Look, Outfits
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Pflasterstrand trifft Curry

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Jahrelang standen die Farbe Gelb und ich auf Kriegsfuß. Von Curry bis Limone, sobald ich es auch nur wagte mir etwas in besagtem Farbton überzustreifen, schon sah ich aus, als sei gesundheitlich etwas ganz und gar nicht in Ordnung mit mir. Was ich an dieser Stelle vielleicht erwähnen sollte: Damals war ich dunkelhaarig, genauer gesagt irgendetwas zwischen Kastanie, Mahagoni und Schwarz, vielleicht nicht ganz die ideale Farbe für helle Schneewittchenhaut, wenn man nicht gerade den Deeta von Teese-Look anstrebt. Doch Zeiten ändern sich und mit ihnen so manches Mal eben auch die Frisur. Nach einigen Ausflügen in die Welt der Rothaarigen, landete ich lange bei sogenanntem Strawberry Blonde, ehe es mich seit letztem Sommer in die Welt platinblonder Mähnen verschlagen hat. Und siehe da, kaum schimmert das Haupthaar in einem anderen Ton, eröffnen sich auch in Sachen Kleidung ganz neue Perspektiven. Der gelbe Rollkragenpullover oben fristete über mehrere Jahre nun schon ein ziemlich trauriges Dasein im Kleiderschrank – so richtig von ihm trennen wollte und konnte ich mich dann aber doch irgendwie nie. Vor Kurzem dann der spontane Versuch, Gelb noch einmal an mich heranzulassen: Et voilà die Farbe hat mich rumgekriegt. Seitdem möchte ich am liebsten gar nichts anderes mehr tragen. Was allerdings auch noch einen zweiten, ganz anderen Grund hat.

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Denn seit der Herzmensch an meiner Seite und ich der neuen HBO-Serie VINYL verfallen sind, herrscht in meinem Kleiderschrank absolutes 70s Fieber. Von Minirock über Cord und Strick-Tops bis hin zu Holz-Clogs mit Plateau und Schlaghosen. Was bei mir auch nur im entferntesten für das Gefühl einer kleinen Zeitreise sorgt, bringt mein Herz zum hüpfen. Ohnehin habe ich irgendwie schon immer einen Faible für diese Dekade gehabt. Kaum eine andere Zeit ist so durch Aufbruch und den Drang nach Freiheit geprägt, wie die 70er. Politik und Popkultur, das schien seinerzeit kein Widerspruch, sondern ging nur zu gerne miteinander Hand in Hand. Und was hätte ich dafür gegeben, mit all den großen Damen der Frauenbewegung für die Emanzipation auf die Straße zu gehen. Ja, tief drin in mir steckt noch immer der kleine Rebell, der ich schon immer sein wollte, für den es mir aber doch irgendwie immer an Mut fehlte – zumindest um das Ganze in voller Konsequenz durchzuziehen. Traurig eigentlich.

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Genau aus diesem Grund schoss mir beim Durchsehen der Bilder dann auch direkt der Begriff „Pflasterstrand“ durch den Kopf. Das von Daniel Cohn-Bendit gegründete Stadtmagazin zählte bis in die 90er hinein zu einer der Institutionen in Frankfurt. Auch hier gingen Kultur und Politik eine untrennbare Liaison ein und standen damit für eine Seite der Mainmetropole fernab des allseits bekannten Finanz-Images. Zu schade, dass Zeiten sich nun einmal ändern. Umso lieber würze ich die Gegenwart aktuell mit einem Hauch Retro-Curry gepaart mit tiefdunklem Marineblau.

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Rollkragenpullover – H&M (ähnlicher hier, hier und hier) | Rock – COS (ähnlicher hier und hier) | Schuhe – & other Stories (ähnlicher hier) Tasche – & other Stories (ähnliche hier und hier) | Ohrringe – ASOS

Fotos: Robin Schmerer

 

Kategorie: Look, Outfits

von

Laura Sodano

FOUNDER & EDITOR IN CHIEF // Lebe lieber ungewöhnlich // Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Für die einen Schizophrenie par exellence, für diese Dame aber ganz normaler Alltag. Frei nach dem Motto, Gegensätze ziehen sich an, verzücken Laufstegbilder und Editorial Shoots Laura ebenso wie die 100. Neuauflage eines Susan Sontag Essays. Bücher und Mode sind ihre Schwäche, Film, Kunst und Kultur das Terrain auf dem sie heimisch ist. Die gebürtige Frankfurterin redet oft schneller, als andere denken. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit Wörtern ihre Waffe. Selten steht das Gedankenkarussell mal still. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Notizbuch ihr ständiger Begleiter.

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