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Outfit | Hip Teens Don´t Wear Blue Jeans

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Als ich vor knapp einer Woche anlässlich meines 30. daheim eine kleine Sause schmiss, dauerte es nicht lange, bis die ersten Gäste einen Blick in meinen Schrank werfen wollten. Nicht zuletzt auch deshalb, weil ich kurz zuvor meine Kleiderstange vom Flur ins Schlafzimmer geschleppt hatte, um fortan Lieblingsteilen statt Jacken und Mäntel ein Plätzen darauf zu geben.

Nun wissen meine Freunde zwar eigentlich allesamt, dass ich modisch gerne einmal über die Strenge schlage, ihr ungläubiges Staunen irritierte dann aber doch. “Verrückt, wie viele ausgefallene Sachen du hast, die ich an dir noch nie gesehen habe”, ein Satz, den ich an besagtem Abend mehr als einmal zu hören bekam. Das Komische ist allerdings, ich selbst habe nach eigenem Empfinden bis auf zwei bis drei obligatorische Teile eigentlich keine Fehlkaufleichen im Schrank. Und abgesehen von den paar Textilien, die ich wirklich nur zu ganz besonderen Anlässen trage, wird der Rest regelmäßig ausgeführt. Woher kommt also die Ansicht meiner Lieben, ich sei auf der Kleiderstange um einiges experimentierfreudiger als in real?

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Inzwischen glaube ich eine erste Antwort gefunden zu haben und die setzt sich vor allem aus Zweierlei zusammen: Zum einen offenbarte sich an diesem Abend der kompeltte Inhalt meines Schranks auf einen Schlag. Pinke Volantbluse neben roter Fussel-Bibojacke, dazwischen mintfarbenes Frottee in Form des herzallerliebsten Wood Wood-Rocks, Blumenkleider und Bomberjacken. Darunter Glitzerboots, Espandrilles und die Alltagslieblinge, meine Sneaker. Kurzum: Die Masse macht hier den fetten Bock. Ein einzelnes Teil – sei es auch noch so auffällig – wird in seinem Knalleffekt durch den dazugehörigen Rest dann doch irgendwie reduziert. Meine Glitzerboots bleiben so zwar auch weiterhin der Augenmagnet, durch ein schlichtes schwarzes Kleid wird das Ganze dann aber doch etwas herunter gebrochen.

Zum anderen, und das scheint mir irgendwie fast noch mehr die Quintessenz des Ganzen, muss ich eingestehen im Privaten oft tatsächlich weniger Modemensch zu sein, als man angesichts meines Jobs und der allgemeinen Passion fürs Textile annehmen könnte. Wenn ich so darüber nachdenke, scheint es sogar manchmal fast so, als hätte ich zwei unterschiedliche Kleiderschränke. Ist all der Fashion-Kram am Ende also vielleicht nichts anderes als Fassade? Eine Uniform, die ich mir überwerfe, um Zugehörigkeit zu einer bestimmten Peer Group zu suggerieren. Ersteres nein, letzteres ein Stück weit schon. Denn sind wir mal ehrlich: Jeder, der sich tagtäglich mit einer bestimmten Sache beschäftigt oder mit einem entsprechenden Dress Code konfrontiert ist, kommt irgendwann an den Punkt, an dem er oder sie einfach mal faul sein will. Sozusagen raus aus der Klamotte und ganz unöffentlich zu sein. Vor allem im Anschluss an die halbjährlichen Fashion Week-Marathons überkommt das selbst die eifrigsten Style-Icons. Das ist mittlerweile ein offenes Geheimnis. So schön Mode sein kann, so sehr ist sie manchmal eben auch einfach mein Job, von dem auch ich irgendwann Feierabend will. Und natürlich trage ich die schmucke aber manchmal doch eher disfunktionale Designerklamotte, allein schon aufgrund der Abnutzung lieber im offiziellen Kontext als beim morgendlichen Brötchen holen am Wochenende. Dazu muss dann auch nicht einmal mehr Schminke ins Gesicht. Ähnliches gilt für abendliche Sit-ins auf diversen Freundinnen-Balkonen und Bordsteinlungereien vor Lieblingskiosk – zumindest im Hinblick auf den Lazylook. Da sind Kuschelpulli, Sneakers und sogar Leggings manchmal schon das halbe Glück. Zumal ich spätestens dann fast alles mit dem Rad zurücklege und noch mehr dazu tendiere aufgescheucht von A nach B zu springen als sonst. Das ist mir in Absatztretern bei Weitem zu anstrengend.

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Lange rede kurzer Sinn: Worauf ich hinaus will, ist ein modisches Downgrade zugunsten der Bodenhaftung, oder: die kleine Auszeit vom latent vorhandenen Trend-Druck. Versteht mich nicht falsch, wenn ich auf habits, bei Events oder anderen Terminen wie der Stereotyp eines Modemädchens herumlaufe, ist das genauso wenig gespielt, wie der lässige Duktus im privaten Umfeld. Beides ist eben jeweils nur eine Seite der gleichen Medaille. So wie der Bücherschrank im Wohnzimmer eben mindestens genauso überquillt, wie der Kleiderschrank im Schlafzimmer. Beides sind Aspekte meiner Persönlichkeit, von denen ich den einen eben einfach manchmal lieber bediene als den anderen. Genau das macht einen Menschen doch erst spannend. Brüche, Vielfalt und manchmal sogar Widersprüche. Alles andere wäre langweilig und am Ende wahrscheinlich sogar mehr gekünsteltes Schauspiel, als die Kombination aus rosafarbener, schimmernder Oversize-Bomberjacke und Leoprint-Minirock es jemals sein könnte. Übrigens der aktuell persönliche Lieblingslook für den allmählich eintrudelnden Herbst, der dann sogar auch am Wochenende getragen wird.

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Bomberjacke – MANGO (ähnliche hier, hier und hier) | Rollkragenpullover – H&M (ähnlicher hier) | Rock – MANGO | Tasche – MANGO | Sneakers – Reebok

Kategorie: Look, Outfits

von

Laura Sodano

FOUNDER & EDITOR IN CHIEF // Lebe lieber ungewöhnlich // Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Für die einen Schizophrenie par exellence, für diese Dame aber ganz normaler Alltag. Frei nach dem Motto, Gegensätze ziehen sich an, verzücken Laufstegbilder und Editorial Shoots Laura ebenso wie die 100. Neuauflage eines Susan Sontag Essays. Bücher und Mode sind ihre Schwäche, Film, Kunst und Kultur das Terrain auf dem sie heimisch ist. Die gebürtige Frankfurterin redet oft schneller, als andere denken. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit Wörtern ihre Waffe. Selten steht das Gedankenkarussell mal still. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Notizbuch ihr ständiger Begleiter.

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