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Interview mit Kerstin Görling von Hayashi | “Ich wähle Labels für die ich brenne.”

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Der Concept Store Hayashi zählt in Frankfurt zu den führenden Adressen für Designermode und Contemporary Fashion und bereicherte die Stadt schon lange bevor hier der Hype um das Textile entstanden ist. Besitzerin und Einkäuferin Kerstin Görling lebt und atmet Mode. Mit ihrem kleinen Reich nahe der Börse hat sie einen Ort geschaffen, der jedes Frankfurter Fashion-Herz auf Anhieb zum Schmelzen bringt. Neben einer großen Anzahl an etablierten High Street und Designlabels, wie Acne Studios, Marni, Philosophy und MSGM die Hayashi führt, sind Kerstin und ihr Team auch immer auf der Suche nach neunen Talenten. Ports 1961 und Vivetta sind nur zwei Brands, die seit dieser Saison das Angebot des Stores bereichern. Wir haben mit Kerstin gesprochen, über ihre tiefe Leidenschaft für Mode, ihre tagliche Arbeit als Einkäuferin und natürlich über das Verhältnis der Frankfurter zu Mode und Stil.

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Kerstin, was ist die Idee hinter Hayashi? Kannst du uns ein wenig über die Geschichte hinter dem Store erzählen?

Meine Leidenschaft ist es, verschiedene Designer miteinander zu kombinieren, um so einen individuellen Stil zu kreieren. Ich möchte meinen Kundinnen den sogenannten „Hayashi Look“ bieten: cool, feminin, elegant, aber immer auch mit einem ironischen Twist. Seit 2007 befindet sich mein Store direkt in der Innenstadt gegenüber der alten Frankfurter Börse. Mein Team und ich arbeiten aber nicht nur als klassische Verkäuferinnen. Wir lieben Fashion und teilen das auch gerne mit anderen. Deshalb sehen wir uns vor allem auch als Stylistinnen und wollen Looks präsentieren, die von Kopf bis Fuß zusammenpassen. Unsere Expertise liegt darin, die neuesten Designs und Trends zu finden. Um das mit unseren Kundinnen zu teilen sind wir vor allem auch im Bereich Social Media aktiv, zum Beispiel auf Facebook und Instagram.

Hast du vor der Gründung von Hayashi auch schon in der Mode gearbeitet? Und wie schaut es mit deiner Leidenschaft für das Textile aus? War die schon immer da oder gab es einen besonderen Moment, an dem es Klick gemacht hat?

Seit meiner Teenagerzeit liebe ich es mich durch Kleidung auszudrücken. Dabei habe ich auch schon immer optisch provoziert: An einem Tag trug ich neongelbes Haar, am nächsten hatte ich es schon wieder Schwarz gefärbt. Ich trug die höchsten Plateauschuhe, um kurz darauf wie ein Skater Girl auszusehen. Es war einfach schon immer meine Leidenschaft in verschiedene Rollen zu schlüpfen und in der Schule war ich für meinen speziellen Style bekannt. Deshalb war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis ich meinen Weg in die Modeinsdustrie finden würde. Nach meinem Abschluss wusste ich schnell: Ich möchte meinen eigenen Store, meine eigene kleine Welt, in der ich experimentieren kann. Ich studierte Fashion Management in Düsseldorf und eröffnete meinen Laden direkt nachdem ich die Uni abgeschlossen hatte.

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Was liebst du an deinem Job? Was macht dir nicht so großen Spaß?

