Culture, Listen
Schreibe einen Kommentar

Mixtape | Die volle Ladung Beyoncé

Beyonce_02_Lemonade

Beyoncé hat im Moment beste Karten die Musikwelt, wie wir sie kennen, gründlich auf den Kopf zu stellen. Denn während wir alle schon dachten, das Musikfernsehen sei tot, beweist uns Queen B, dass es offensichtlich längst zur Kunst geworden ist und haut uns ihr visualisiertes Album „Lemonade“ um die Ohren.

Nachdem Beyoncé 2013 schon ihr gleichnamiges Album scheinbar völlig spontan in einer Nacht und Nebel-Aktion auf den Markt geworfen hatte, zeigte sich die Gute zuletzt ziemlich politisch. Sowohl das Video zum Track „Formation“, als auch die Super Bowl Performance feierte die Black Culture mitsamt ihrer Geschichte und manövrierte damit sicherlich so manch erzkonservativen Amerikaner mit einem Schlag in die Gegenwart. Das begeisterte dann sogar eine eher hartnäckige Kritikerin, die sich bisher immer an den Glitzer unterlegeten feministischen Kampfansagen gestört hatte.

Nun also „Lemonade“. Ein Album, das über das Format des eigenen Mediums hinausgeht und die Musik von Anfang an untrennbar mit Film verknüpft. Was Medienkünstler, wie Nam June Paik oder Walter Ruttmann schon in den 1960er bzw. den 1920er Jahren als die große Zukunft ankündigten, findet nun, knapp mehr als 100 Jahre später also endlich auch seinen Niederschlag im Mainstream – und das auf ziemlich eindrucksvolle Weise: Denn „Lemonade“ ist nicht nur ein musikalisches Sammelsurium an Emotionen visuell hübsch aufgearbeitet für die Fans. Das Ganze besitzt auch noch ziemliche Sprengkraft, wenn die sonst so medial perfekt inszenierte Beyonce auf einmal über Privates plaudert und ihrem Mann, dem vermeintlichen Fremdgänger, in aller Öffentlichkeit auflaufen lässt. Passend dazu gibt es dann auch gleich noch eine ordentliche Portion Krawall, die vor allem deshalb so irritierend schön wirkt, weil B sie in einem gelben Walle-Walle-Kleid von Roberto Cavalli vollzieht.

Zu den Tracks selbst wollen wir an dieser Stelle jedenfalls noch nicht zu viel verraten. Nur so viel: Da gehen Reggae und R n´B ebenso Hand in Hand, wie Soul und Hip Hop oder Jazz und Spieluhrenmusik. Insgesamt also alles ein ziemlich knalliges Feuerwerk, in dem Pop und Surrealismus ziemlich offensiv miteinander flirten. Es gibt viel, viel Tanzbares und natürlich auch so einiges zum Schmachten. Den Rest findet ihr am besten selbst heraus, indem ihr euch das knapp einstündige Filmchen, das in Zusammenarbeit mit HBO entstanden ist, einfach anschaut.

In diesem Sinne: Happy Weekend und Clip ab!

Kategorie: Culture, Listen

von

Laura Sodano

FOUNDER & EDITOR IN CHIEF // Lebe lieber ungewöhnlich // Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Für die einen Schizophrenie par exellence, für diese Dame aber ganz normaler Alltag. Frei nach dem Motto, Gegensätze ziehen sich an, verzücken Laufstegbilder und Editorial Shoots Laura ebenso wie die 100. Neuauflage eines Susan Sontag Essays. Bücher und Mode sind ihre Schwäche, Film, Kunst und Kultur das Terrain auf dem sie heimisch ist. Die gebürtige Frankfurterin redet oft schneller, als andere denken. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit Wörtern ihre Waffe. Selten steht das Gedankenkarussell mal still. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Notizbuch ihr ständiger Begleiter.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *