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Interview | LARA SNOW. “Once I’m on stage all my guards go down and I just let go”

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LARA SNOW haben uns vom ersten Ton an begeistert. Ein verhältnismäßig zarter Look trifft auf laut bis wilde Elektro- und Punk-Elemente, dazwischen reichlich Hip Hop und Pop. Das erzeugt Spannung und macht neugierig. Für uns also Grund genug euch Lara Snow anlässlich der Deutschlandtour Ende letzten Jahres nicht nur musikalisch näher zu bringen, sondern auch gleich noch Tickets für die Konzerte in Frankfurt und Berlin zu verlosen. Doch wer steckt den nun eigentlich hinter dem Sound? Wir haben Valery und Jonathan zum Stelldichein gebeten. Im Interview verraten Sie uns mehr über die Idee hinter der Band, über ihre Musik und was sie persönlich bewegt und motiviert. (English Version here)

Valery du hast LARA SNOW 2014 gegründet – oder sagen wir vielmehr erschaffen. Was ist die Geschichte dahinter und was war der Punkt, an dem du für dich den Entschluss gefasst hast, diese Reise anzutreten?

Valery: LARA SNOW wurde aus dem persönlichen Bedüfrnis heraus geboren, eine bessere und glamourösere Version meiner selbst zu erschaffen. Ich nahm Produktionsstunden in einem lokalen Sound-Institut und ich erinnere mich noch, dass ich das tiefe Gefühl hatte, dieses Projekt würde ein Neustart für mich sein. Seit ich denken kann, habe ich in Bands gespielt. Ich wusste, es war Zeit für mich mein eigenes Ding zu machen. Der Name sollte zu dem passen, was ich vorhatte. Ich persönlich fand schon immer, dass Künstler ihren eigenen Bühnennamen haben sollten, weil ich glaube, dass sie auf der Bühne oder auch innerhalb des kreativen Schaffensprozesses zu einer anderen Version ihrer selbst werden. Manchmal kann ich mir vor einer Show fest vornehmen, dass ich dieses Mal nicht auf die Bar steige oder in die Menge springe. Kaum bin ich aber auf der Bühne geht all die Hemmungen verloren und ich lasse mich einfach gehen.

Jonathan, wann hast du das erste Mal von LARA SNOW gehört und wie hat es sich dann mit der Zusammenarbeit ergeben? 

Jonathan: Ich war auf Tour mit meiner alten Band und während der Reise hörte ich mir neue Tracks an. Einer davon war ein Song von LARA SNOW. Ich musste sofort auf Stop drücken und mehr über diese Frau erfahren. Es endete darin, dass ich ihr eine Facebook-Nachricht schrieb, in der ich sie wissen ließ: “Ich habe eine Vision von uns beiden, wie wir zusammen spielen.“ Als wir dann begannen, an der Live Show zu arbeiten, wussten wir beide sofort, dass es genau das war, was wir wollten and wir beschlossen uns völlig dieser Sache hinzugeben.

Habt ihr schon euer ganzes Leben Musik gemacht?

Wir beide machen schon seit unserer Jugend Musik, man könnte eigentlich auch sagen seit unserer Kindheit. Wir starteten beide in Punk und Rock Bands in Tel Avivs Undergroundszene und blieben eine Weile in diesem Bereich, ehe wir völlig unabhängig voneinander jeder für uns elektronsiche Musik entdeckten. Das führte uns schließlich auch musikalisch zusammen.

Ihr beschreibt eure Musik als “Fairy Rock” mit elektronischen Einflüssen. Tatsächlich klingt euer Sound sehr besonders und kombiniert eine ganze Reihe verschiedener Elemente, so auch Pop und Rap. Könnt ihr uns ein wenig mehr darüber erzählen? Welche Musiker haben euch beeinflusst und tun es vielleicht sogar noch? 

Valery: Danke! :-) Grundsätzlich beschreibe ich unsere Musik als Electronic Pop, Fairy Rock oder Art Punk. Das mache ich, weil ich es generell nicht mag, Musik in Worten zu beschreiben. Es ist immer schwer das Ganze adäquat zu treffen. Musik löst in jedem etwas anderes aus und davon möchten die Leute in der Regel eine eigene Idee formulieren. Viele meiner Einflüsse stammen aus dem Punk, dem Pop, dem Rock, der elektronischen Musik sowie einiger anderer Genres. Einige meiner liebsten Künstler sind: David Bowie, The Knife, Radiohead, Depeche Mode, Yeah Yeah Yeahs, Bjork, Sinead O’Connor, Lykke Li, M83, Grimes, Blonde Redhead, Lana Del Ray und mein aktueller Lieblingsfund – The dø.