Ich liebe es, in meinem Job kreativ sein zu können – vor allem wenn es um den Einkauf geht. Es macht mir unheimlich Spaß, neue Brands und Styles zu finden. Das Buying fühlt sich für mich fast so an, als befände ich mich ein einem Märchen. Wenn ich unterschiedliche Styles, Farben und Größen auswähle, bin ich einfach in meinem Element und manchmal erwische ich mich dann sogar dabei, wie ich mit mir selbst spreche. Der Einkauf ist für mich eine Herzensangelegenheit, ich sammle Bilder und füge schließlich alles zusammen, um die Story für die kommende Saison zu kreieren. Das ist meiner Meinung nach ähnlich kreativ, als kuratiere man eine Ausstellung und designe seine eigene Kollektion. Außerdem liebe ich es, mit meinem Team zusammenzuarbeiten, das mit genauso viel Leidenschaft an die Sache herangeht, wie ich. Wenn neue Kollektionen eintreffen, benehmen wir uns oft, wie Kinder an Weihnachten. Das ist das, was mir an meinem Job am meisten Spaß macht: Mein inneres Kind kann sich einfach so richtig austoben. Auch die Gestaltung des Store Windows und der Geschenkverpackungen gehört zu den Dingen, die ich wirklich gerne mache.
Was ich an meinem Job manchmal nicht so gerne mag, sind die große Verantwortung und der Druck die damit einhergehen. Die Modeindustrie kann manchmal wirklich ein Haifischbecken sein. Aber: Ohne ein wenig Regen, gibt es auch keinen Regenbogen.

Du arbeitest auch als Contributor für Journelles. Wie kam es dazu?

Vor meiner Tätigkeit für Journelles, habe ich schon für LesMads gearbeitet. Jessica Weiss hatte mich damals im Frankfurter Store für ein Interview besucht und als ein paar Monate später der Entschluss feststand, um das Blog ein Netzwerk aufzubauen mit verschiedenen Autoren aus anderen Städten, war ich sofort dabei. Nachdem Jessica LesMads verlassen hatte und Journelles launchte, war es für mich keine Frage, ihr zu folgen. Vor Kurzem haben wir den dritten Geburtstag von Journelles gefeiert. Inzwischen ist Jessica eine enge Freundin geworden und wir respektieren, das was wir tun, gegenseitig sehr. Die letzten Fashion Weeks in Paris und Mailand haben wir zusammen verbracht und uns auch ein Appartment geteilt. Und was macht mehr Spaß, als seinen Job zu machen und gleichzeitig einen guten Freund um sich zu haben.

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Und was macht für dich persönlichen Stil aus?

Stil ist für mich eine Mischung aus Geschmack, Erziehung, Vorstellungskraft, Cleverness, Humor und Selbstbewusstsein. Eigenen Stil haben, meint Power haben. Du kannst dir naürlich Looks von den Brands oder den Fashionmagazinen abschauen, um dich selbst als Fashionista zu inszenieren. Aber wenn du eine Frau mit echtem Stilgefühl siehst, erkennst du sofort den Unterschied. Sie wird cool aussehen, egal, ob sie ein verrücktes pinkes Glitzerkleid oder ein schlichtes weißes T-Shirt trägt.

Wie wählst du die Labels und Kollektionsteile aus, die du im Store verkaufst? Folgst du bei der Entscheidung bestimmten Kriterien oder geht es dir dabei hauptsächlich um deine persönliche Intuition?

Ich wähle für Hayashi nur Brands aus, für dich ich auf Anhieb Feuer und Flamme bin. Nach fast neun Jahren im Einkauf habe ich ein sehr feines Gespür für Farben und Stile entwickelt. Ich sage immer: Es gibt Farben, die mir einfach im Blut liegen. Eine Kollektion muss mich begeistern, aber auch überraschen. Die Stücke sollten einfach von außergewöhnlicher Schönheit sein. Gleichzeitig ist es mir aber auch wichtig, dass sich die Pieces stilistisch ins Gesamtbild von Hayashi fügen. In gewisser Weise spiegeln die Stücke, die ich verkaufe, mich selbst wider und ich möchte mich einfach toll fühlen, sobald ich ein Kleidungsstück trage. Da gebe ich auch an meine Kundinnen weiter. Ich möchte sie überraschen und ihnen Neues näherbringen. Deshalb ist es auch unverzichtbar, immer wieder neue Marken, Styles und Looks zu finden. Grundsätzlich habe ich aber keine bestimmte Käuferin im Kopf, wenn ich den Einkauf mache, es ist mehr so eine Intuition und ein Gefühl dafür, was das nächste große Ding sein könnte.

Die nächste Fashion Week Saison steht in den Startlöchern. Welche Präsentationn haben dich in der letzten Saison besonders begeistert? Und was werden deiner Meinung nach die grundlegenden Trends im nächsten Frühjahr/Sommer sein?

