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Mixtape | Ruhe

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Konzentration fällt mir derzeit schwer. Weil ich mich auf zu viele Dinge gleichzeitig konzentrieren muss. Denn das heißt ja bekanntermaßen genauso viel wie: zu viele Dinge gleichzeitig im Griff haben sollte. Doch je mehr ich unter meinen Griff bringen sollte, umso lascher wird dieser, und ich bin mir nicht sicher, ob man noch von Zupacken oder vielmehr dem Versuch, nicht loszulassen sprechen sollte.

Mein iPhone beherbergt > 10 angefangene Notizen, die zu Texten und Artikeln wachsen sollen. An denen tippe ich in jeder freien Minute, ob nun in der S-Bahn, beim Warten auf den Kaffee oder in seltenen Fällen sogar beim Laufen – bis die Umwelt jäh nach meiner Anwesenheit verlangt, weswegen ich bisweilen einen verträumten, verwirrten, verdotterten Eindruck mache, so wie genau jetzt. Denn natürlich ist dieser Text auch zwischen dem Küchentisch und der Bürotür entstanden. Und immer, wenn ich nach einem Gedanken schnappen möchte, um ihn weiterzudenken, kommt mir ein anderer oder auch fünf andere dazwischen. Deswegen sehe ich mir dann an, was Instagram und andere Menschen machen. Oder mir fällt ein, dass ich lange nicht mehr auf Business of Fashion und Dazed & Confused und Monopol war. Den Artikel über Jorinde Voigt im letzten art Magazin wollte ich auch noch zu Ende lesen. Oder über die 90 Seiten hinauskommen, denn der neue Kracht liegt seit Tagen schon wieder unangerührt auf dem Nachttisch. Zusammen mit dem iPad sowie drei anderen Büchern und zwei dicken Magazinen, die ich momentan lese. Das sieht ulkig aus, denn dieser angelesene Haufen ist größer als jedes voluminöse Kissen und ziemlich bezeichnend für mein Problem.

Ich leide unter chronischer Vergesslichkeit. Weil ich mir viel zu viel merken sollte. Aus diesem Grund merke ich mir gar nichts mehr. Wenn ich Freunde dann zum dritten Mal frage, wohin sie wann “demnächst” reisen wollen, welche Freunde am Wochenende zu Besuch kommen, wie das Thema der Hausarbeit gleich noch einmal war, an der sie schon seit drei Wochen arbeiten, dann sorgt das natürlich für Unverständnis. Interessiere ich mich so wenig für meine Freunde und so sehr nur für mich, dass ich nicht einmal das im Kopf behalten kann? Doch doch, ich möchte alles wissen und auch noch sieben Tage später, nur leider höre ich nicht richtig zu. Denn ich bin in Gedanken schon wieder beim nächsten Punkt, weil ich konditioniert wurde, schnell zu sein. Vielleicht checke ich parallel auch schon wieder Instagram oder doch meine Mails oder den Spiegel-Ticker. Ich bin froh, dass ich mit Snapchat nicht zurechtkomme und Instagram Stories kategorisch nicht nutze. Andernfalls würde ich meiner Umwelt wahrscheinlich auch noch die Rückseite meines iPhones vor das Gesicht halten, wenn ich ihnen schon wieder nicht zuhöre.

Und ich frage mich ständig: Habe nur ich dieses Problem und können alle anderen mit dem ständigen Surren, Blinken, Ploppen und dem Imperativ des Noch-Schneller und Noch-Besser schlicht besser umgehen. Oder geht es allen so und alle ignorieren es?

In diesem Sinne: iPhone aus. Ohren an. Ruhezustand.


Smerz – Blessed


Priests – JJ


Black Kids – Obligatory Drugs


Molly Nilsson – I Hope You Die


Angel Olsen – Shut Up Kiss Me


King Krule –


The Return Of Pimp Shrimp (aka King Krule) – FEEL SAFE 88 (just say no)


DIE NERVEN – Barfuß durch die Scherben


All Diese Gewalt – Das hier ist einfach


Cherry Willow – Schöne Augen


Cherry Willow – She Will Be


The Doors – Riders On The Storm

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