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Mixtape |Die Welt auf den Kopf stellen

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Zwischen den Seilen hängen und trotzdem powern. Auf der Stelle treten und dabei doch endlich den Weg ganz klar vor Augen sehen. Das Leben kann manchmal schon ganz schön schizophren sein. Da stehen plötzlich Dinge Kopf, die eigentlich längst als gesetzt von der geistigen Liste gestrichen wurden, während andere, von die man noch vor Kurzem so schnell wie möglich loswerden wollte, mit einem Mal das Herz vor Glück höher schlagen lassen. Am Ende all dessen steht die Frage: Was ist nur los mit mir? Klar, wir alle entwickeln uns weiter, ändern unserer Ansichten und schmeißen alte Muster grundlegend über Board. Trotzdem können wir aber nicht leugnen, dass wir bei allem Glauben an den freien Willen wir immer irgendwie auch ein Produkt unserer aktuellen Lebenssituation sind. Wir passen uns an, weil das oft der Weg des geringsten Widerstands scheint. Wenn unser Job uns zwingt, das eigene Leben hinten anzustellen, nicken die meisten von uns lieber grimmig, als mit der Faust in den Rechner zu schlagen. Wenn die Familie ruft, obwohl wir uns eigentlich nur nach dem eigenen Bett sehnen, stehen wir trotzdem brav auf und schmeißen uns in adrette Schale. Auf dem Amt warten wir (ebenso wie beim Arzt, an der Supermarktkasse oder dem Postschalter) geduldig in der Schlange, statt uns lautstark darüber zu beschweren, dass von gefühlten 100 Schaltern gerade einmal drei offen sind. Kurzum: Wir folgen dem, was von uns erwartet wird, fügen uns den allgemeinen Konventionen und spielen das Spiel mit der Erwartungshaltung mit. Das läuft auf den kleinen Ebenen menschlichen Zusammensein ebenso wie im großen sozialen Kontext.

Aber ist das wirklich immer richtig? Wäre es nicht hin und wieder sogar besser, den eigenen, inneren Impulsen zu folgen und ein wenig egoistischer zu sein? Ich zumindest bin inzwischen der Meinung, dass wir genau das tun sollten. Wenn ich auf die bisherigen 29 Lebensjahre zurückblicke, sehe ich vor allem ein braves Mädchen, dass stets darauf bedacht war, es anderen Recht zu machen. Bloß nicht diesen enttäuschten Gesichtsausdruck der anderen sehen, wenn man einmal nicht ihren Erwartungen entspricht. Bullshit! Denn was sich mir bei diesem Anblick heute gleichzeitig eröffnet, ist eine Person, dass sich selbst viel zu lange hinten angestellt hat. Es ist schön anerkannt und gemocht zu werden. Wenn man dabei aber eher den anderen zuliebe eine Rolle spielt, hat am Ende niemand etwas davon – am wenigstens man selbst.

Deshalb wird 2016 auch zunehmend für mich zu dem Jahr, in dem ich endlich Schluss mache, mit der ständigen Ja-Sagerei, um stattdessen endlich auch einmal ein lautes, entschlossenes Nein von mir zu geben. Schließlich sind Regeln manchmal da, um gebrochen zu werden. Und schon die grandiose Pippi Langstrumpf hat beweisen, das die Welt eindeutig mehr Spaß macht, wenn man sie sich macht, wie sie einem gefällt. Das wurde dann auch der braven Annika klar, die dank etwas Rebellion fortan viel freier und glücklicher war. Versuchen wir das doch also auch einmal. Was haben wir schon zu verlieren? Außer, dass sich unsere eigene Perspektive erweitert.

Le Butcherettes – Henry Don´t Got Love


Bloc Party – Virtue


Emily Wells – Becomes the Colour


The Hearing – Backwards


Yak – Harbour the Feeling


Kristin Kontrol – Show me


Klaus Johann Grobe – Geschichten aus erster Hand


Foxes – Glorious


Arthur Beatrice – Who Returned


Emily Wells – Passenger

Kategorie: Culture, Listen, News

von

Laura Sodano

FOUNDER & EDITOR IN CHIEF // Lebe lieber ungewöhnlich // Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Für die einen Schizophrenie par exellence, für diese Dame aber ganz normaler Alltag. Frei nach dem Motto, Gegensätze ziehen sich an, verzücken Laufstegbilder und Editorial Shoots Laura ebenso wie die 100. Neuauflage eines Susan Sontag Essays. Bücher und Mode sind ihre Schwäche, Film, Kunst und Kultur das Terrain auf dem sie heimisch ist. Die gebürtige Frankfurterin redet oft schneller, als andere denken. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit Wörtern ihre Waffe. Selten steht das Gedankenkarussell mal still. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Notizbuch ihr ständiger Begleiter.

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