Look, Want
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Dress me Monday | Casual Retro

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Jacke – GANNI | T-shirt – via Etsy oder via NASA Shop | Minirock – MANGO | Sneakers – adidas (via Zalando) – Tasche – A.P.C.

Es gibt Kleidungsstücke, die verfolgen mich gedanklich, kaum dass sie zum ersten Mal durch mein Sichtfeld gerauscht sind. Bei dem schlichten, grauen NASA-Shirt handelt es sich um ein solches Exemplar – und damit stehe ich definitiv nicht alleine. Das zeigt sich spätestens, wenn man auf Instagram die Hashtags #nasa, #nasashirt und #nasatee eingibt. Eigentlich völlig bescheuert, wenn man einmal darüber nachdenkt, wie lange dieses Stückchen Textil schon existiert, ehe es in den Fokus modischer Begehrlichkeiten gerückt ist. Noch vor Kurzem hätten wohl maximal Nerds und Weltraumfans beim Anblick des so markanten blau-weiß-roten Logos auf der Brust feuchte Finger bekommen, aber doch nicht Modemenschen. Wie gesagt, bisher.

Denn von Zeit zu Zeit landen Elemente der Subkultur mit einem Schlag im Mainstream oder flattern über den eigenen Tellerrand hinaus in eine andere Peergroup. Das kannte schon der Rock n´Roll, beim Grunge war es nicht anders und Punk wie Gothic beweinen wahrscheinlich noch heute den Ausverkauf ihrer Werte. Waren Subkulturen früher aber meist noch klar abgesteckt, erscheinen ihre Grenzen heute zunehmend fließend und eine grundlegende Kategorisierung wird immer schwerer. Zusätzlich sorgen immer schnellere Kommunikationsstrukturen dafür, dass einzelne Elemente schneller als Trends in den Mainstream hinüber schwappen, als es noch vor ein paar Jahren der Fall gewesen wäre. Ob das gut oder schlecht ist, darüber möchte ich an dieser Stelle zwar nicht pauschal urteilen, die Tendenz geht aber eher zum “ohje” statt dem “jucheee”.

Aber zurück zum Thema: Mode ist ein Phänomen, das wie kein anderes von äußeren Einflüssen und temporären Strömungen lebt und natürlich sind auch hier am Ende eher diejenigen, die neue Trends finden und eine Vorreiterrolle reinnehmen, die eben nicht nur auf schöne Optik und ein glattgebügeltes Image setzen. Oder anders ausgedrückt: Auch in so manchem Modemenschen steckt tief drin ein kleiner, ziemlich ausgeprägter Nerd – und das ist auch verdammt gut so. Erst wer die Besonderheit im vermeintlich Alltäglichen erkennt, dessen Geist ist auch offen für das Andere – naja oder zumindest so ähnlich.

2016 äußert sich das vor allem im kunterbunten Clash verschiedener Epochen. Da werden die 70s munter mit den 60s gemischt. Zum Disko-Hippietum gesellt sich dann noch eine Brise 80er-Flair und wem das Ganze jetzt zu leicht, der klopft noch fix bei den 90ern oder den frühen 2000er Jahren an, ob die noch etwas Passendes in der Kleiderkiste haben. Manche mögen das als den großen Verfall von Wertigkeit sehen bzw. jenen Moment, indem der Stil vollends die Herrschaft über den Inhalt übernommen hat. Wer sich aber mit dem kleinen aber feinen Wörtchen “Retro” etwas genauer beschäftigt, der wird bei Gleichgesinnten wohl ziemlich schnell erkennen, dass er es hier mit einer liebevollen Hommage an vergangene Zeiten zu tun hat. Denen die Realität – über dessen inhaltliches Potenzial wir übrigens dringend noch mal reden müssten – längst nicht das Wasser reichen kann.

Kategorie: Look, Want

von

Laura Sodano

FOUNDER & EDITOR IN CHIEF // Lebe lieber ungewöhnlich // Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Für die einen Schizophrenie par exellence, für diese Dame aber ganz normaler Alltag. Frei nach dem Motto, Gegensätze ziehen sich an, verzücken Laufstegbilder und Editorial Shoots Laura ebenso wie die 100. Neuauflage eines Susan Sontag Essays. Bücher und Mode sind ihre Schwäche, Film, Kunst und Kultur das Terrain auf dem sie heimisch ist. Die gebürtige Frankfurterin redet oft schneller, als andere denken. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit Wörtern ihre Waffe. Selten steht das Gedankenkarussell mal still. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Notizbuch ihr ständiger Begleiter.

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