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Music Friday | Das „HAPPY“-Mixtape

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Das größte Rätsel des Lebens ist wahrscheinlich das ontologische nach dem Sinn von alledem – unserem Sein, unseren Gedanken, unseren Taten. Warum schwingen wir uns allmorgendlich aus dem Bett, nur mit einer schnellen Kaffee-Infusion fähig, den unmittelbar folgenden Tag zu meistern? Wir tippen fleißig einen Text nach dem nächsten für die Arbeit herunter, finden das kreativste, nie dagewesene Konzept, bereiten einen Vortrag für die Uni vor, der ja keine einzige Frage offen lässt, geben das cleverste Kommentar zu jedem Sachverhalt ab, erdichten die witzigsten Hashtags auf Instagram oder kennen die wichtigsten Personen auf einer Vernissage oder Party. Unser Dasein ist ein Superlativ, wir sind die Besten. Oder arbeiten zumindest daran; denn in welchem Leben können wir eigentlich die Besten sein, schließlich gibt es doch immer jemanden, der noch besser ist. Und wenn wir mal kurz auf unsere innere Stimme hören, ist das dann am Ende des Tages wirklich das, was uns ein Lächeln auf das Gesicht zaubert, das von Herzen kommt? Im Leben geht es doch vielmehr darum, mal aus der Norm auszubrechen, nicht das zu machen, was andere von einem erwarten, im Hier und Jetzt zu leben, spontane Entscheidungen zu treffen – und nicht weiter darüber nachzudenken.

Neulich habe ich mich mit einem meiner liebsten Menschen aus Leipzig unterhalten. Sie hat sich bereits vor einiger Zeit von unserer Leistungsgesellschaft verabschiedet und wird im Dezember auswandern. Ihre Reise führt sie als erstes nach Bali, im Anschluss macht sie im indischen Ashram ihre Ausbildung zur Yogalehrerin und kauft sich danach ein Stückchen Land in Panama. Dort werden sie und ihr Freund sich selbst versorgen, eine eigene Hütte bauen, Kühe und Pferde halten, Avocadobäume pflanzen und sie wird Yogastunden geben. Das mag für viele wie ein Hirngespinst klingen – zugegeben, mich anfangs eingeschlossen – ist das alles doch zu sehr von unserer westlichen Lebensrealität entfernt. Aber sie meint es ernst. Sie ist momentan dabei, all ihr Hab und Gut zu verkaufen, damit zum Reiseantritt ihr komplettes Leben in einen mittelgroßen Rucksack passt. Und sie hat sich nie freier gefühlt. „Kannst du dir vorstellen, nicht mehr zu besitzen, als den Inhalt dieses Rucksacks? Was würdest du am meisten vermissen?“, fragte sie mich, als wir uns das letzte Mal gesehen haben. Nach kurzem Innehalten kam ich auf all meine Bücher. Meine Bücher würden mir tatsächlich fehlen, all die Geschichten mit all den Protagonisten wie Holden Caulfield, Maik Klingenberg, Josef K., Oskar Matzerath, Manuel Aranda, Thomas Lieven, Cheryl Clickman, Mio, Carl, Frodo usw., ich würde mich aus irgendeinem Grund nicht mehr vollständig fühlen. „Warum das denn? Das sind doch nur Dinge.“ – „Kann ich gar nicht so genau sagen. Weil sie mich zum Nachdenken und Träumen anregen?“ Aber im Grunde sind alle ja tief in meinem Gedächtnis, meiner Fantasie verwurzelt, quasi immer dabei, wenn ich nur will. Weiterhin fragte sie mich, woher ich die Energie nähme für all die Projekte, die ich schon seit jeher Tag für Tag nebenbei wuppe. Für mich ist das immer selbstverständlich gewesen, ohne Frage. In diesem Moment musste ich dann aber doch stutzen, denn ich habe mir nie wirklich darüber Gedanken gemacht, dass all die Arbeit keineswegs logisch ist, sondern für viele das übersteigt, was sie aus sich heraus imstande sind zu leisten. Nach Feierabend bis Mitternacht weiter an einem Artikel zu schreiben oder am Wochenende die noch ungeöffneten E-Mails zu beantworten, gehört normalerweise keineswegs zum guten Ton, ist noch weniger notwendig und macht noch weniger glücklich. In diesem Moment habe ich erkannt, dass ich, ja wir damit aufhören sollten, uns dazu zu zwingen, immer noch höher und weiter zu kommen. Stattdessen sollten wir uns öfter auf die Schulter klopfen für das, was wir bereits geschafft haben. Hören wir auf, uns über Leistung zu definieren. Das ist alles egal. Wir können und sind noch so viel mehr. Und wir sollten verdammt noch einmal aufhören, uns den Kopf darüber zu zerbrechen, wie dieses Wort oder jene Tat bei irgendeiner anderen Person ankommen könnte. Dabei bleiben wir selbst nämlich auf der Strecke. Und hören wir auf darüber zu grübeln, ob eine Sache nun richtig oder falsch ist. Sie passiert ohnehin und allein aus diesem Grund ist sie schon richtig. Kopf aus und Impulsivität an. Nur wenn wir uns weniger Gedanken über das Leben machen, sind wir in der Lage, es so zu schätzen, wie es ist. Erst dann können wir es anpacken und aktiv mitgestalten, so wie es uns gefällt.

Lektion I: Aus einer weingetränkten, fixen Idee Ernst machen und spontan ein Bahnticket für die Strecke Frankfurt – Berlin am übernächsten Morgen buchen, plus Tocotronic-Ticket. Damit überraschte mich Laura nämlich am Donnerstagabend. Was soll ich sagen, so viel Schmiss hätte ich ihr gar nicht zugetraut. Laura ist nämlich genau so ein Vernunftsmensch wie ich normalerweise auch. Aber seitdem ich vor einigen Wochen bei dieser Vernunft auf den „Mute“-Knopf gedrückt habe und mehr im Augenblick lebe, bin ich viel unbeschwerter. Einfach so. So wie Laura und ich in genau diesem Augenblick, denn wir sind überglücklich, uns wiederzusehen und haben zusätzlich heute Abend in Berlin ein Date mit Dirk. Passend dazu gibt’s von den habits-Mädels den „HAPPY“-Soundtrack fürs Wochenende frei Haus.

In diesem Sinne: Seid wild und macht mehr schöne Sachen!


FM Belfast – Underwear


Drake – Hotline Bling


Your Gay Thoughts – Among The Lull


Say Yes Dog – Girlfriend


Yumi Zouma – Riquelme


Tocotronic – Der Achte Ozean


Isolation Berlin – Annabelle


The Drums – I Hope Time Doesn’T Change Him


Tame Impala – Sundown Syndrome


Artic Monkeys – Brianstorm


Years & Years – Real


Little Simz – Deranged


Tocotronic – Prolog

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von

Lola Fröbe

Das Köpfchen voller Mode – und dennoch Köpfchen? Eine Selbstverständlichkeit für die Dame, die seit jeher einen Hang zur Polarität kultiviert. Girlpower und Understatement sind die partners in crime. Lola kann sich mit den aktuellen Ready-To-Wear-Kollektionen ihrer skandinavischen und französischen Idole genauso stundenlang zufrieden aufhalten wie im Buchladen um die Ecke. Das Fräulein liebt Kopenhagen und Kafka, hat eine Schwäche für Männermode und schmissige Musikhits, ist aber auch für Kunst und Kitsch zu haben.

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