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Mixtape | Let’s start a bonfire …and burn down the old

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Es gibt Momente im Leben, die scheinen so einschneidend, dass sie mit einem Schlag und mit voller Wucht aus der Bahn werfen. Oft merkt man das alles gar nicht direkt. Zu tief sitzt der Schock, zu wichtig scheint es, die vermeintliche Normalität hochzuhalten. Dann diffundiert man beinahe traumwandlerisch umher und versucht die Illusion des Alten hochzuhalten. Erst nach und nach bröckelt die Fassade, bis man irgendwann vor den Trümmern seines eigenen Hauses steht. In diesen Momenten gibt es zwei Möglichkeiten: Am Alten festhalten und daran zugrunde gehen oder ein Streichholz hineinwerfen und auch noch die letzten Reste niederbrennen – im metaphorischen Sinne natürlich. Das mag radikal klingen, schlussendlich macht es aber erst den ganzen Kram mit dem Phoenix aus der Asche möglich.

Denn es ist doch so: Wenn wir erst einmal bereit sind, Vergangenes hinter uns zu lassen, können wir auch weitergehen, uns selbst entwickeln und wahrscheinlich für einen kurzen Moment endlich einmal klar sehen, wer wir waren, wer wir sind und wer wir sein wollen. Viel zu gerne hocken wir sonst in unserer eigenen Bequemlichkeit, bemitleiden uns selbst und malen uns aus, wie das Leben wohl sein würde, wenn wir ein anderer wären. Kurz gesagt: Wir prokrastinieren und schwadronieren, alles ohne tatsächlichen Effekt. Keine Taten. Keine Folgen. Am Ende bleibt alles nur ein Hirngespinst. Wenn aber vom vermeintlichen Halt erst einmal nichts mehr übrig bleibt, dann sind wir plötzlich gezwungen, hinauszukriechen, um nach dem Anderen zu suchen. Nach etwas, das uns wieder definiert. Unsere Identität ist immer ein Stück weit auch an unser Umfeld gekoppelt. Wie falsch erscheint es da selbst immer gleich bleiben zu wollen. Vielleicht ist an den Verlust wirklich die Möglichkeit gekoppelt, alle Weichen noch einmal auf Anfang zu stellen. Jemand zu werden, der wir eigentlich schon immer sein wollten. Zumindest für eine Weile. Im Leben ist nichts stetig und so wie die Welt sich verändert, sind auch wir in unserem Wesen letztendlich temporär – weil von Grund auf viel zu wage. Das heißt nicht, dass wir das Alte nicht vermissen. Das tun wir und das dürfen wir. Wahrscheinlich müssen wir es sogar. Daraus speißen sich am Ende Kopf und Herz.

Doch mit der Zeit verwächst selbst die größte Wunde irgendwie. Vielleicht bleiben Narben, aber wenigstens hört es auf zu bluten. Schluss mit der Schönmalerei und all dem lieblichen Geplänkel. Nieder mit falschen Illusionen und zarten Traumgebilden. Seien wir radikal ehrlich mit uns und mit allen anderen. Seien wir laut, wütend und zornig. Das ist OK und mindestens so wichtig, wie die Traurigkeit. Zu viel Zeit wird sonst damit vergeudet, sich anzupassen. An Regeln, die keinem etwas bringen, außer uns selbst zu optimieren, um anderen zu gefallen. Sowieso dreht sich immer alles um die anderen. Vielleicht täten wir besser daran zur Abwechslung auch einfach mal an uns zu denken und zu überlegen, was wir eigentlich wollen. So ganz für uns selbst. Nur für uns selbst.

In diesem Sinne: Happy Weekend.

The Big Moon – Formidable

The Big Moon – Cupid

The Big Moon – Bonfire

Molly Nilsson – Think Pink

Sophia Kennedy – Angel Lagoon

Ilgen Nur – Cool

Honey Lung – Sophomore

Cecile

Pumarosa – Dragonfly

Rio Reiser – Junimond

Kategorie: Culture, Listen

von

Laura Sodano

FOUNDER & EDITOR IN CHIEF // Lebe lieber ungewöhnlich // Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Für die einen Schizophrenie par exellence, für diese Dame aber ganz normaler Alltag. Frei nach dem Motto, Gegensätze ziehen sich an, verzücken Laufstegbilder und Editorial Shoots Laura ebenso wie die 100. Neuauflage eines Susan Sontag Essays. Bücher und Mode sind ihre Schwäche, Film, Kunst und Kultur das Terrain auf dem sie heimisch ist. Die gebürtige Frankfurterin redet oft schneller, als andere denken. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit Wörtern ihre Waffe. Selten steht das Gedankenkarussell mal still. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Notizbuch ihr ständiger Begleiter.

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