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Mixtape | Von Prioritäten und echten Freunden

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Obwohl ich mich de facto schon seit knapp fünf Monaten zu den Ende Zwanzigjährigen zählen kann – das sechsundzwanzigste Lebensjahr ist doch so etwas wie die hölzerne Startklappe zum Sprint in eine neue Zeitrechnung – ist mir erst diese Woche etwas Zentrales bewusst geworden. Für die Pointe muss ich allerdings am Anfang beginnen, genau an der Startlinie einer ganz anderen Ära. Als ich nach Berlin kam, das ist nun schon fast zwei Jahre her, dachte ich, dass das große Abenteuer dieses Ortes darin bestand, von nun an auf so viele neue Leute wie nie zuvor zu treffen. Die Magie der Stadt, so erzählte man doch immer, bestand in der Vielzahl von Menschen, Lebensentwürfen, Kulturen, kreativen Energien – der schieren Unendlichkeit von Möglichkeiten, die man ergreifen oder die schlicht passieren und theoretisch in der totalen Selbstverwirklichung gipfeln können. Und tatsächlich, man trifft hier jede Woche, ja jeden Tag, so viele neue unterschiedliche und interessante Menschen: ob nun arbeitsbedingt, auf Events, durch Freunde oder auf Tinder.

Das ist toll, wirklich toll und sehr interessant. Allerdings ist es doch so: Viele dieser Bekanntschaften bleiben oberflächlich. Zwar sieht man sich gerne mal jedes Wochenende bei einem Event nach dem nächsten wieder, begrüßt sich mit Küsschen oder überschwänglicher Gestik und ehrlicher Freude. Hat sich danach aber nicht wirklich viel zu sagen. Das ist so etwas wie das Markenzeichen der Kreativmetropole und auch wirklich in Ordnung – wenn man sich darüber nicht definiert. Ein bisschen schade vielleicht, aber auch logisch, wenn alle so eher superficial sind. Nur gibt das alles einem nicht wirklich etwas zurück. Wenn ich Liebeskummer habe, sitze ich mit keiner dieser Personen vorm Späti, trinke Sekt und mache die Nacht zum Tag. Wenn ich gestresst bin, holt mich keine dieser Personen wieder in ruhige Gewässer zurück, im Gegenteil. Aus diesem Grund bin ich nach anfänglicher Begeisterung für die Möglichkeiten der Stadt, die Züge von FOMO annahm, inzwischen weitaus entspannter geworden. Ich würde ein ruhiges Dinner mit der Handvoll von Freunden, die mich in- und auswendig kennen und ernsthaft an meiner Person interessiert sind, die schlicht authentische und tolle Menschen sind, eigentlich immer dem Pop-up Event oder der Clubnacht vorziehen. Wahrscheinlich kommt das auch mit dem Erwachsenwerden, schließlich wird man ja bekanntlich ruhiger, die meisten zumindest. Ich brauche keine hundert Freunde und wechsele jeden Tag den Freundeskreis – viel glücklicher machen mich meine konstanten zehn Lieblingsmenschen. Von denen habe ich übrigens auch viele erst hier und vor gar nicht allzu langer Zeit kennengelernt. Der Unterschied ist aber: Wenn die Liebe und Grundsympathie vom allerersten Augenblick an da ist, dann bleibt und hält man zusammen, teilt alle glücklichen, lustigen, traurigen und kritischen Augenblicke miteinander und nichts ist jemals peinlich.

In diesem Sinne: Am Wochenende Prioritäten überdenken und die Momente mit den echten Freunden mehr genießen!


Jaakko Eino Kalevi feat. Farao – Everything Nice


Gents – Circles


Soleima – My Boi


Tei Shi – Bassically


Grimes – REALiTi


Abra – Crybaby


M.I.A. – Bird Song


Local Natives – Villainy


The New Tigers – Secondary City


Virgin Suicide – Virgin Suicide


Maggie Rogers – Alaska

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