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MBFWB | Was wir von den Designern gelernt haben – Teil 4

MBFWB_Was wir von den Designern gelernt haben_Teil 4

Bilder: MBFW Presssite (PR)

Von Newcomern, die eigentlich schon alte Hasen in der Modewelt sind und Designern, die tatsächlich schon ziemlich lange, ziemlich erfolgreich in der Branche mitmischen, handelt der vierte Teil unseres Fashion Week-Spezials. Ihren Stil haben sie alle drei gefunden und schaut man sich ihre Kollektionen im Überblick an, fällt trotz aller Eigenheiten dennoch sofort auf: Farblich dreht sich in der kommenden Saison alles um den Mix aus Blau und Orange (gerne auch in unterschiedlichen Abstufungen). Außerdem umspielen Stoffe sanft den Körper. Die Silhouette wird allgemein runder, die drunterliegende Weiblichkeit geht dabei trotzdem nicht verloren. Die Zeit des schrillen Experimentierens, für das Berlin einst bekannt war, und das man ihm später zunehmend ankreidete, ist wohl allmählich wirklich vorbei – egal ob JungdesignerIn oder etabliertes Modetalent. Nobi Talai, Dorothee Schumacher und Dawid Tomaszewski beherrschen ihr Handwerk und schaffen es auch für den kommenden Herbst/Winter klassisch zeitlosem Design einen contemporary Twist zu verleihen. Während bei Schumacher Geradlinigkeit auf Mustermix trifft, spielt Tomaszewski gekonnt mit Formen. Nobieh Talaei, die sich wie Marina Hoermanseder über die Unterstützung des German Fashion Councils freuen kann, beherrscht wiederum den Materialmix par Excellence. Und wir? Wir schauen nur zu gerne hin und würden am liebsten das ein oder andere Teil direkt vom Laufsteg weg im eigenen Schrank verstauen. Aber darauf müssen wir uns leider dann noch ein wenig gedulden. Grund genug also, die Kollektion noch einmal einzeln genauer unter die Lupe zu nehmen.

Nobi Talai

Nobi Talai gehört definitiv zu DEN aufstrebenden Labels der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin, auf die Fashion-Redakteure von der FAZ bis hin zur WELT bereits im Vorfeld ein wahres Loblied gesungen haben. Und das völlig zu Recht, wie sich spätestens bei der Show am vergangenen Dienstag zeigte. Dabei ist Designerin Nobieh Talaei im Grunde genommen gar kein Rookie in der Modewelt. Nach ihrem Abschluss an der Esmod Berlin 2003 stürzte sich die Designerin nicht direkt in die Gründung ihres Labels, sondern sammelte zunächst ausgiebig praktische Erfahrungen in den Bereichen Retail und Merchandising bei international bekannten Modehäuser. Erst 2015, also knapp 12 Jahre später, wagte sie schließlich den Schritt in die Selbstständigkeit und konnte sich wohl auch deshalb von Anfang an über ein kleines Team und ein eigenes Atelier freuen. Gerade in Berlin ist sie so manch anderem damit einen großen Schritt voraus. Die Unterstützung durch das German Fashion Council dürfte schließlich so etwas wie der finale Ritterschlag gewesen sein, mit dem die gebürtige Teheranerin von nun an die deutsche Modeszene aufmischen wird.

5 Lektionen, die wir uns abschauen können:

1. Orange gehört ab sofort in den Kleiderschrank.
2. Weite Schnitte umspielen die Silhouette
3. Ein Hauch von Ethno-Chic weht durch den kommenden Herbst.
4. Hosen haben jetzt den Wickel-Look.
5. Rollkragen geht immer!