Zwei neue Brands, die ich vor Kurzem für mich entdeckt habe, sind Philosophy und Ports 1961. Beide präsentieren den Typ Frau, der ich gerne wäre. Cool, schön, dabei gleichzeitig selbstbewusst und klug. Für den kommenden Sommer freue ich mich schon sehr auf Blumenkleider mit vielen Rüschen, die am besten zu eher roughen Cowboy-Boots kombiniert werden. Außerdem mag ich Layering sehr gerne, Caftan und Hippiekleider gehen im Sommer aber auch immer. Gleiches gilt für leuchtende Farben: Vor allem Rot, Blau und Gelb stehen in der kommenden Saison hoch im Kurs.

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Was sind aktuell deine liebsten Designer? Und dürfen wir uns auf neue Brands bei Hayashi freuen?

Jede Saison suche ich neue Labels für Hayashi. Neu in unserem Portfolio sind Vivetta, Ports 1961 und For Restless Sleepers. Grundsätzlich liebe ich aber jedes einzelne Label, die wir bei Hayashi führen. Es ist toll verschiedene Designer miteinander zu kombinieren.

Was sind deiner Meinung nach die vielversprechendsten deutschen Designer?

Im Moment bin ich ein großer Fan von Perret Schaad, Odeeh, Lala Berlin, Marina Hoermanseder und Malaikaraiss.

Hand aufs Herz: Frankfurt und Mode? Wie geht das Zusammen und gibt es etwas, dass du ändern würdest, wenn du könntest?

Ich glaube, Frankfurt kann mittlerweile mehr mit dem Thema Mode anfangen, als noch vor ein paar Jahren. Meine Kundinnen sind sehr gut informiert und haben eine tiefe Leidenschaft für Mode. Da die meisten von ihnen gestandene Geschäftsfrauen sind, etwa Ärztinnen oder in Finanzberufen tätig, sind sie sehr selbstbewusst und mutig. Vielleicht lieben sie es auch gerade deshalb in ihrer Freizeit mit Mode zu spielen und scheuen sich nicht davor auch mal ein extravagantes Outfit zu tragen. Viele Frankfurterinnen sind außerdem sehr cosmopolitsch, was sie offen für Neues macht. Frankfurt war schon immer eine Stadt der Kontraste, so verhält es sich auch mit den Menschen die hier leben. Für das Stadtbild sind die Anzüge der Finanzleute genauso charakteristisch, wie die bunten Kleider der Fashion Ladies.

Wir danken dir für das nette Gespräch, liebe Kerstin und wünschen dir und deinem Team viel Erfolg für die nächste Saison!
Hayashi
Börsenplatz 13-15
60313 Frankfurt

Mo – Fri 11-19,
Sat 11-18

Contact: www.hayashi-shop.com
Instagram: @hayashi_shop

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Das komplette Interview in Englisch gibt es auf SUPERIOR Magazine.

Kategorie: Fashion, Talk

von

Laura Sodano

FOUNDER & EDITOR IN CHIEF // Lebe lieber ungewöhnlich // Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Für die einen Schizophrenie par exellence, für diese Dame aber ganz normaler Alltag. Frei nach dem Motto, Gegensätze ziehen sich an, verzücken Laufstegbilder und Editorial Shoots Laura ebenso wie die 100. Neuauflage eines Susan Sontag Essays. Bücher und Mode sind ihre Schwäche, Film, Kunst und Kultur das Terrain auf dem sie heimisch ist. Die gebürtige Frankfurterin redet oft schneller, als andere denken. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit Wörtern ihre Waffe. Selten steht das Gedankenkarussell mal still. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Notizbuch ihr ständiger Begleiter.

2 Kommentare

  1. Pingback: Zündstoff der Woche #24 | Zunder

  2. Ein wirklich tolles & gelungenes Interview. Ich werde dieses heute auch in meinem “Zündstoff der Woche #24” featuren. Ich bin schon seit langem ein großer Fan von Kerstin, Hayashi und vor allem ihren lauten, bunten Looks.

    Liebste Grüße, Elisa

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