Fashion, Trend
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Dress me Monday | Schuluniform trifft Overknees

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Overknee-Stiefel – MANGO (Variante in Lack hier) | Wollrock – COS | Strickpullover „Deborah“ – Acne Studios (Variante in Schwarz hier) | Kragen – Seulement en Detail

Als Kind hatte ich einen ungemeinen Faible für Internatsgeschichten – vornehmlich solche aus dem englischen Raum. Unsere Stadtbücherei war damals voll mit den Geschichten der Zwillinge Hanni und Nanni oder der quirligen Dolly, die auf Burg Möwenfels zwar anfangs keinen leichten Start hat, dann aber gar nicht mehr weg will. Wie gerne wollte ich damals zeitweise selbst aufs Internat. Nur die Sache mit dem Zimmer teilen behagte mir so gar nicht. Das ist übrigens noch heute so. Später wurde die Passion für Mädchen-Abenteuer auf britischen Internaten dann durch einen tiefgreifenden Faible für Japan sowie – ja ich oute mich hiermit ganz offiziell als Nerd – Anime und Mangas. Noch cooler als die Mädels in den blauen Blazern waren nämlich die Powergirls mit den riesigen Kulleraugen und Matrosen-Ensembles. Mit Sailor Moon begann alles, es endete in detailliertem Insidertum und Importbestellungen aus Fernost.

So unterschiedlich beide Welten auf den ersten Blick erscheinen mögen, eine Sache haben sie am Ende aber doch gemeinsam: Die Schuluniformen – und die verfolgen mich bis heute. Egal ob die Kombination von Faltenrock mit Blazer, mit Matrosenhirt oder mit Oversize-Strickpullover, dazu noch Kniestrümpfe, Brogues oder Loafer und eventuell sogar noch eine Schleife: Fertig ist ein Look, der seit eh und je einen ganz besonderen Reiz auf mich ausübt. Vor allem, was die Variante Pullover und Rock angeht. Dabei geht es aber nicht, wie einige jetzt vielleicht denken mögen, um irgendeine Art von Fetisch. Leider ist das Ganze ja in den meisten Köpfen doch sehr vorbelastet und ich möchte darüber jedes Mal wieder entnervt mit den Augen rollen. Es ist vielmehr diese Ästhetik, die wie irgendetwas zwischen unendlich bequem und elitär-schick wirkt. Gar nicht erst davon zu sprechen, wie kreativ Schüler darin werden, ihre Individualität zu unterstreichen, wenn die Basis erst einmal für alle gleich ist. Das erscheint mir schon allein aus soziologischer Sicht unheimlich spannend.

Spätestens in diesem Herbst/Winter hat die Mode den Uniform-Look für sich entdeckt. Schmucke Blazer, zarte Plisseeröcke, ausgestellte Woll-Skirts oder eben übergroße Strickpullover, die Palette ist groß und wird von Labels wie Retailern mal als Brit-Chic mal als College-Look deklariert. Die Quintessenz aber bleibt, abseits der Benennung irgendwie die gleiche: Wir Erwachsenen dürfen nach langer Zeit endlich selbst (wieder) in die Klamotte unserer Kindheitsheldinnen schlüpfen. Eine Neuerung gibt es dann aber doch: Statt Kniestrümpfe tragen wir zum Look nämlich ab sofort hautenge Overknee-Stiefel. Die kommen nämlich pünktlich zum kalendarischen Kälteeinbruch auch ganz offiziell wieder aus ihrer stilistischen Nische gekrochen und werden, wie in den Vorjahren auch 2016 alltagstauglich. Ob ich in diesem Jahr selbst die Probe aufs Exempel mache? Ich bin mir noch nicht ganz sicher. Das Exemplar trudelte jedenfalls am Wochenende mit der Post ein und wartet nun geduldig im Karton auf meine Entscheidung.

In diesem Sinne: Happy Monday!

 

Kategorie: Fashion, Trend

von

Laura Sodano

FOUNDER & EDITOR IN CHIEF // Lebe lieber ungewöhnlich // Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Für die einen Schizophrenie par exellence, für diese Dame aber ganz normaler Alltag. Frei nach dem Motto, Gegensätze ziehen sich an, verzücken Laufstegbilder und Editorial Shoots Laura ebenso wie die 100. Neuauflage eines Susan Sontag Essays. Bücher und Mode sind ihre Schwäche, Film, Kunst und Kultur das Terrain auf dem sie heimisch ist. Die gebürtige Frankfurterin redet oft schneller, als andere denken. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit Wörtern ihre Waffe. Selten steht das Gedankenkarussell mal still. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Notizbuch ihr ständiger Begleiter.

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