 

Dorothee Schumacher

Dorothee Schumacher gehört zu den wenigen großen Namen der deutschen Designszene, die trotz aller Kritik am Modestandort Berlin noch immer fest zur Stadt und der hiesigen Fashion Week halten. Das hat sie nicht zuletzt in ihrem Talk mit der deutschen Vogue-Chefredakteurin Christiane Arp bei der ZEITmagazin Konferenz Mode & Stil klargemacht. Vielleicht auch aus diesem Grund zeigt sie in dieser Saison wieder ganz klassisch auf dem Runway im Zelt am Brandenburger Tor – einem Ort, den viele ihrer Kollegen bewusst zu meiden scheinen. Die Designs von Schumacher bestechen wie gewohnt durch eine ordentliche Portion Weiblichkeit, die zugleich verspielt und leicht daherkommt ohne mit dem Finger zu penetrant darauf zu deuten. Ganz im Gegenteil sogar: Schumacher verhüllt mehr, als dass sie den Körper zeigt und beweist damit, wie sinnlich das Spiel mit dem Textilen sein kann. Dazu präsentiert sie uns Muster all over sowie ein harmonisches Farbspiel aus verschiedenen Blaunuancen und Cognac. Insgesamt bleiben die Töne in markanter 70s-Attitüde bei dieser Kollektion eher gedeckt.

5 Lektionen, die wir uns abschauen können:

1. Ein Hauch von 70s bleibt.
2. Wir wollen Mustermix All Over!
3. Zartes Blau und warmes Cognac ergeben einen wunderbar herrlichen Kontrast
4. Latzhosen und -kleider tragen wir ab sofort in Leder.
5. Skinny ist tot! Wir tragen im kommenden Herbst weite Hosenbeine.

 

Dawid Tomaszewski

Einer, der den Spagat zwischen zeitloser Klassik und aktuellen Trends beherrscht, wie kaum ein anderer, ist David Tomaszewski. Wenn der aus Danzig stammende Modeschöpfer ruft kommen sie alle nur zu gerne und drängen sich auf den vorderen Plätzen im Kronprinzenpalais. Seinem Hang zu Weiblichkeit bleibt Tomaszewski auch dieses Mal wieder treu. Auch in dieser Saison ist es die Kunst, die den Designer zu seinen Entwürfen inspiriert hat. Die Taille liegt im Fokus Pencil Skripts und lange fließende Kleider umspielen sanft die Silhouette. Gleichzeitig wird es dank der Kombination aus Marineblau und Orange farblich endlich wieder richtig knallig – und wir ahnen spätestens jetzt, dass wir an der Farbe, die der Lehre nach eigentlich das billige Plastik verkörpert, im kommenden Herbst/Winter definitiv nicht vorbeikommen werden. Und weil im Zeitalter des WWW neben der Kollektion auch die Präsentation selbst immer wichtiger wird: durften sich die Gäste auch gleich noch über Livemusik von Medina während der Show freuen.

5 Lektionen, die wir uns abschauen können:

1. Mäntel tragen wir wieder in Egg-Shape-Form.
2. Die Taille steht im Fokus.
3. Blockstreifen werden wieder en vogue.
4. Die Farbkombination aus Marineblau, Grau und Orange war nie schöner!
5. Weite Hosenbeine kokettieren mit Pencil-Skirts.

Kategorie: Fashion, Trend

von

Laura Sodano

FOUNDER & EDITOR IN CHIEF // Lebe lieber ungewöhnlich // Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Für die einen Schizophrenie par exellence, für diese Dame aber ganz normaler Alltag. Frei nach dem Motto, Gegensätze ziehen sich an, verzücken Laufstegbilder und Editorial Shoots Laura ebenso wie die 100. Neuauflage eines Susan Sontag Essays. Bücher und Mode sind ihre Schwäche, Film, Kunst und Kultur das Terrain auf dem sie heimisch ist. Die gebürtige Frankfurterin redet oft schneller, als andere denken. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit Wörtern ihre Waffe. Selten steht das Gedankenkarussell mal still. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Notizbuch ihr ständiger Begleiter.

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