Culture, Listen
Schreibe einen Kommentar

Mixtape | Konserviere deine Jugend

mixtape header_habits_lcmdf

Als ich jünger war, gab es kaum etwas, dass mein Herz nicht auf Anhieb zum Klopfen bringen konnte. Wenn man mitten in der Pubertät steckt, scheint es ohnehin tausend gute Gründe zu geben, um den eigenen Emotionen freien Lauf zu lassen. Um ehrlich zu sein, hat sich mein Hang zum Theatralisch-Sinnlichen auch mit knapp 30 nicht wirklich verändert. Ich mag Emotionen und noch lieber lebe ich meine Gefühle aus. Sie zeigen mir, dass ich auch als Erwachsene noch immer dazu in der Lage bin, meinem inneren Kind genug Platz zum Toben zu lassen und die Welt mit anderen Augen zu sehen, als der schnöde Alltagstrott es uns so oft glauben machen will.

Trotzdem habe auch ich gelernt mich hin und wieder am Riemen zu reißenn – vor allem in Situationen, in denen mein Verstand und (berufliches) Know How gefragt sind. Denn im Gegensatz zu mir scheint der Großteil meines Umfelds seine geistigen Marotten schon vor langer Zeit zusammen mit der Pubertät in einer Kiste tief im Keller verstaubt zu haben. Funktionieren, statt Fühlen. Das ist hart gesagt, trifft es aber irgendwie doch ziemlich genau. Oder sind sie etwa alle nur viel besser darin, sich gefühlstechnisch im Zaum zu halten? Jedenfalls schafft es ein kleines Energiebündel, wie ich, in der Regel ganz gut für Verwirrung und Irritation bei den Mitmenschen zu sorgen. Dabei ist ein temperamentvoller Vulkan im Innern – italienische Familienwurzeln dürften hier nicht ganz unbeteiligt sein – für beide Seiten nicht immer leicht zu handeln. Oft genug fühle ich mich von diesem Charakterzug an mir selbst genervt. So oft, wie ich mir gedanklich schon auf die Zunge gebissen habe, es müsste längst nur noch ein kümmerlicher Stummel übrige geblieben sein. Mindestens der Herzmann an meiner Seite – ein eher rational agierendes Wesen – schüttelt angesichts meines Talents zum Dramatischen regelmäßig den Kopf und muss so manches Mal auch einiges aushalten. Und auch die liebe Lola hat längst gelernt in diesen Momenten abzuschalten und das Kind einfach quasseln zu lassen. Irgendwann wird es schon von alleine müde.

Doch am Ende des Tages bin ich fest davon überzeugt, dass garantiert nicht nur ich den inneren Impuls unterdrücken muss, bei bestimmten Dingen und Situationen laut loszulachen oder wahlweise auch zu schreien – zu groß sind doch eigentlich die Absurditäten, die einem täglich in der Erwachsenenwelt begegnen. Wieso sonst schwelgen die meisten von uns, wenn sie von schönen Erinnerungen sprechen, wohl am ehesten in ihrer eigenen Jugend? Es ist die Zeit, in der wir zu den Menschen wurden, die wir heute sind. Jener Abschnitt in unserem Leben, der uns mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit prägt, wie kein anderer. Auch die Forschung hat das längst erkannt. Deshalb kommen uns diese Jahre in unserer Erinnerung oft auch so viel länger vor, als die Zeit danach. Warum streuben wir uns dann also so sehr, ein wenig mehr Emotionalität zu zeigen – so wie früher. Am Riemen reissen ist gut, aber sich nur noch zu kontrollieren, lässt uns auf Dauer innerlich verkümmern. Gerade als ich in dieser Woche wieder glaubte nur noch aus Pflichten und langen To Do-Listen zu bestehen, katapultierte mich der neue Track von PJ Harvey direkt zurück in eine Zeit, in der noch alles möglich schien… und ehe ich mich versah, tanzte ich wild und ausgelassen durch die Wohnung!

In diesem Sinne: Happy Friday mit unserem Mixtape!
PJ Harvey – The Wheel

PJ Harvey – This is Love


BØRNS – Electric Love

Diiv – How long have you Known

First Hate – Girls in the Club

Drangsal – Allan Align

Ballet School – Crush

Primal Scream & Sky Ferreira –Where the Lights Gets In

LCMDF – Rookie

Tocotronic – Zucker 

Real Lies – One Club Town

Ja Panik – Libertatia

Kategorie: Culture, Listen

von

Laura Sodano

FOUNDER & EDITOR IN CHIEF // Lebe lieber ungewöhnlich // Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Für die einen Schizophrenie par exellence, für diese Dame aber ganz normaler Alltag. Frei nach dem Motto, Gegensätze ziehen sich an, verzücken Laufstegbilder und Editorial Shoots Laura ebenso wie die 100. Neuauflage eines Susan Sontag Essays. Bücher und Mode sind ihre Schwäche, Film, Kunst und Kultur das Terrain auf dem sie heimisch ist. Die gebürtige Frankfurterin redet oft schneller, als andere denken. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit Wörtern ihre Waffe. Selten steht das Gedankenkarussell mal still. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Notizbuch ihr ständiger Begleiter.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *