal einfach die Stimme. Zu sehr überkommen uns Trauer, Wut und Unverständnis. Dafür haben aber zum Glück andere starke Frauen einen klaren Kopf bewahrt und wunderbare Texte zum Thema verfasst. Anne Wizorek ist eine davon. Teresa Bücker eine andere. Auf EDITION F setzt sie sich nicht nur mit dem Sachverhalt auseinander, sie zeigt auch, dass Opfer sexueller Gewalt nicht anders sind, als wir selbst. Grundsätzlich kann es jede*n treffen. Hier geht es nicht um die Art, wie man sich kleidet oder gibt. Deshalb ist es auch ein Thema, das uns alle etwas angeht. Wir sollten es nicht mehr länger unter den Teppich kehren! Das gesamte, sehr beeindruckende Plädoyer lest ihr HIER.

#5 #TeamGinaLisa | Philipp Jessens Kommentar zum Fall Gina-Lisa

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Danke Philipp Jessen! Das dürfte der Stern.de-Chefredakteur in den letzten Tagen und Wochen wohl häufiger gehört haben – und wir schließen uns nur zu gerne an. Denn wie die beiden oben bereits genannten Damen, solidarisiert sich auch Jessen mit Gina-Lisa Lohfink und zeigt, dass sexuelle Gewalt kein Thema ist, dass nur Frauen etwas angeht. Ungewohnt offen beschreibt er die Denkfallen, in die auch er als Mann manchmal tappt. Von diesem Kaliber braucht es bitte mehr Menschen in diesem Land!

#6 She is Someone


Auch in den USA ist die Debatte um sexuelle Gewalt an Frauen im Moment groß. Dort vergewaltigte der Student Brock Turner eine junge Frau nach einer Verbindungsparty an der Elite-Uni Stanford. Als Grund schiebt der Täter vor allem sein hohes Maß an Betrunkenheit vor. Angeblich kann er sich nicht einmal mehr richtig erinnern, gibt sogar an, dass er laut seiner Erinnerung den Eindruck hatte, sein Opfer wolle das alles. Komisch nur, wenn sie währenddessen ohnmächtig ist. Zwei andere, männliche Studenten entdecken die beiden schließlich und greifen ein. Am Ende des Prozesses wird er zu sechs Monaten Haft verurteilt. Ein Schlag ins Gesicht für das Opfer, das in einem ausführlichen Brief bereits während des Verfahrens sehr drastisch schildert, was in ihr vorgeht. Mit dem milden Urteil ist in den USA eine Debatte entfacht. Die Darstellerinnen aus GIRLS solidarisieren sich im eigens gedrehten Clip mit dem Opfer. Auch hier lautet der Tenor: Sexuelle Gewalt kann jeden treffen und “she is someone!”

#7 Was soll nur aus den Jungen werden? | Alfons Kaiser über die neuen Trends in Sachen Männermode

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“Die Männermode gibt sich mädchenhaft bis unentschlossen. Das klingt nach Krise. In Mailand stellt man sich die Frage, was überhaupt männlich ist”, leitet Alfons Kaiser seinen Artikel auf FAZ.net zu den Menswear-Schauen in Mailand ein. Im Folgenden reüssiert er, warum die Branche derzeit so versessen darauf ist, neue Formate zu finden – sowohl was die Präsentation betrifft, als auch im Hinblick auf die ästhetischen Konventionen selbst. Ein lesenswerter Beitrag, der einmal mehr zeigt, das Mode weit mehr sein kann, als bloß hübsches, oberflächliches ChiChi.

#8 Nur ein Wort | Warum spät nicht immer gleich zu spät ist

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Dass es mit dem Timing einfach nicht hinhaut, egal wie sehr man sich anstrengt, kennen viele wohl nur zu gut. In ihrer neuesten Kolumne für BLONDE.de hat sich Turid Reinicke einmal der Frage gewidmet, was an “spät” eigentlich so schlimm ist. Die Antwort… na, dazu müsst ihr den Artikel schon selbst lesen. So viel sei aber schon einmal verraten: Am Ende ist alles ausschließlich eine Frage der Betrachtung!

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