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Dress me Mon… Tuesday | Pretending Like It Was Spring

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1. Pinkfarbener Rolli von Edited | 2. Loafers von Topshop (ähnliches Modell von Gucci hier) | 3. Lippenstift von & other Stories | 4. Ohrringe von & other Stories | 5. Top mit Spaghetti-Trägern von Weekday | Cropped Flared Jeans von Weekday (Modell in schwarz hier; ähnliche hier)

Vor ein paar Tagen postete ich ein Bild auf Instagram und schrieb spontan darunter jenen Satz, der nun oben die Headline ziert. Und siehe da, auf einmal war tief in meinem Herzen dieser kleine aber feine Wunsch geboren, dass ich jetzt an dieser Stelle sofort die Sonne auf der Haut spüren will. Blöd nur, dass der Wettergott da im Moment einen ganz anderen Plan zu haben scheint. Tja, mit dem „Habenwollen“ ist es schon so eine Sache. Bereits von Kindesbeinen an müssen wir – mal mehr, mal weniger schmerzhaft – lernen, dass dem Begehren Grenzen gesetzt sind. Nur weil wir uns etwas wünschen, bedeutet das nämlich noch längst nicht, dass wir es auch bekommen. Als Kinder konnten wir uns spätestens an diesem Zeitpunkt wahlweise schreiend auf dem Boden herumwälzen oder unsere Aufmerksamkeit mit einem Schnipp auf ein neues Objekt der Begierde lenken. Beide Gemütszustände waren oft nur einen Katzensprung voneinander entfernt und im Nachhinein kann man all den Eltern da draußen eigentlich nur wünschen, dass ihre Kinder der Kategorie der Aufmerksamkeits-Modulatoren angehören.

Im Erwachsenenalter wird die Nummer dagegen oft schon etwas schwerer. Das mag zum einen damit zusammenhängen, dass Erwachsene, die sich wild schreiend auf den Boden werfen, nur weil sie etwas nicht bekommen, eher für allgemeine Irritation sorgen. Vernunft kann wirklich ein Biest sein. Zum anderen drehen sich auch unsere Wünsche nicht mehr länger nur noch um Spielzeuge, Zeichentrickfilme und Süßigkeiten. Mehr und mehr drehen sich unsere Gedanken mit einem Mal auch um so ganz ungreifbar abstrakte Dinge wie Gesundheit, Liebe, finanzielle Sicherheit und allerlei Zukunftsgeplänkel. Wer könnte es uns verübeln? Irgendwann zwischen Calimero und Clerasil beginnen wir doch alle irgendwie, unser Leben zu planen, vom Später zu träumen und dabei zu hoffen, dass das alles irgendwie schon klappen wird. Und tatsächlich, in einigen Punkten werden wir wohl auch mit 100 noch verblüfft merken, dass harte Arbeit und ein wenig Fleiß uns ziemlich schnell ans gewünschte Ziel katapultieren und damit unsere Wünsche in Erfüllung gehen lassen können. Das sind aber meist nur die kleinen Dinge. Bei den großen treibt das Leben nur zu gern sein eigenes Spielchen. Wer kann sich schließlich schon einen Partner an die Seite backen, nur weil er oder sie gerne einen hätte? Und wer kann anders herum das bereits existente Individuum beiseite schieben, nur weil die Freiheit so verlockend scheint? Ähnlich steht es um die Faktoren Zeit und Glück. Zwar entwickeln wir im Lauf der Zeit durchaus einige Tricks, mit denen alles angenehmer wird, aber Hand aufs Herz: Wann haben wir es das letzte Mal geschafft, das Handy mehr als maximal einen halben Nachmittag aus dem Auge zu lassen, um stattdessen dem Gras beim Wachsen zuzusehen.

Es ist frustrierend, an die Grenzen des eigenen Willens zu geraten, hilflos dabei zuzuschauen, wie wir selbst nichts an unserer Situation ändern können. Ginge es nach mir, würde ich im Moment nur zu gerne einmal Urlaub von meiner eigenen Realität nehmen. Statt Schreibtisch und Regengrau wandelte ich verträumt durch sonnige Landschaften, wüsste morgens nicht einmal, was der Mittag bringt und das Telefon wäre längst ganz tief im Sand verbuddelt. Nur der Herzmann, der würde nicht abgeschoben werden, denn das ist einer der wenigen Punkte, in dem Wollen und Haben definitiv übereinstimmen.

In diesem Sinne: Pretending like it was spring!

Kategorie: News

von

Laura Sodano

FOUNDER & EDITOR IN CHIEF // Lebe lieber ungewöhnlich // Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Für die einen Schizophrenie par exellence, für diese Dame aber ganz normaler Alltag. Frei nach dem Motto, Gegensätze ziehen sich an, verzücken Laufstegbilder und Editorial Shoots Laura ebenso wie die 100. Neuauflage eines Susan Sontag Essays. Bücher und Mode sind ihre Schwäche, Film, Kunst und Kultur das Terrain auf dem sie heimisch ist. Die gebürtige Frankfurterin redet oft schneller, als andere denken. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit Wörtern ihre Waffe. Selten steht das Gedankenkarussell mal still. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Notizbuch ihr ständiger Begleiter.

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