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Beim Hören eures Songs “I Like Snow” fühlte ich mich sofort an Musik der Riot Grrrls aus den 90ern erinnert. Gibt es da irgendeine Verbindung? Wie ich gelesen habe warst du, Valery, ja auch stark in der lokalen Punk Szene Tel Avivs verankert.  

Valery: Ich bin auf jeden Fall von der Riot Grrrl-Bewegung beeinflusst und noch stärker von Punkmusik. Trotzdem würde ich mich selbst nich als jemanden beschreiben, der von der feministischen Seite davon beeinflusst ist. Meine Lyrics beziehen sich selten auf dieses Thema. Ich ziehe meine Inspiration aus dem Vibe und der Freiheit, die Riot und Punk kreieren, aus der dazugehörigen Lebensart und der Idee Grenzen zu durchbrechen. Auf der Bühne so richtig abzugehen und nicht darüber nachzudenken, wie du dabei aussiehst und was andere Leute über dich denken. Diese Idee gefällt mir. Ich mag es einfach verrückt zu spielen und ich gebe immer alles, was ich kann.

Bei dem Track geht es auch sehr darum, wütend zu sein. Glaubt ihr, dass es für Frauen und Mädchen noch immer schwer ist, die eigenen Gefühle auf eine direkte, unmittelbare Art zu zeigen und eben nicht immer die Nette und Liebenswerte zu spielen?

Valery: Naja, ich hoffe nicht! I hoffe, Frauen fühlen sich heutzutage frei, ihre Gefühle auszudrücken und offen auszusprechen, was sie denken. Ich jedenfalls weiß, dass ich das tue.

Fühlst du dich dem Feminismus verbunden? Würdest du dich selbst vielleicht sogar als Feministin beschreiben? 

Valery: Ich wuchs in einem Umfeld auf, in dem ich nicht um Gleichberechtigung zu kämpfen hatte, weil ich mich immer gleichberechtigt fühlte. Ich hatte das Glück, von Leuten umgeben zu sein, die dafür sorgten, dass ich mich wertgeschätzt und gut fühlte. Ich glaube an die Gleichheit der Geschlechter und daran, dass Frauen werden können und sollen, was immer sie möchten. Wenn das eine Feministin ausmacht, dann, denke ich, bin ich eine.

Wie schon erwähnt stammt ihr beide aus Tel Aviv. In Deutschland haben die Leute in diesem Zusammenhang meist das Bild einer unheimlich kreativen subkulturellen Szene vor Augen. Wie würdet ihr die Atmosphäre dort beschreiben und in welcher Weise hat das vielleicht auch eure Musik und euer Schaffen beeinflusst?

Tel Aviv ist eine tolle Stadt, um kreativ zu sein. Die Indie-Szene dort ist nicht sehr groß, aber sehr unterschiedlich und frei in ihren Ausprägungen. Es gibt viele verschieden Künstler, die wirklich gute und innovative Musik machen. Das kann sehr inspirierend sein. Für mich persönlich ist die Stadt auch ganz allgemein betrachtet sehr inspirirend und voll von einer ganz eigenen Magie. Ich habe im Stadtteil Jaffa gelebt, ein sehr multikultureller Part der Stadt, in dem sehr viele Künstler leben. Es ist sehr anregend einfach durch Jaffa zu schlendern. Die Altsatdt und die Küste sind wunderschön.

Ihr seid inzwischen nach Berlin gezogen. Wie kam es dazu und würdet ihr zustimmen, dass die Stadt einen sehr speziellen Vibe hat? Was unterscheidet Berlin von anderen Städten in denen ihr bisher gelebt und gespielt habt?

Wir sind vor allem nach Berlin gezogen, weil wir hier Musik veröffentlichen und auf Tour durch Deutschland gehen. Es ist um einiges leichter, ins Auto zu springen, um eine Show zu spielen. Außerdem hatten wir beide das Gefühl, dass es an der Zeit sei, neue Inspiration an einem anderen Ort zu suchen. Wir glauben, dass Veränderung gut ist. Bisher ist Berlin wirklich toll! Die Stadt ist so groß und bunt, wir haben einige wirklich tolle, versteckte Locations gefunden und tolle Leute getroffen. Wir sind noch immer dabei, Berlin Stück für Stück zu entdecken und es gibt absolut keinen Zweifel, dass hier ein ganz besonderer Vibe herrscht.

