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Interior | Auf der Suche nach dem richtigen Teppich

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Bild: cc-tapis

Kinder, wie schnell die Zeit vergeht. Seit mittlerweile 7 Jahren lebe ich in meiner schmucken kleinen Wohnung irgendwo im Frankfurter Nordend. Für manche eine halbe Ewigkeit. Der Großteil meiner Freunde tendiert nämlich dazu, mindestens alle zwei bis drei Jahre die vier Wände zu wechseln. Eine Sache, die trotz aller Lust nach Neuem bei mir dann doch immer wieder auf Unverständnis stößt. Schließlich ist es ja auch nicht gerade ein Klacks, den sich stetig vergrößernden Haushalt durch die Weltgeschichte zu tragen. Dazu bin ich erstens viel zu faul und zweitens körperlich nicht kräftig genug gebaut. Aber darum soll es an dieser Stelle gar nicht gehen. Mindestens noch länger als ich in meiner Wohnung lebe, ist mein Wohnzimmerteppich an meiner Seite. Er ist kein teurer Teppich, ja nicht einmal ein besonders auffälliger. Wer sich ein wenig bei IKEA auskennt, dem dürfte jenes cremefarbene Fussel-Flauschmodell geläufig sein, das dort schon seit Urzeiten zum obligatorischen Standard gehört – nur dass es früher um einiges weicher und der Look insgesamt edler war. Jedenfalls, genau jenen besagten  Teppich schaffte ich mir irgendwann zwischen der sechzehnten und achtzehnten Kerze auf der Torte an, als aus dem elterlichen Teeniezimmer so eine Art Semi-Erwachsenenbude wurde – zumindest war das damals Intention. Als ich dann das Nest verließ, gab es ohnehin schon so viele Ausgaben für neue und weitere Möbel, sodass der Teppich kurzerhand mit mir wanderte. Wieso auch nicht, er war ja schließlich schlicht und schön. So geht es mir prinzipiell heute noch. Trotzdem ist der Lack irgendwie ab.

Über die Jahre hat der Kleine so manchen Fleck hinzugewonnen und dabei gleichzeitig an Kuscheligkeit verloren. Grau ist er geworden und irgendwie auch ein wenig muffelig, was wohl auch der Tatsache geschuldet sein mag, dass mein Staubsauger und ich mehr in einer Art Zweckgemeinschaft leben.

 

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Und so hat es irgendwann auch uns erwischt. Mein Teppich und ich stehen vor dem verflixten siebten Jahr, zumindest nach Wohnungsrechnung, und immer öfter macht sich die Frage breit: Sollten wir uns trennen?

Ganz entschieden habe ich mich im Moment nicht, auch in Ermangelung an passenden Alternativen. Ein Beni Ourain würde sich meiner Vorstellung nach ganz gut im Wohnzimmer machen. Der Gedanke vergeht aber, sobald man sich einmal durch die deftigen Preise klickt. Handarbeit hat eben seinen Preis. Alternativ wäre auch ein Perserteppich denkbar. Wirklich kostengünstiger ist der aber leider auch nicht. Bis auf jenes an diesen Stil angelehnte Modell von Urban Outfitters, das nun schon seit knapp zwei Wochen ziemlich in meinem Kopf herumschwirrt und sich auf Anhieb nach oben auf die Hitliste katapultiert hat. Nur passt Blau wirklich zu mir? Sieht sich das Auge nicht vielleicht viel zu schnell daran satt? Und wird das vielleicht insgesamt optisch auch ein wenig zu wild? Fragen über Fragen, die einem chronisch unentschiedenen Menschen wie mir die Sache nicht gerade leichter machen.

Zum Glück drängt mich aber auch niemand. Und während ich hier so sitze und fleißig in die Tasten haue, schweift mein Blick am Bildschirm vorbei, auf den treuen alten Teppich, der so viele Geschichten erzählen könnte. Vielleicht sind wir doch noch nicht ganz fertig miteinander. Auf eine kleine Shampoonierwäsche könnte ich es ja einmal ankommen lassen.

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Kelim-Teppich “Hana” von Urban Outfitters
Zotteliger Teppich “Mavi Boucherouite“ von Urban Outfitters
Marrokanischer Beni Ourain Teppich, verschiedene Modelle via Etsy
Filzkugel-Teppich von HAY
FES getufteter Teppich von Made.com
Kelim-Teppich von Loom and Field via Etsy
Geometrischer Fransen-Teppich von cc-tapis
“Etruria” flach gewebter Teppich via Made.com
Marokkanischer Vintage-Teppich von Loom and Field via Etsy
Teppich mit Farbverlauf von cc-tapis
Teppich Woodland von Westwingnow

Kategorie: Interior, Look, News

von

Laura Sodano

FOUNDER & EDITOR IN CHIEF // Lebe lieber ungewöhnlich // Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Für die einen Schizophrenie par exellence, für diese Dame aber ganz normaler Alltag. Frei nach dem Motto, Gegensätze ziehen sich an, verzücken Laufstegbilder und Editorial Shoots Laura ebenso wie die 100. Neuauflage eines Susan Sontag Essays. Bücher und Mode sind ihre Schwäche, Film, Kunst und Kultur das Terrain auf dem sie heimisch ist. Die gebürtige Frankfurterin redet oft schneller, als andere denken. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit Wörtern ihre Waffe. Selten steht das Gedankenkarussell mal still. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Notizbuch ihr ständiger Begleiter.

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