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Mixtape | Rewind & Reverse

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Manchmal ist es schon verrückt: Gestern noch stolperte ich in meiner iTunes Bibliothek über ein altes Album von Rosin Murphy und fragte mich, was aus der Dame, die bereits lange vor Sia ausgefallene Kostüme für sich entdeckt hatte, eigentlich geworden ist und schon ploppt mir heute Morgen ihr brandneuer Song entgegen. Gleiches passierte vor einer Weile schon mit „The Kills“. Kaum hatte ich mich wieder durch die alten Alben von Alison Mosshart und Jamie Hince gehört, da kamen die beiden auch schon mit frisch gepresstem Sound um die Ecke – nach fünfjähriger Pause. Seitdem legen sie sogar einen ziemlichen Sprint in Sachen Neuerscheinungen hin.

So, wie sich dieses Spielchen im Hinblick auf die Musik treiben lässt, funktioniert es auch in vielen anderen Dingen unseres alltäglichen Lebens. Da fallen einem alte Fotos entgegen, kurz bevor man eine bestimmte Person wieder trifft, ein plötzlicher Geruch katapultiert uns mit einem Schlag zurück in die Vergangenheit und sprudelt Emotionen hoch, die wir eigentlich schon längst vergessen hatten oder eine alte Fernsehserie flimmert mit einem Mal wieder über den Bildschirm, kaum dass wir uns gefragt hatten, was eigentlich aus den Helden von damals geworden ist. Zufall? Irgendwie ja. Schicksal? Eher nicht.

Denn so sehr ich lange an die omnipräsent Stahlkraft des Schicksals geglaubt habe, so sehr bin ich doch inzwischen davon abgekommen, an die allgemeine Vorherbestimmtheit des Daseins zu glauben. Vielleicht bin ich erwachsen geworden, vielleicht hat aber auch einfach zu viel Sopranos und HBO-Serien schauen, mich über die Jahre abgestumpft. Denn irgendwie ist es doch so: Wenn dir dein Ex nach Jahren urplötzlich wieder auf der Straße begegnet, und das, nachdem du vielleicht am Abend zuvor mal wieder an ihn gedacht hast, kannst du das gerne Schicksal nennen. Dann kannst du darüber grübeln, warum das gerade jetzt passiert ist und was die Bedeutung dahinter sein könnte. Du kannst aber auch einfach nur kurz nett mit ihm plaudern und dir dabei in Erinnerung rufen, dass es damals bestimmt gute Gründe gab, warum diese Beziehung gescheitert ist. Und die sind entgegen wager Schicksalsempfindungen garantiert ziemlich real. Oder nehmt doch zum Beispiel nur einmal die Serie Game of Thrones. Wo besser wird die Frage nach dem Schicksal in all seinen Facetten verhandelt? Wer hier an die Macht der Vorherbestimmtheit glaubt, der tappt früher oder später garantiert in die Falle. Denken wir doch zum Beispiel nur einmal an einen gewissen Stannis Baratheon der aufgrund diverser, zwielichtiger Vorsehungen seine Tochter auf dem Scheiterhaufen verbrennt. Den Thron bringt es ihm trotzdem nicht ein, eine suizidale Ehefrau und den Verlust des eigenen Kopfes aber schon.

Ich würde gerne (wieder) daran glauben, dass alles im Leben aus einem bestimmten Grund passiert. Doch die Erfahrung hat gezeigt, dass jede Medaille nun einmal zwei Seiten hat. Weshalb die Entscheidung für das Eine immer auch kategorisch das „Andere“ ausschließt. An eine höhere Macht zu glauben, mag uns zwar vielleicht helfen, eine Richtung zu wählen. Am Ende geben wir damit aber auch ein Stück weit die Verantwortung für uns und unser Leben ab. Statt unser eigenen Glückes Schmied zu sein, hoffen wir auf eine höhere Macht, die schon alles richten wird. Währenddessen hocken wir tatenlos herum und warten darauf, dass unser Leben Form annimmt. Das ist nicht nur traurig, sondern auch gefährlich. Schließlich laufen wir so erst recht Gefahr alles Wichtige zu verpassen.

Am Ende ist und bleibt alles eine Sache der Wahrnehmung. Wenn eine Frau, die schwanger werden will, mit einem Mal überall schwangere Frauen sieht, ist das meist weniger ein Zeichen als vielmehr ein sensibilisierter Blick auf bestimmte Fixpunkte. Statt also zu warten, dass unserem Leben eine Richtung gegeben wird, sollten wir endlich wieder den Spaß daran entdecken, es selbst zu lenken. Und der gute alte Zufall ist dabei oft etwas, dass dem Ganzen erst die richtige Würze verleiht.

In diesem Sinne: Happy Weekend!


Anna of the North – Baby


Nite Jewel – Kiss the Screen


Roisin Murphy – Ten Miles High


The Kills – Siberian Nights


Hinds – Easy


Le Couleur – Femme


TOPS – Outside


Band of Horses – Casual Party


Oum Shatt – Madame O


Nots – Black Mold

Kategorie: News

von

Laura Sodano

FOUNDER & EDITOR IN CHIEF // Lebe lieber ungewöhnlich // Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Für die einen Schizophrenie par exellence, für diese Dame aber ganz normaler Alltag. Frei nach dem Motto, Gegensätze ziehen sich an, verzücken Laufstegbilder und Editorial Shoots Laura ebenso wie die 100. Neuauflage eines Susan Sontag Essays. Bücher und Mode sind ihre Schwäche, Film, Kunst und Kultur das Terrain auf dem sie heimisch ist. Die gebürtige Frankfurterin redet oft schneller, als andere denken. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit Wörtern ihre Waffe. Selten steht das Gedankenkarussell mal still. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Notizbuch ihr ständiger Begleiter.

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