Culture, Read
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Introducing | Numéro Berlin – 620 Seiten Kultur, Mode und Gesellschaft

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Ein Magazin so dick wie ein Roman? Das ist ab sofort nicht mehr nur noch der Wunschtraum waschechter Leseratten. Auf satten 620 Seiten widmet sich die neue Numéro Berlin ab sofort dem breiten Spektrum zwischen Mode, Gesellschaft und Kultur. Nachdem es für die männliche Leserschaft schon seit einer Weile die Numéro Homme gibt, bietet die Berlin-Variante nun auch endlich das gender-unabhängige Lesevergnügen – auch wenn im Fokus von Ausgabe eins ganz klar die Frauen stehen. Alicia Kwade, Toni Garrn, Jorinde Voigt, Barbara Sukowa, Nadja Auermann, und, und, und. Ihnen allen setzt das Magazin ein Zeichen, stellvertretend für all die anderen Frauen, die tagtäglich in Deutschland leben, denken und arbeiten. Denn der Bezug zur eigenen Heimat eint alle Geschichten dieser Ausgabe.

Eine bewusste Entscheidung betont Herausgeber Götz Offerfeld in seinem Editorial Letter und schreibt: “… obwohl wir gerade von nur allzu bekannten dunklen Geistern verfolgt werden, ist Deutschland ein Land voller Talent und Schönheit, voller leidenschaftlicher Menschen mit Herz und Verstand.” Das mag gerade jetzt, wo die Vergangenheit verdächtig nahe an die Gegenwart heranrückt, vielleicht erst einmal nicht leicht über die Lippen kommen. Es ist aber der wohl beste Versuch, gegen Angst und Dummheit ein Zeichen zu setzen. Denn “wir dürfen uns von den ewig Gestrigen, die im Moment fast täglich neue Schlagzeilen liefern, nicht entmutigen und frustrieren lassen, egal wie viele es sind, egal wie laut sie grölen”, formuliert Offerfeld so treffend weiterAnders ausgedrückt: Es ist ein Kampf, der sich lohnt, Einer, der nicht nur die Vielfältigkeit und Offenheit der eigenen Heimat zelebriert, sondern auch die besondere Strahlkraft von Kultur und Mode hervorhebt – in Deutschland und jenseits jeglicher Grenzen.

Glaubt ihr noch nicht so ganz? Dann blättert am besten selbst einmal durch die vielen wunderbaren Modestrecken im Heftpart Vol. A. So manche davon möchte man am liebsten direkt an die Wand pinnen. Liebhaber des geschriebenen Worts kommen dann im zweiten Teil des Magazins auf ihre Kosten. Vol B beschäftigt sich unter anderem mit den Frauenfiguren bei Rainer Werner Fassbinder, nimmt uns mit auf Reisen durch die deutschen Landschaften, hebt Petra Kellys Engagement in der Friedensbewegung der 80er Jahre hervor, liebt die Fotografien von Lucia Moholy-Nagy und zeichnet eine herrliche Ode an die deutsche Sprache mit ihren vielen zauberhaften Eigenheiten, für die man uns selbst im Ausland beneidet. Da wird mit einem Schlag auch wieder klar, warum Deutschland einst als das Land der Dichter und Denker galt. Inmitten von braunem Morast und feiger Herdentiermanier haben es einfach nur irgendwann vergessen und schließlich unter einem Berg aus Scham begraben. Eine, die angesichts des Greuels nicht falsch war, die aber der Auseinandersetzung bedarf, damit sich alte Fehler nicht wiederholen. Kultur ist da nicht nur ein erster Schritt, sondern als geistig erweiterndes Format oft auch eine Wunderwaffe!

In diesem Sinne: Happy Reading

*Numéro Berlin ist ab sofort für 6,o0 EUR im gut sortierten Zeitschriftenhandel erhältlich.*

Kategorie: Culture, Read

von

Laura Sodano

FOUNDER & EDITOR IN CHIEF // Lebe lieber ungewöhnlich // Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Für die einen Schizophrenie par exellence, für diese Dame aber ganz normaler Alltag. Frei nach dem Motto, Gegensätze ziehen sich an, verzücken Laufstegbilder und Editorial Shoots Laura ebenso wie die 100. Neuauflage eines Susan Sontag Essays. Bücher und Mode sind ihre Schwäche, Film, Kunst und Kultur das Terrain auf dem sie heimisch ist. Die gebürtige Frankfurterin redet oft schneller, als andere denken. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit Wörtern ihre Waffe. Selten steht das Gedankenkarussell mal still. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Notizbuch ihr ständiger Begleiter.

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