Look, Want
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Dress Me Monday | Blumenkinder

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Bluse – WEEKDAY | Jeans mit Rüschen – ASOS | Schuhe – Zara | Tasche – Chloé via Net-a-Porter oder via Farfetch | Lippenstift – M.A.C. via Douglas (Farbton: Lady Danger)

Im Moment verspüre ich immer öfter den Wunsch, mich in bester Blumenkind-Manier barfuß und gehüllt in ein herrlich leichtes Walle-Walle-Kleid ins Gras zu fläzen, die Augen dem Himmel zugewandt, wo butterweiche Wattewölkchen vollkommene Ruhe verbreiten. Sozusagen eins sein mit der Natur, fern ab all der Ungereimtheiten, die da in der Welt aktuell so vor sich gehen.

Als Person, die Mode nicht nur vom rein ästhetischen Standpunkt betrachtet, glaube ich auch nach all den Jahren in der Branche noch immer fest daran, dass auch so etwas offenkundig oberflächliches wie Design stets seinen sozialen wie politischen Ursprung hat oder mindestens stark von der eigenen Umwelt beeinflusst ist. Die Geschichte hat dafür immer wieder die besten Beispiele geliefert, da braucht man sich nur einmal die Entwicklung der Kleidung nach der französischen Revolution anzuschauen oder auch die nicht ganz unkritische Geschichte des Pali-Tuchs. Auch unsere aktuelle Liebe zum Style der 70er kommt wohl nicht von ungefähr. Damals brodelte es politisch wie gesellschaftlich gewaltig unter der Oberfläche. Der Vietnamkrieg, die Auseinandersetzung mit den Taten der eigenen Eltern, sexuelle Revolution und weibliche Emanzipation: nichts schien mehr so, wie es mal war und die Menschen zog es im Kampf für ihre Rechte nur zu gerne auf die Straße.

Und heute? Terrorismus und Kapitalismus bedrohen Existenzen, Europa steht zunehmend auf einem wackeligen Konstrukt, was eine neue Rechte auch prompt dazu nutzt, von Deutschland über Frankreich und England bis in die Türkei die Macht für sich beanspruchen zu wollen. Oder anders gesagt: Die Krise klopft längst an die eigene Haustür und lässt sich nicht mehr länger abtun, als etwas, mit dem ausschließlich die anderen zu kämpfen haben. Irgendwie scheint es höchste Eisenbahn, sich das alles endlich selbst einzugestehen und vielleicht sollten wir den Blumenkindern nicht nur optisch nacheifern, sondern uns auch inhaltlich mit dem Konzept von “Make Peace not War” mal etwas eingehender beschäftigen. Frei nach dem Motto: Besser spät als nie.

Kategorie: Look, Want

von

Laura Sodano

FOUNDER & EDITOR IN CHIEF // Lebe lieber ungewöhnlich // Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Für die einen Schizophrenie par exellence, für diese Dame aber ganz normaler Alltag. Frei nach dem Motto, Gegensätze ziehen sich an, verzücken Laufstegbilder und Editorial Shoots Laura ebenso wie die 100. Neuauflage eines Susan Sontag Essays. Bücher und Mode sind ihre Schwäche, Film, Kunst und Kultur das Terrain auf dem sie heimisch ist. Die gebürtige Frankfurterin redet oft schneller, als andere denken. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit Wörtern ihre Waffe. Selten steht das Gedankenkarussell mal still. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Notizbuch ihr ständiger Begleiter.

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