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PFW | Abheben mit Chanel am Gate No. 5, oder: Die Fashion Show als Happening

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Monsieur Lagerfeld ich zücke wieder einmal meinen Hut vor ihnen. Denn keiner schafft es soviel Selbstreflexion in die Modewelt hineinzutragen, wie sie. Die Show von Chanel ist jede Saison nicht nur ein wahres Highlight und visuelles Spektakel, ich möchte behaupten, dass auch kein anderes Label so sehr die Auseinandersetzung mit den eigenen Reihen oder dem gesellschaftspolitischen Alltag jenseits der schönen Hochglanz-Mauern sucht.

Und was haben wir mit Chanel nicht schon alles erlebt: Ein gemütlicher Spaziergang in der Natur, eine nostalgische Fahrt auf dem Karussell, eine Expedition ins ewige Eis, eine Reise um die Welt, exzessives Shopping und ja, sogar politisch haben wir uns engagiert. In dieser Saison geht es nun also zum Flughafen, genauer gesagt irgendwo in diese ganz besondere Sphäre zwischen Check In und Abflughalle. Am Gate No. 5 (der Nerd in mir gluckst bei solchen Spielereien glücklich) nehmen wir Platz und warten aufgeregt, bis es endlich losgeht. Doch während wir es sonst gewohnt sind, in einem riesigen Metallvogel vom Boden abzuheben, katapultieren uns Chanel und Lagerfeld ganz ohne schweres Geschütz mit einem Schlag auf Wolke Sieben.

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Die Crew versammelt das who is who der Modewelt Cara Delevigne, Edie Campbell, Mica Arganaraz, Kendall Jenner und auch im Publikum sieht es nicht anders aus. Modisch bleibt Chanel sich treu und präsentiert wieder einmal gekonnt einen Clash aus dem zeitlosen, für das französische Traditionshaus so typischem Design und neuen, innovativen Elementen, von denen so manches mit Sicherheit zum Trend mutieren wird. Klassische Boucle Jacken und Bleistiftröcke flirten mit übergroßen, verspiegelten Sonnenbrillen und Plateau-Sandalen, deren Leuchtelemente in den Sohlen an die Lichtleisten, die im Flieger den Weg zum Notausgang weisen, angelehnt sind. Farblich scheint die ganze Palette vertreten. Blautöne dominieren, ebenso Weiß und Grau. Während Rosa in Form von Lack- und durchsichtigen Plastikmaterialien seine Niedlichkeit gegen einen ordentlichen Touch Wildheit eintauscht, setzt das optische Wechselspiel von Blau und Rot markante Kontraste, von denen wir die Augen nur schwer lösen möchten. Ohnehin bestimmen Muster, vor allem geometrische, die Kollektion. Und siehe da, einige Prints erinnern uns dann doch verdächtig an die Anzeigetafel am Flughafen.

#ChanelAirlines #ChanelSpringSummer2016 #PFW Ein von CHANEL (@chanelofficial) gepostetes Foto am

Nur, was ist es eigentlich, das uns an Chanel so sehr reizt? Ja, sicherlich die Mode. Doch das alleine wäre bei Weitem zu wenig. Es ist die Show, das halbjährliche Happening, das mittlerweile nicht minder zur Aura der Marke beiträgt. Karl Lagerfeld, in dessen unglaublicher Bibliothek ich nur zu gerne einmal stöbern würde, ist wahrscheinlich längst nicht nur ein ziemlich kluger und belesener Mensch, er ist auf seine ganz eigene Art auch ein wahres Genie. Denn der Mann, der von sich selbst stets behauptet, dass man sich nicht zu wichtig nehmen dürfe, sieht auch die Welt in der er wirkt, längst nicht als den Nabel der Welt. Die Tatsache eine Fashion Show in der Kulisse eines Supermarkts stattfinden zu lassen – meiner Meinung nach eine der besten Chanel Shows ever – ist an sich schon ein grandioser Kniff. Im Anschluss an die eigene Präsentation aber auch noch die Requisiten tatsächlich zum Kauf anzubieten und damit eine ganze Reihe an sonst so coolen Modedamen in Hysterie verfallen zu lassen, mehr Selbstironie geht eigentlich nicht. Wie sonst ließe sich besser der Konsumcharakter von Mode inszenieren und gleichzeitig en kritischer Blick auf die gegenwärtige Lust zum Massenkonsum werfen? Und auch der Clou in diesem Kontext mit einem Mal Jogginghosen zu präsentieren, die Herr Lagerfeld sonst ja bekanntlich verabscheut, eröffnet auf ganz eigene Art den Blick auf jenen Kontrollverlust, den Mode bei so vielen von uns bewirken kann. Chanel_ss16_02 Auch die Show am Flughafen thematisiert erneut den Lebensalltag der Modebranche. Gerade während der Fashion Week Saison, sieht so manche Redakteurin den Flughafen wohl öfter, als ihr eigenes Bett. Gleichzeitig ist der Flughafen für Prominente und Klatschzeitschriften inzwischen einer der Hotspots, an denen das Schaulaufen hoch im Kurs steht. Hier in dieser ganz eigenen Welt herrschen eigene Regeln und Konventionen, die uns nur zu oft von der Realität abschotten. Und wieso auch nicht, schließlich kommen an keinem anderen Ort unserer Zeit klare Nüchternheit und überschäumende Emotionen enger zusammen. In der Fashionszene geht es manchmal irgendwie nicht viel anders zu. Trotzdem sind Lagerfelds Inszenierungen nie als reine Ironie zu lesen, sondern verkörpern immer auch eine Hommage an die eigene „Kaste“. Wer so viel Wert auf die vielen, kleinen Details legt und entsprechend auch Unmengen an Arbeit dort hineinsteckt, der liebt sein Tun durch und durch. Und schlussendlich ist es genau das, was die Aura von Chanel ausmacht und uns immer wieder aufs Neue in seinen Bann zieht. Es ist die Liebe zum eigenen Schaffen, zu einer Welt, die manchmal etwas abgehoben ist, deren wahre Schönheit sich oft aber in den kleinen Details entfaltet. Die ganze Show könnt ihr übrigens hier noch mal einmal im Stream sehen!  

 

#ChanelAirlines #ChanelSpringSummer2016 #PFW

 

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von

Laura Sodano

FOUNDER & EDITOR IN CHIEF // Lebe lieber ungewöhnlich // Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Für die einen Schizophrenie par exellence, für diese Dame aber ganz normaler Alltag. Frei nach dem Motto, Gegensätze ziehen sich an, verzücken Laufstegbilder und Editorial Shoots Laura ebenso wie die 100. Neuauflage eines Susan Sontag Essays. Bücher und Mode sind ihre Schwäche, Film, Kunst und Kultur das Terrain auf dem sie heimisch ist. Die gebürtige Frankfurterin redet oft schneller, als andere denken. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit Wörtern ihre Waffe. Selten steht das Gedankenkarussell mal still. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Notizbuch ihr ständiger Begleiter.

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