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Fashion Week Berlin | William Fan AW17 – Afternoon Stories

William Fan AW17_header habits_Rachel Israela

Wenn ein Designer es immer wieder schafft, uns für einen kurzen Augenblick raus aus dem Modetrubel hinein in andere Welten zu entführen, dann ist das eindeutig William Fan. Zu Recht gilt der Berliner Jungdesigner als eines der spannendsten Nachwuchstalente der Hauptstadt. Seine Shows sind begehrt, die Atmosphäre bleibt trotzdem klein und familiär. Das Who is Who der Szene versammelt sich hier nur zu gerne. Selbst Christiane Arp, ihres Zeichens Chefredakteurin der deutschen Vogue, schaut persönlich vorbei und gibt schon vorab begeisterte Interviews. Pseudo-Prominenz und Medien-Magnete sucht man dagegen vergeblich. Zum Glück. Denn wo andere mit großen Effekten und viel Chi Chi versuchen zu protzen, da begeistert William Fan allein durch seine geradlinig zeitlose und dabei doch raffinierte Mode.

Auch für die kommende AW17-Kollektion bleibt er seinem Motto treu. Nach der „Disko“ und „Dem Morgen nach der Party“, nimmt uns William, der Geschichtenerzähler, dieses mal mit auf eine Reise nach China. Wir finden uns in engen, lebendigen Straßenschluchten wider, durch die die Models zunächst halb verdeckt durch rote Lackvorhänge praktisch hindurch schweben. Zu diesem Zeitpunkt ahnen wir noch nicht, dass auch wir uns bald hinter dem dem Vorhang tummeln und gemeinsam mit ihnen Bier und Kokoswasser schlürfen werden. Perfekter hätte der persönliche Abschluss für die diesjährige Berliner Fashion Week nicht sein können.

William Fan AW17

Was aber gibt es abseits der dramaturgischen Kulisse zu sehen? Weite Schnitte, viel Geradlinigkeit. Die Silhouette wird durch weite Hemden, Jacken und Hosen weitgehend verdeckt, wenn nicht sogar ummodelliert – bei Männer wie bei Frauen. Hier wird keines der Geschlechter besonders ausgestellt. Höchstens vielleicht die Kleider geben einen derartigen Anreiz. Sie umschmeicheln sanft den Körper. Insgesamt sind die Looks eher zeitlos bis klassisch gehalten. Wie William kurz zuvor bei der ZEITmagazin Konferenz Mode & Stil betont, geht es ihm weniger um die schnellen Trends als vielmehr darum, etwas zu schaffen, dass von der Zeit entkoppelt ist. Lieblingsstücke mit denen man eben immer gut gekleidet ist. Und: Entschleunigung statt Hektik. Das mag zunächst ungewohnt klingen, erweist sich inmitten all der wirbelnden Exzentrik aber schnell als Balsam für die Seele. Schön zu sehen, dass es auch in der Mode noch den Ausweg aus dem viel diskutierten Hamsterrad zu geben scheint. Der Erfolg gibt William jedenfalls Recht.

William Fan AW17_02

Farblich changiert die Kollektion zwischen zurückgenommenen Tönen wie Beige, Grau, Hellblau und Weiß, sattem Olivgrün sowie knalligem Pink und Rot. Metallic sorgt ebenso für besondere Momente, wie feine Nadelstreifen.  Gleichzeitig greifen Sie im Schnitt das übergeordnete Asia-Thema auf. Das tun auch die kunstvoll gestickten Blütenmotive ebenso wie der übergroße Ohrschmuck. Dynamisch geschwungene Schriftzeichen, liegen praktisch auf der Schulter auf und setzen nicht nur optisch Statements.

Und während wir noch immer ganz verträumt von all dem Schwärmen, was wir gesehen haben, stehen wir mit einem Mal mitten selbst im Getümmel. Unterhalten uns mit den Models, sehen die Kollektion aus nächster Nähe, könnten die Stücke theoretisch sogar anfassen. Wir stöbern in den vielen spannenden Kleinigkeiten, die hier ausgestellt sind. Es gibt Bier aus Flaschen, das ganz nonchalant mit Feuerzeugen geöffnet wird. Wer keines hat, dem leiht man gerne eins und umgekehrt. Da soll noch einer sagen, Mode sei immer abgehoben. Manchmal sind auch für sie die kleinen Dinge im Leben das pure Glück.

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Bilder Runway: Rachel Israela

Bilder Backstage: Inaie Hoff

Kategorie: Fashion, Trend

von

Laura Sodano

FOUNDER & EDITOR IN CHIEF // Lebe lieber ungewöhnlich // Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Für die einen Schizophrenie par exellence, für diese Dame aber ganz normaler Alltag. Frei nach dem Motto, Gegensätze ziehen sich an, verzücken Laufstegbilder und Editorial Shoots Laura ebenso wie die 100. Neuauflage eines Susan Sontag Essays. Bücher und Mode sind ihre Schwäche, Film, Kunst und Kultur das Terrain auf dem sie heimisch ist. Die gebürtige Frankfurterin redet oft schneller, als andere denken. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit Wörtern ihre Waffe. Selten steht das Gedankenkarussell mal still. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Notizbuch ihr ständiger Begleiter.

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