Fashion, Trend
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Dress Me Monday | The lilac Zebra with a French attitude

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Bluse – & other Stories | Girlfriend-Jeans – BDG via Urban Outfitters | Tasche – Saint Laurent via Farfetch | Boots – Saint Laurent via Net-a-Porter

Ich weiß nicht, was es genau ist, das die Französinnen weltweit so anziehend macht. Die vielen, vielen Klischees die Caroline de Maigret kürzlich in ihrem Buch „How to be a Parisian“ beschrieben hat, sind es meiner Meinung nach jedenfalls nicht. Zumindest nicht in dieser herablassenden Plakativität. Auch wenn sie selbst offenkundig so französisch ist, dass wir ihr erst einmal glauben wollen. Aber das soll an dieser Stelle nur eine Randnotiz sein. Nur worin liegt dann eigentlich der Reiz? Lässt der sich überhaupt genau benennen? Vielleicht ist es nämlich auch genau diese angreifbare wage Aura, die uns an „les Femmes française“ so sehr fasziniert. Versuchen wir uns dem trotzdem einmal anzunähern:

In Frankreich hat man sich auch in unserer hektischen, von Kommunikation getriebenen Welt etwas ganz bestimmtes bewahrt, eine Art Charme, gepaart mit Etikette und unaufgeregter Non-Chalence, die in so vielen anderen Kulturen und Städten längst verpufft scheint. „Laissez-faire“ ist eine Art Lebenseinstellung, die so direkt formuliert wohl maximal noch in der chinesischen Philosophie auftritt. Gemeint ist damit, die Dinge einfach passieren zu lassen, statt sie gewollt zu forcieren. Ein schöner Gedanke, der dazu einlädt, den Dingen endlich wieder einmal entspannter gegenüberzutreten. Das fällt spätestens auch dann immer wieder auf, wenn anlässlich der Modewoche alle Augen nach Paris blicken, wo allein stilistisch die Sphären unzensiert aufeinandertreffen. London zum Beispiel ist meistens laut, manchmal auch ein wenig schrill. Hier geht um Trends, um Farben um das lustvolle Spiel mit dem Neuen. Der Punk liegt den Leuten hier im Blut, auch wenn er heutzutage längst nicht mehr die radikale Verweigerungshaltung von früher ist. New Yorker dagegen haben stets das Business im Auge – auch in Sachen Mode. Hier geht es viel um Casual und Tragbarkeit und vor allem um „success“. Du bist ein Label, dass erst dann richtig läuft, wenn die Geldmaschine rattert. Zu viel Chichi scheint da schlichtweg fehl am Platz. Kommen wir zu Berlin, Deutschlands Modestädtchen und, glaubt man den aktuellen Trend-Prognosen, „the current place to be“. Hier schwingt noch immer das mit, was die Stadt einst auszeichnete: Die Liebe zur Hässlichkeit. Der Berliner Stil ist einer, der bequeme Turnschuhe schmucken High Heels vorzieht. Einer, der bloß nicht danach aussehen will, als sei er von Kopf bis Fuß durchinszeniert – selbst wenn er das in den meisten Fällen ist. Die Stadt selbst mag ihrem roughen Charme allmählich entwachsen, die Mode ist hier längst noch nicht dazu bereit – zumindest, wenn es nach dem tatsächlichen Bild auf der Straße geht.

Und so ließe sich das Spiel weiter durchexerzieren durch eine Vielzahl an Metropolen und solche Städten. Mit mal mehr, mal weniger Klischees, aber doch immer einem pikanten Fünkchen Wahrheit. Was ich meine ist, denke ich, allerdings klar. Kommen wir also zurück zu Frankreich und genauer, Paris. Die Französin liebt Mode, gleichzeitig scheint sie all der Hype darum nicht die Bohne zu interessieren. Während andere sich Labels auf die Brust schreiben, bevorzugt sie Understatement, klare Formen, schlichte Eleganz und bloß nicht zu viel Körper-Betontheit. Schon Brigitte Bardot und Jane Birkin machten einst vor, wie schön bis erotisch das Männerhemd den weiblichen Körper umspielen kann. Gleichzeitig ist Nacktheit für die meisten Franzosen etwas völlig Normales. Hier wird kein Fass aufgemacht, wenn mal ein Nippel durchblitzt. Genauso wenig interessiert es die Menschen, ob das Make-up perfekt sitzt, der Körper völlig enthaart ist oder Smoothies gesünder sind als Eclairs. Hier geht es vielmehr um Genuss, um die gesunde Liebe zur Natürlichkeit. Oder anders ausgedrückt: Ich bin der festen Überzeugung, dass sie Bewohner Frankreichs eines der wenigen Völkchen auf diesem durchoptimierten Planeten sind, die noch immer wissen, Menschsein mit allen Ecken und Kanten ist.

Am Ende macht genau das wahrscheinlich den größten Reiz aus. Es ist ein Stück weit wie die Erinnerung an eine Zeit, in der Aura mehr war, als Instagram-Klickzahlen. Passend dazu auch der heutige Look, um die Woche sozusagen genau unter dieses Credo zu stellen. Eine legere Hemdbluse, dazu eine schlichte Blue Jeans im Girlfriend-Style sowie Accessoires von jenem Modehaus, dessen einstiger Gründer und Schöpfer das Stilgefühl der Pariser Damen, wie kaum ein anderer Geprägt hat, (Yves) Saint Laurent.

Et voilà, bonne semaine.

Kategorie: Fashion, Trend

von

Laura Sodano

FOUNDER & EDITOR IN CHIEF // Lebe lieber ungewöhnlich // Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Für die einen Schizophrenie par exellence, für diese Dame aber ganz normaler Alltag. Frei nach dem Motto, Gegensätze ziehen sich an, verzücken Laufstegbilder und Editorial Shoots Laura ebenso wie die 100. Neuauflage eines Susan Sontag Essays. Bücher und Mode sind ihre Schwäche, Film, Kunst und Kultur das Terrain auf dem sie heimisch ist. Die gebürtige Frankfurterin redet oft schneller, als andere denken. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit Wörtern ihre Waffe. Selten steht das Gedankenkarussell mal still. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Notizbuch ihr ständiger Begleiter.

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