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Mixtape | Alles auf Anfang

Mixtape_Alles auf Anfang

Veränderungen gehören zum Leben, wie das morgendliche Zähneputzen. Trotzdem war ich nie wirklich ein Fan davon. Wieso den sicheren bequemen Hafen, in dem man herumschippert, aufgeben, um sich dem großen Unbekannten zu stellen? Warum die Geborgenheit des vermeintlich Heimischen hinter sich lassen, um als anonymer Niemand in einer Masse aus anderen zu verschwinden? Einsamkeit statt Liebe, Herausforderung statt Wertschätzung? Ohne mich! Zumindest bisher. Denn irgendwann kommt wohl bei jedem der Punkt, an sich dem der Schalter mit einem lauten Knall umlegt. Einfach so und man selbst kann im Nachhinein nicht einmal mehr sagen, wann es eigentlich passiert ist. Dann wird die Sehnsucht nach Neuem, nach dem einen großen Abenteuer mit einem Mal so prägnant, dass all unsere Synapsen Gefahr laufen, durchzubrennen.

In solchen Situationen haben wir in der Regel zwei Möglichkeiten. Nummer eins wäre, den Impuls zu unterdrücken, bis all das innere Brodeln von alleine wieder versiegt. Das mag die einfache Version sein. Irgendwann sitzt man aber vielleicht da und blickt zurück auf einen ganzen Sack verpasster Chancen, die man nur aus schnöder Angst heraus hat verstreichen lassen. Oder man wählt Variante Nummer zwei und lässt sich ein auf die Veränderung, wagt den Sprung ins kalte Wasser und findet hinter der nebulösen Wand aus Möglichkeiten vielleicht endlich Glanz und Gloria. Natürlich kann das auch gehörig schiefgehen. Aber gehört der obligatorische Fall auf die Nase nicht zum Leben dazu? Besser aber man rappelt sich wieder auf und weiß „das war nichts“, als sich sein restliches Leben lang diese eine, bittersüße Frage zu stellen: „Was wäre gewesen, wenn …“

Ja, das mit der Veränderung ist schon so eine Sache. Manchmal kann das aber tatsächlich auch ganz anders laufen. Dann lassen wir uns mehr aus einer fixen Idee, statt aus einem konkreten Plan heraus einfach mal auf den Gedanken ein, leiten erste Schritte in die Wege, um kurz darauf in der Position des Wartenden zu verharren, ob der letzten Entscheidung, die bei anderen liegt. Oft fehlt dann nicht mehr viel, ehe wir uns selbst mitsamt unserer lieben Mitmenschen in den Wahnsinn treiben, nervös Däumchen drehen und vor dem Verharren in alten Mustern mit einem Mal mindestens genauso viel Angst bekommen, wie vor dem Unbekannten selbst. Was, wenn wir dann feststellen, dass wir uns gar nicht verändern dürfen? Dann realisieren wir nicht selten, dass der große vermeintliche Umzug, der Schritt ins neue Leben, uns nur solange höllische Angst gemacht hat, wie er als Möglichkeit im Raum stand? Und kaum, dass dieses kleine perspektivische Fenster uns wieder weggenommen wurde, sich die tiefe Sehnsucht danach tief ins eigene Wesen gräbt? Was, wenn wir mit einem Mal entdecken: Die Veränderung hat längst in uns gesteckt und jetzt wo wir ein klein wenig davon schmecken konnten, sind wir schier süchtig nach ihrer süßen Köstlichkeit?

Das alles muss sich irgendwann wohl auch der hartnäckigste Verweigerer eingestehen. Stillstand lähmt und verharren wir zu lange in der vermeintlichen Bequemlichkeit verpassen wir nicht nur unser Leben, sondern saugen uns auch selbst so lange aus, bis nichts mehr, als eine leere, lieblose Hülle übrig bleibt. Der sprichwörtliche Schatten unserer selbst, ein Trauerklos, der atemlos ist vom Rennen, dabei aber nie vom selben Fleck weggekommen ist. Vielleicht wird es Zeit, alte Muster über Bord zu werfen. Das Leben zu leben, statt es zu planen. Altes aufzugeben, darüber durchaus auch mal traurig und betrübt zu weinen, um irgendwann den Zauber des Neuen zu entdecken? Und wer sagt überhaupt, dass es hier nur Schwarz oder Weiß gibt? Man muss ja nicht gleich alle Brücken abbrechen. Dazu scheinen manche – die wirklich wichtigen im Leben – ohnehin viel zu stabil.

In diesem Sinne: Happy Weekend.


Gurr – Moby Dick


Tegan and Sara – BWU


Joywave – Tongues ft. KOPPS


Metronomy – My House


Metronomy – Night Owls


Mothxr – Easy


Beach House – The Traveller


Porches – Car


The/Das – Somebody Is


Cosmonauts – Party at Sunday

Kategorie: Culture, Listen

von

Laura Sodano

FOUNDER & EDITOR IN CHIEF // Lebe lieber ungewöhnlich // Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Für die einen Schizophrenie par exellence, für diese Dame aber ganz normaler Alltag. Frei nach dem Motto, Gegensätze ziehen sich an, verzücken Laufstegbilder und Editorial Shoots Laura ebenso wie die 100. Neuauflage eines Susan Sontag Essays. Bücher und Mode sind ihre Schwäche, Film, Kunst und Kultur das Terrain auf dem sie heimisch ist. Die gebürtige Frankfurterin redet oft schneller, als andere denken. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit Wörtern ihre Waffe. Selten steht das Gedankenkarussell mal still. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Notizbuch ihr ständiger Begleiter.

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