Mind, People
Schreibe einen Kommentar

So war 2016 | Unser Jahresrückblick

habits_bye_bye_2016

Wie viel und was alles in einem ganzen Jahr alles passieren kann, das hat uns 2016 so nachdrücklich eingebläut wie kein zweites Jahr. Sogar bis auf die letzten Meter blieb es spannend und es kommt zugegeben doch recht selten vor, dass wir regelrecht die Tage zählen, bis ein Jahr bitte endlich zu Ende geht. Einen kleinen, sehr ernüchterten Einblick in das, was von den vergangenen zwölf Monaten bleibt, hat Laura ja bereits an dieser Stelle gegeben. Und selbst ich als geborene Optimistin ringe um Luft angesichts der Ereignisse und Tendenzen diesen Jahres. Doch um den Tod wahrer Ikonen, um Populismus, den Größenwahnsinn von Staatsoberhäuptern, Terrorismus und unser Leben im postfaktischen Zeitalter soll es hier nicht gehen. Laura und ich ziehen nachfolgend unser ganz persönliches Fazit eines Jahres, das auch privat einige Überraschungen bereithielt.

Laura | “Wer die Nadel im Heuhaufen sucht, muss das Heu manchmal in Brand setzen”

habits-jahresrueckblik_laura

2016, was für ein Jahr! Selten gab es wohl so viele Aufs und Abs wie in den letzten 365 Tagen. Dabei begann letztes Silvester eigentlich alles ganz ruhig und machte den Anschein, das Leben würde auch weiterhin im gewohnten Gang vor sich hintröpfeln. Dann starb David Bowie und die Welt – ich eingeschlossen – starrte versteinert auf die Displays und Screens um sie herum. Wenn Urgesteine unserer Kultur zum letzten Mal der Bühne betreten, ist das immer irgendwie ein Schock. Mit dem Mythos stirbt schließlich auch immer ein Teil der eigenen Vergangenheit. Oder anders ausgedrückt: Selten ist das Gefühl menschlicher Endlichkeit kollektiv greifbarer. Vielleicht war ich von da an sensibilisiert, vielleicht ging aber auch tatsächlich mit einem Mal alles Knall auf Fall. Gerade erst war die Tatsache verdaut, dass inzwischen beide der liebsten Freundinnen satte 500 km entfernt lebten, da verkündeten auch schon die nächsten Zwei den temporären Abgang nach Berlin und London. Alle verließen sie das Nest, entwickelten sich weiter. Und ich selbst? Irgendwie trat ich seit Jahren auf demselben Fleck herum. Zwar ein bequemes Fleckchen mit reichlich Sicherheitsgefühl, doch machte das auch wirklich glücklich? Machte mich das glücklich? Schließlich klopfte in diesem Jahr auch die große 30 an die Tür. Spätestens das schrie doch nach Weiterentwicklung. Zwar redete ich seit Jahren permanent davon, wenn ich aber wirklich ehrlich mit mir war, blieben das meistens leere Worte. Wie es im Leben eben oft so geht. Eine bittere und gleichzeitig lehrreiche Erkenntnis 2016. Während ich also nach wie vor unentschlossen herumdruckste, trafen schließlich andere für mich indirekt eine Entscheidung. Mit einem Schlag fühlte ich mich als Einzelkämpferin und tat daher das, was ich seit jeher am besten kann, wenn mich etwas bedrückt: Ich ackerte mir den Allerwertesten ab. Arbeit als Ventil für seelische Wehwehchen. Wieder einmal. Sobald es im Kopf anstrengend wird, kompensiere ich das mit Schreiben, Schreiben, Schreiben, wenn es sein muss bis zur völligen Erschöpfung. So bin ich. Gesund ist das nicht, aber für mich so etwas wie ein innerer Heilungs- und Reifungsprozess. Und der war in diesem Jahr dringend notwendig.

Wir leben in einer Zeit, in der uns alle Türen offen stehen, sozusagen das Mantra meiner Generation. Doch nur weil dem so ist, bedeutet das nicht auch gleichzeitig, dass wir wirklich alles mitnehmen müssen. Am Ende geht es darum, den eigenen Weg zu finden, Grenzen zu setzen und tief in sich hineinzuhören, was einem wirklich gut tut. Dazu hat mich 2016 mit all seinen Querelen gezwungen. Und das war mindestens so wichtig, wie es gut war. Wenn ich in den letzten Tagen, Wochen und Monaten eines gelernt habe, dann vor allem, dass es nichts bringt, immer die Nette und Rücksichtsvolle zu sein. Manchmal muss es richtig knallen, damit es vorangeht – persönlich wie beruflich. Pfeif auf die Angst und trau dich was! Jeder fürchtet das kalte Wasser, doch nur die Idioten bleiben deshalb versteinert am Strand stehen. Und siehe da, auf einmal wurden Träume war, an denen bisher immer das unbestimmte Label “irgendwann einmal” geklebt hatte. Das journalistische Schreiben nahm endlich Fahrt auf. Ich verbrachte einen Tag in der Redaktion von Edition F, malte mir für kurze Zeit aus, wie es wäre, den großen Umzug nach Berlin anzugehen. In meinem Portfolio tummelten sich auf einmal Medien wie ONYGO, L´Officiel und She´s Mercedes. Ich lernte eine ganze Schar spannender Menschen und Persönlichkeiten kennen, von denen mich so mancher wirklich tief beeindruckt hat. Das allein fühlte sich schon verdammt gut an. Als dann auch noch mein erster Beitrag im F.A.Z. Magazin erschien, war die Welt mit einem Schlag ein besserer Ort. Eine Doppelseite mit meinem Namen drauf, dazu ein Foto auf der Mitarbeiterseite. Beim Betrachten muss ich auch heute noch kichern wie ein kleines Mädchen.

Und was kommt 2017? Ehrlich gesagt, ich habe wenig Ahnung. Einige Veränderungen stehen mit Sicherheit ins Haus. Dafür sind die Weichen schon gestellt. In anderen Punkten heißt es Abwarten und Tee trinken. