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Dress me Monday | Business Woman

Dress monday Business woman

Bilder via Instagram @merkellooks und @hillarylooks

Bei der lieben Janet von Sans Mots stolperte ich kürzlich über einen Beitrag zu einem Instagram-Account, der sich den Looks von Kanzlerin Angela Merkel verschrieben hat. Eigentlich war es ohnehin ja nur eine Frage der Zeit, bis das hippe Internet die Tatsache entdeckt, dass an der Spitze des Landes eine Frau steht und dass es daher höchste Zeit sei, diese auch mal im Hinblick auf ihren Style zu untersuchen. Wir wollen doch schließlich keine Rollenbilder untergraben. Außerdem ist Wahlkampf und auch das bringt auf die ein oder andere Weise Publicity, wenn nicht sogar vielleicht die Stimmen der ein oder anderen Geschlechtsgenossin. Doch so einfach verhält es sich insgesamt zum Glück doch nicht. Zumindest nicht, wenn man das Ganze im Kontext von Macht und Weiblichkeit sieht, auf den auch Janet in ihrem Artikel verweist.

Aufhänger bei ihr bildet eine Talkrunde bei Markus Lanz, in der dieser seine Gäste dazu befragt, wie viel Frau sie – und damit stellvertretend auch das Saalpublikum sowie die Zuschauer vor den Bildschirmen  – in der Bundeskanzlerin sähen. Bäm! Damit haben wir sie wieder auf dem Tisch: Jene Debatte, die brandaktuell scheint und die auch hier schon desöfteren angeklungen ist. Es geht um die Frage, wie viel Weiblichkeit verträgt die Berufswelt. Eine Berufswelt jenseits von Modelbusiness und Schauspielerei, wo Weiblichkeit wiederum derart hoch bewertet ist, dass sie nicht selten ins exakte Gegenteil umschwingt, wenn sie Hyperfeminisierung und -sexualisierung feiert, als gäbe es kein morgen. Wir könnten es also auch polemischer formulieren und fragen, wie viel Weiblichkeit verträgt Macht?

Offensichtlich nicht allzu viel. Von der Politik bis zum Vorstandsbüro müssen Frauen auch heute noch mit zahlreichen Vorurteilen kämpfen, was ihr Geschlecht betrifft. Eine scheinbar logische Folge. Jahrhundertelang bläute man uns ein, Frauen seien emotional und damit tendenziell labil. Rationales Denken fiele ihnen dagegen schwer, ganz abgesehen von der körperlichen Unzulänglichkeit im Vergleich zum Mann. Käme es zum Zweikampf, es fehlte ihr schlichtweg an Kraft. Wer möchte so jemanden also schon als Chef über sich sitzen haben. All diese Eigenschaften sind allerdings in erster Linie das Resultat kultureller Erziehung. Bei ihnen handelt es sich um Stereotypen und Rollenbilder, die uns von kleinauf antrainiert werden und in die wir oft unbewusst hineinwachsen ohne sie aktiv zu hinterfragen.

Was übrig bleibt, ist die Notwendigkeit für Frauen, sich in Businessthemen anderweitig zu behelfen. Für L´Officiel schrieb ich kürzlich einen Beitrag zum Comeback des Blazers. Darin ging es auch um den Ursprung des sogenannten Powersuits. Den kreierte Armani in den 80er Jahren, weil seine Schwester verzweifelt nach einem Outfit suchte, um den männlichen Kollegen optisch Paroli bieten zu können. Et voilà, die Abkehr vom Weiblichen wurde zum kraftstrotzenden Sinnbild der Businessfrau, in Szene gesetzt durch breite Schultern und das Kaschieren der Taille. Nach diesem Prinzip funktioniert Businesskleidung auch heute noch. Hose statt Rock lautet die Devise, Dazu ein kastenförmiges Jackett, schließlich bleibt das Jäckchen der reichen Ehegattin vorbehalten, die Absätze nicht zu hoch und vor allem: den Ausschnitt nicht zu tief. Wie schockierend sich das auf die Masse auswirken kann, sahen wir ja schließlich nur zu gut, als Angela Merkel es sich doch einmal erlaubte, feminin im Kleid über den roten Teppich der Wagner Festspiele zu schreiten. Welch ein Skandal, das Frau Dekolleté zeigt, oder vielmehr, dass die Kanzlerin eine Frau ist? Die Berichterstattung schien daraufhin tagelang kein anderes Thema zu kennen. Wow!

Halten wir also fest: Weiblichkeit scheint ein Problem, sobald es in den Bereich geistiger Führungskraft geht. Das traut man dieses Geschlecht irgendwie schlichtweg nicht zu. Und wie sollte man auch, solange das Frausein medial derart offenkundig mit Oberflächlichkeit und Naivität verknüpft bleibt. Aber das ist ein anderes Thema.

Ganz so kampflos geben sich die betroffenen Frauen dann aber zum Glück doch nicht geschlagen. Angela Merkel zum Beispiel, hat es sich längst zum Prinzip gemacht, farbenfrohe Kostüme bei öffentlichen Auftritten zu tragen. Etwas, was ihren männlichen Kollegen weitgehend verwehrt bleibt, und weshalb sie auf Fotos auch immer besonders hervorsticht. Auch das ist Marketing. Ähnlich verfährt in den USA Hillary Clinton. Auch hier gibt es übrigens einen entsprechenden Instagram-Account. Haben wir sie bei ihrer Kandidatur zur Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika jemals in klassischem Schwarz erlebt? Ich erinnere mich jedenfalls nicht daran. Und das ist auch gut so, um an dieser Stelle im politischen Boulevardjargon zu bleiben.

Subtilen Verhaltensweisen kommt man schlussendlich wohl am besten bei, wenn man sie auf genauso subtile Weise unterwandert. Indem die genannten Damen, sowie einige andere ihrer Kolleginnen, Farbe für sich einsetzen, bringen sie ein Stück Weiblichkeit zurück aufs politische Parkett und rücken sich selbst damit gleichzeitig gekonnt im Fokus der Aufmerksamkeit. Die Herren bilden die trübe Masse, in der Mitte aber thront leuchtend eine Frau. Besser könnte das Theater es nicht inszenieren. Und wenn am Ende ein simpler Instagram-Account uns daran erinnert, dass auch die aktuelle Bundeskanzlerin dieses Landes eine Frau ist, eine die durchaus auch mal “trendy” unterwegs war, dann kann das im Prinzip gar nicht so schlecht sein. Politisch durchgesetzt hat sie sich ja bereits – ganz abgesehen von einem Doktortitel in Physik. Nicht nur auf die europäischen Männer an der Macht scheint das dann doch irgendwie Eindruck zu machen. Weiblichkeit hin oder her.

Kategorie: Fashion, Trend

von

Laura Sodano

FOUNDER & EDITOR IN CHIEF // Lebe lieber ungewöhnlich // Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Für die einen Schizophrenie par exellence, für diese Dame aber ganz normaler Alltag. Frei nach dem Motto, Gegensätze ziehen sich an, verzücken Laufstegbilder und Editorial Shoots Laura ebenso wie die 100. Neuauflage eines Susan Sontag Essays. Bücher und Mode sind ihre Schwäche, Film, Kunst und Kultur das Terrain auf dem sie heimisch ist. Die gebürtige Frankfurterin redet oft schneller, als andere denken. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit Wörtern ihre Waffe. Selten steht das Gedankenkarussell mal still. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Notizbuch ihr ständiger Begleiter.

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