Fashion, Trend
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Fashion Week Berlin | Eine Reise in die Jugend mit William Fan

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Bilder: Sebastian Reuter/Getty Images for DER BERLINER MODESALON

Ein Kurztrip in die eigene Jugend kann schöner sein als gedacht. Zumindest, wenn er mit so viel Schwung und Liebe daherkommt, wie die Kollektion von William Fan.

„80er, 90er und das Beste von heute“, lautet der jahrelange Claim eines Frankfurter Radiosenders und, wenn ich nicht falsch liege, nutzen sie ihn sogar noch immer. Einem ähnlichen Anspruch scheint derzeit auch die Mode zu folgen. It’s all about the 80s. Dank Marc Jacobs erleben wir derzeit noch einmal die Anfänge von MTV, durch Saint Laurent, Céline und Balenciaga tragen wir unlängst wieder Glitzerminis und breite Schultern, dank ASOS können wir den 80s Look von Kopf bis Fuß zu kleinem Budget shoppen und auf Netflix fiebern wir mit den Wrestlinggirls von Glow mit. Trotzdem steht schon das nächste Jahrzehnt in den Startlöchern. Chronologisch korrekt folgen auf die 90er. Das wurde nicht zuletzt auch bei der Fashion Week in Berlin deutlich, wo uns vor allem ein Designer auf die kleine Zeitreise in meine Jugend entführte.

William Fan, der längst für seine brillanten Shows bekannt ist, lässt uns zunächst ein wenig Rätsel raten. Während im Garten des Kronprinzenpalais noch alle neugierig auf das nachgebaute Bushäuschen lugen, schwebt zu den Klängen von Beethovens “Für Elise” auch schon eine zauberhafte Elfe im Kostüm der vergangenen Show durch die Reihen. Wie aber soll das mit dem Bravo-Cover verzierten Paravent zusammengehen, hinter dem sie schließlich verschwindet. Wir sollen es bald schon erfahren. Während das Publikum nämlich erst einmal vergeblich aufs nächste Model wartet und sich allmählich zu fragen beginnt, was da denn jetzt schief gelaufen sein könnte, ertönen aus dem Off mit einem Mal Simpsons-Intro, The Nanny-Opening und reichlich anderen Audiofetzen, die trotz anfänglicher Irritation allen doch irgendwie wohlig vertraut vorkommen, ja, kurzzeitig sogar für den ein oder anderen Lacher sorgen. Und siehe da, kaum setzt feinster Loveparade-Techno ein, da entert auch schon das erste Model im 90s Look den Runway. Die Überraschung ist perfekt, die Begeisterung groß. Was folgt, ist eine wunderbare Hommage, an jene Ära, die in meinem Hirn ohnehin als „beste Zeit ever“ abgespeichert ist. Schließlich wird die eigene Jugend mit zunehmendem Alter zum heiligen Gral, da können selbst langsame Internet-Router und Tattooketten nichts daran ändern.

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Die Looks verstehen sich als fulminanter Clash aus 90er Ästhetik und zeitgenössischer Neuinterpretation. Neben Schlapphüten und weiten Raverhosen, präsentiert Fan schimmernde Stoffe, Karomuster und Knallfarben. Persönliches Highlight sind allerdings die abgewandelten Logoshirts, bei denen Fan aus „The Simpsons“ kurzerhand „The Fans“ macht und bei denen „The Nanny“ zu „The William“ wird. Einfach herrlich!

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Als die Modelschar schließlich zu Hein Rudolf Kunzes Hit „Dein ist mein ganzes Herz“ zum Finale aufläuft, wippen auch die letzten mit den Füßen. Das wird später nur noch getoppt, als Gigi D‘Agostino aus den Lautsprechern erklingt und vollends alle in der Vergangenheit angekommen sind. Denn wie so typisch für William Fan – ist nach der Show irgendwie auch vor der Show. Die Models lungern am oben erwähnten Bushäuschen herum – hat man schließlich früher so gemacht. Die Modemeute schießt Fotos und freut sich mit jedem neuen Track ein kleines Stückchen mehr ein Loch ins Knie. Als die Spice Girls laufen und kurz danach „Get Down“ von den Backstreet Boys, will ich am liebsten bleiben. Doch zuhause wartet Arbeit und auch der schönste Ausflug in die Jugend muss einmal vorbeigehen. Ich jedenfalls sage „Hut ab und Danke, lieber William“. Kaum einer versteht es besser, Mode und Gefühl untrennbar zusammenzubringen. oder, um es abschließend mit den Worten der zauberhaften Nikejane zu sagen: Wir sind alle supersonic!

Kategorie: Fashion, Trend

von

Laura Sodano

FOUNDER & EDITOR IN CHIEF // Lebe lieber ungewöhnlich // Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Was für die einen nach Schizophrenie par exellence klingt, ist für diese Dame ganz normaler Alltag. Frei nach dem Motto, Gegensätze ziehen sich an, verzücken Laufstegbilder und Lookbooks Laura ebenso wie die 100. Neuauflage eines Susan Sontag Essays. Bücherläden und (skandinavische) Mode sind ihre Schwäche, Filme und Kultur das Terrain auf dem sie sich zuhause fühlt. Die Frankfurterin mit der tiefen Liebe zum Berliner Leben redet oft schneller, als andere denken. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit Wörtern ihre Waffe. Selten steht das Gedankenkarussell mal still. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Notizbuch ihr ständiger Begleiter.

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