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Mixtape | All The Sad Young Men

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Wie wir aus dem englischen Sprachgebrauch wissen, steht “Men” nicht nur für das bloße “Mann” im Sinne eines definierten Geschlechts – sondern fasst allgemeiner verwendet sämtliche Geschlechtsidentitäten als “Mensch” zusammen. Und so fühlte ich mich nur für einen kurzen Moment nicht angesprochen, als Spotify mir diesen Song von Spector an einem Sonntagnachmittag in der Küche einer sehr guten Freundin in Leipzig vorschlug und praktischerweise sogleich abspielte. Und dann plötzlich sehr wohl: “I don’t want to make love, I don’t want to make plans, I don’t want anybody to want to hold my hand”, denn das war so ziemlich die Zusammenfassung von dem, was ich an diesem Tag ebenfalls nicht wollte – sonst aber schon und definitiv, scheinbar im krassen Gegensatz zum Großteil aller anderen Menschen, die mir in Berlin, Leipzig und anderswo begegnen. Das kann jede/r gerne handhaben, wie sie oder er möchte, wirklich, nur haben wir hier im Grunde des Pudels Kern, warum ich mit Berlin partout nicht richtig warm werde. Was ebenfalls ok ist. Ich hätte nur wahrscheinlich nie gedacht, dass ich einmal und schon so bald an den Punkt in meinem Leben gelangen würde, an dem ich Netflix & Chill einer verrauchten Bar vorziehen würde. Sich Zwillinge, Reihenhaus (bzw. viel eher Altbau in Kopenhagen oder Stockholm), Führungsposition und Brunch besser und richtiger anfühlen würden als Liaison, Wohngemeinschaft, Bachelor und Afterhour.

Wahrscheinlich nennt man das nicht “langweilig werden” (auch wenn ich das bis dato so betitelt hätte), sondern vielmehr “erwachsen werden” und das genau passiert gerade mit mir. Und mit allen anderen um mich herum nicht. Wirklich gute Freunde ausgenommen, mit denen ist man ja sowieso immer im gleichen Modus, zum Glück. Zusammen erwachsen werden fühlt sich schließlich nicht so komisch an wie allein. Das ist hoffentlich auch der Schlüssel dazu, zusammen mit der Akzeptanz des Prozesses, sich weniger orientierungslos zu fühlen, hier und überall, und sich von “all the sad young men” ausklammern zu können, jetzt und für immer.


Marching Church – Heart of Life


Iceage – Forever


Die Nerven – Barfuß durch die Scherben


Spector – All The Sag Young Men


Joy Division – Love Will Tear Us Apart


La Femme – Où va le monde


Teachers – Ocean


Bonnie Banane – L’APPETIT

Kategorie: Culture, Listen

von

Lola Fröbe

Das Köpfchen voller Mode – und dennoch Köpfchen? Eine Selbstverständlichkeit für die Dame, die seit jeher einen Hang zur Polarität kultiviert. Girlpower und Understatement sind die partners in crime. Lola kann sich mit den aktuellen Ready-To-Wear-Kollektionen ihrer skandinavischen und französischen Idole genauso stundenlang zufrieden aufhalten wie im Buchladen um die Ecke. Das Fräulein liebt Kopenhagen und Kafka, hat eine Schwäche für Männermode und schmissige Musikhits, ist aber auch für Kunst und Kitsch zu haben.

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