Culture, Listen
Schreibe einen Kommentar

Mixtape | In anderen Sphären

Beyonce_mixtape_habits_neu

Bei uns geht an diesem Wochenende, zugegeben, ein wenig sphärisch zu. Realitätsflucht sozusagen oder Reise zum inneren Kern, wenn man es denn esoterisch formulieren will. Nachdem die letzte Woche vor allem bei mir durch Dauerstress und lange Überstunden am Rechner gezeichnet war, wird es spätestens in dieser Zeit für etwas Entspannung zu sorgen – und das konnte ich schon immer am besten, wenn ich mich zeitweise in andere Welten und Jahrzehnte zurück träume. Während die herzallerliebste Lola als Musikcrack gerne dir Hits von morgen erkundet, gilt bei mir eher das Motto: „alt ist immer besser.“

Egal ob 70er, 80er oder 90er, ich höre gerne alles querfeldein, mische Janis Joplin mit Pat Benatar, die Beatles mit New Order oder Nirvana mit Queen. Auch, was das zeitgenössische Futter für Ohren angeht, darf es bei mir gerne ein Hauch Retro-Attitüde mehr sein. Und so werde ich wohl nie den Hype um Bands wie Annenmaykantereit und Co. verstehen, dafür aber immer umso lauter für Künstler und Bands, wie James Blake, Tame Impala, Wild Nothing oder Ballet School die Stimme erheben – nur das Singen, das lasse ich euch und mir zuliebe besser brav sein.

Trotzdem verlässt dann auch so ein musikalisch unbelehrbares Wesen, wie ich, manchmal seine gewohnten Pfade. Dann etwa, wenn innerhalb all der poppigen Gegenwartsblase ein kleines Irritationsmoment aufploppt, das mein Herz auf Anhieb zum Hüpfen bringt. Als ich vergangenes Wochenende das erste Mal den neuen Clip von Beyoncé zu ihrem Song Formation sah, war ich wirklich baff angesichts so viel Power und politischer Positionierung. Dass Queen Bey dann auch noch ein paar Tage später beim Super Bowl in einem Kostüm performt, das an den Look der Black Panthers erinnert, sorgt dann sogar bei mir für Begeisterungsbekundungen – auch wenn ich gerade der propagandistisch-feministischen Attitüde der Sängerin sonst eher kritisch gegenüberstehe.

Mein absolutes Highlight der vergangenen Woche bildet dann aber doch wieder ein für mich ziemlich typischer Track. Eigentlich hatten der Herzmann und ich ja nur eine kurze Arte-Doku über Serge Gainsbourg schauen wollen, als darin auf einmal der Song „Pull Marine“ von Isabelle Adjani über den Bildschirm flimmerte. Und als hätte die Tonebene nicht schon bestes Potenzial einen in andere Welten zu entführen, kommt spätestens an dem herrlich surrealistisch anmutdenden Clip von Kultregisseur Luc Besson wohl niemand mehr vorbei. Aber seht am besten selbst: Mixtape ab und „Happy Wochenende“!

Isabelle Adjani – Pull Marine


James Blake – Modern Soul

Wild Nothing – Nocturne

Christal Stilts – Shake The Shackles

New Order – Blue Monday

Bronski Beat – Smalltown Boy

Anne Clark – Our Darkness

Beyoncé – Formation

Palais Schaumburg – Telephon

Kategorie: Culture, Listen

von

Laura Sodano

FOUNDER & EDITOR IN CHIEF // Lebe lieber ungewöhnlich // Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Für die einen Schizophrenie par exellence, für diese Dame aber ganz normaler Alltag. Frei nach dem Motto, Gegensätze ziehen sich an, verzücken Laufstegbilder und Editorial Shoots Laura ebenso wie die 100. Neuauflage eines Susan Sontag Essays. Bücher und Mode sind ihre Schwäche, Film, Kunst und Kultur das Terrain auf dem sie heimisch ist. Die gebürtige Frankfurterin redet oft schneller, als andere denken. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit Wörtern ihre Waffe. Selten steht das Gedankenkarussell mal still. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Notizbuch ihr ständiger Begleiter.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *