Fashion, Trend
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Dress me Monday | Auf dünnen Stöckeln

Sock Heels-Pfennigabsatz_Header habits

weiße Overknees von Off-White via mytheresa | rote Sock Hebels von H&M | pinkfarbene Stock Heels von Topshop | Booties mit Print von Balenciaga via mytheresa | weiße Lederstiefeletten von H&M | violette “KITTY” Overknee-Heels von ASOS | rote Overkneestiefel mit Stretch von Mango

Es war etwa zu Beginn der 2000er Jahre. Sex and the City lief als die “series to watch” im deutschen Fernsehen und ich war in einem Alter angekommen, in dem ich endlich alt genug schien, wie Carrie und Co. nun auch meinerseits in hohen Absätzen durch die Welt zu stöckeln. Das tat ich denn auch. Ebenso wie meine Freundinnen, deren Freundinnen und die meisten anderen weiblichen Wesen auf dem Schulhof. Anders ausgedrückt: Absätze waren das tollste, das Frau und die, die es noch werden wollte, an den Füßen tragen konnte. Und je dünner die waren, desto besser. Vom Finger breiten Steg bis hin zum Pfennigabsatz par excellence. Das waren die Must Haves der Stunde. Unter fünf Zentimeter ging nichts, acht war die Regel, an zehn trauten sich nur Expertinnen ran oder solche, die bereits Zugriff auf ein Auto hatten und entsprechend wenig laufen mussten. Ich erinnere mich daran, auch für die obligatorischen 5-Zentimeter-Schuhe immer mindestens zwei Paar abgelatschte aber ziemlich praktische Ballerinas im Beifahrerfußraum herumzukutschieren. Frei nach dem Motto “safety first”, anders hätte ich es mir nicht zugetraut Gaspedal, Kupplung und Bremse verkehrssicherheitstauglich zu bedienen. Wie verrückt das alles im Nachhinein doch erscheint und mindestens auch genauso umständlich. Stattdessen hätten wir einfach auch alle unsere geliebten Chucks und Dockers anbehalten können, mit denen wir ohnehin viel lässiger wirkten. Das wird spätestens beim Betrachten alter Fotos klar. Doch Pustekuchen, ganze Armaden motivierter Hobbylolitas hielt seinerzeit nichts davon ab nach langen Jahren in klobigen Skater-Schuhen durch feminine Filigranität zu glänzen, oder sagen wir besser durch barbiehafte Tussitüden. Wenn besagter Schuh dann auch noch vorne spitz zulief, hatte man endgültig alles richtig gemacht.

Wie es aber nun einmal mit Trends so ist, haben sie alle eine gewisse Halbwärtszeit und so landeten auch diese einstigen Lieblingsobjekte irgendwann in der hinteren Ecke Schranks oder wanderten gar in die Altkleidertonne, wo man sich fest vornahm, nie niemals nicht wieder solche hässlichen Dinge an die Füße zu lassen. Als Mahnmal oder vielleicht auch nur aus Sentimentalität konservierte ich mir daheim ein paar edle, schwarze Lederstiefeletten, die in etwaigen Aufräumanfällen immer mal wieder zum Vorschein kamen, von denen ich mich aber trotz offenkundiger Hassliebe einfach nicht trennen konnte. Und während ich jedes Mals aufs Neue einerseits entnervt bis angeekelt auf die schmalen Absätze starrte, hoffte ein anderer winzig kleiner Teil in mir, dass die eigentlich doch recht schicken Treter irgendwann einmal ein Comeback feiern würden.

2017 stehen nun endlich alle Zeichen auf Wiederkehr. Mit einem Mal tummeln sich auf den Laufstegen die Pfennigabsätze und spitzen Zehen zuhauf – Powerdressing und 80s Puffärmeln sei Dank. Und wenn erst einmal der richtige Designer die Dinger inszeniert, wird der Rest praktisch zum Selbstläufer. Demna Gvasalia, seines Zeichens kreativer Kopf hinter Vetements und Balenciaga und ohnehin ja längst eine Trendmaschine, kreierte nicht nur für sein eigenes Haus, sondern auch für das spanische Traditionslabel jene eng anliegenden Overknees, die den Stein schließlich endgültig ins Rollen brachten. Runwaybilder und Editorials mit hüfthohen Stöckelschuhen in knalligem Pink, Violett und Grün lösten in Windeseile einen regelrechten Hype aus, sodass pünktlich zum Saisonwechsel auch die großen Ketten mit entsprechender Budget-Buy Variante aufwarten. Von H&M über & other Stories bis hin zu Mango, Zara, Topshop und ASOS: Pfennigabsätze und sogenannte Sock Heels so weit das Auge reicht – mal in lässiger Bootie-Version, mal als Strumpfhosen ersetzende Overknees. Knallfarben nach dem Balenciaga-Vorbild gibt es ebenso zu shoppen, wie Modelle in gemäßigteren Tönen. Ganz mutige brechen gleich doppelt mit bestehenden Klischees und setzen zusätzlich zum schmalen Absatz auch noch auf die Farbe Weiß. Mir persönlich war die Ablehnung dieses Tons für Stiefel und Stiefeletten ja ohnehin schon immer ein Rätsel.

Und während ich auf das Paket mit zwei knallig roten Exemplaren vom Lieblingsschweden warte, nutze ich die Gelegenheit und krame daheim die alten Schühchen wieder aus dem Schrank. Nach ein paar wackeligen Schritten durch den wohnungseigenen Flur frage ich mich allerdings wirklich, wie ich in den Teilen früher überhaupt laufen konnte. Wahrscheinlich am Ende alles nur eine Frage der Gewöhnung und glücklicherweise dürfen es bei den aktuellen Modellen in der Regel ein paar Zentimeter weniger sein.

 

Sock Heels in Neonpink von & other Stories
Cremefarbene Heels von Gucci via Net-a-Porter
schwarze Stretch Heels von Mango
violette Booties von Mango
Sporty Rockoko Sock Boots von Fendi via Net-a-Porter
“Dana” Mules von Tibi via Net-a-Porter
lockere Overkneestiefel von & other Stories
High Heels in Signalrot von Balenciaga via Farfetch
schwarze Overkneestiefel von Mango
Sock Heels in Blau von Topshop
Sock Heels in Pink von Mango
Overkneestiefel in Pink von Topshop (ähnliche Variante hier)
rote Lack-Overkneestiefel von H&M
grüne Absatzstiefel mit Raffung von Zara
Balenciaga “Knife” Overkneestiefel von Balenciaga via Farfetch
Absatzstiefelette mit Raffung und Print von Zara

Kategorie: Fashion, Trend

von

Laura Sodano

FOUNDER & EDITOR IN CHIEF // Lebe lieber ungewöhnlich // Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Für die einen Schizophrenie par exellence, für diese Dame aber ganz normaler Alltag. Frei nach dem Motto, Gegensätze ziehen sich an, verzücken Laufstegbilder und Editorial Shoots Laura ebenso wie die 100. Neuauflage eines Susan Sontag Essays. Bücher und Mode sind ihre Schwäche, Film, Kunst und Kultur das Terrain auf dem sie heimisch ist. Die gebürtige Frankfurterin redet oft schneller, als andere denken. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit Wörtern ihre Waffe. Selten steht das Gedankenkarussell mal still. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Notizbuch ihr ständiger Begleiter.

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