Ein Teil unseres Magazins sitzt in Frankfurt, da freuen wir uns natürlich sehr, dass es euch für einen Gig auch hierher gezogen hat. Gab es vorher schon etwas, dass ihr mit Frankfurt verbunden habt? 

Wir haben uns sehr darauf gefreut, in Frankfurt zu spielen. Tatsächlich lebt mein Bruder dort, weshalb wir auch Anfang des letzten Jahres einen kurzen Nachmittag in der Stadt verbracht haben. Wir sind gespannt, mehr von dieser tollen Stadt zu sehen.

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Sprechen wir über euren Stil: Look und Sound unterscheiden sich bei euch sehr voneinander. Könnt ihr uns mehr über die Idee dahinter erzählen? Mögt ihr es generell, mit Gegensätzen zu spielen? 

Valery: Für mich bedeutet Stil, sich in etwas gut zu fühlen, wenn man es trägt – vor allem während einer Show! Es mag ein wenig ein Klischee sein, aber ich fühle mich gut, wenn ich mit mir zufrieden bin, also achte ich darauf. Ich mag es mit Gegensätzen zu spielen. In unserem Video zu „ Sometimes It’s Enough” gibt es einen „bösen Charakter“. Sie trägt Schwarz, geht in das verlassene Hotel, sie raucht und wirft Fahrräder aus dem dritten Stock. Dann gibt es das Good Girl, Lara, die komplett Weiß trägt und die Geschichte erzählt, während sie in ihrem Kinderzimmer stitzt und in ihre Notizheft schreibt. Das zieht sich auch durch „I like Snow“, die Wut in den Versen und der positiv kindliche Touch im Chorus.

Stichwort Mode: Lasst ihr euch von aktuellen Trends beeinflussen und wie würdet ihr euren Style beschreiben? 

Valery: Ich würde nicht sagen, dass mich Trends großartig beeinflussen. Wie ich schon sagte, geht es mir persönlich eher ums Wohlfühlen. Wenn etwas das bei mir nicht bewirken kann, dann trage ich es auch nicht. Für mich ist Mode auch mehr ein Ausdruck von Individualität. Auch deshalb geht es mir nicht so sehr darum, Trends zu folgen. Wenn sie sich aber manchmal mit dem überschneiden, was mir gefällt, höre ich natürlich trotzdem nicht auf, meine Teile zu tragen.

Hast du einen Lieblingsdesigner? 

Ich bin noch nicht ganz sicher, was die deutschen Designer betrifft. Auf internationaler Ebene gefällt mir Alexander Wang am besten. Außerdem gibt es eine ganze Reihe lokaler, israelischer Designer, von denen meine liebsten Sharon Brunsher und Ruby Star sind.

Eure zweite Singe ist gerade erschienen. Glückwunsch! Worauf dürfen wir uns bei LARA SNOW sonst noch freuen?

DANKE! Wir sind sehr glücklich, dass unsere ersten beiden Songs draußen sind. Als nächstes steht für uns das Release unserer dritten Single an. Dann folgt die erste EP zu Beginn des neuen Jahres, gefolgt von weiteren Headling Shoes sowie unserem ersten Festival Sommer! Wir können echt nicht erwarten!

Habt vielen Dank für das Interview und wir wünschen euch alles Gute für 2017! Wir freuen uns auf mehr von euch!

Kategorie: Culture, Listen, Talk

von

Laura Sodano

FOUNDER & EDITOR IN CHIEF // Lebe lieber ungewöhnlich // Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Für die einen Schizophrenie par exellence, für diese Dame aber ganz normaler Alltag. Frei nach dem Motto, Gegensätze ziehen sich an, verzücken Laufstegbilder und Editorial Shoots Laura ebenso wie die 100. Neuauflage eines Susan Sontag Essays. Bücher und Mode sind ihre Schwäche, Film, Kunst und Kultur das Terrain auf dem sie heimisch ist. Die gebürtige Frankfurterin redet oft schneller, als andere denken. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit Wörtern ihre Waffe. Selten steht das Gedankenkarussell mal still. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Notizbuch ihr ständiger Begleiter.

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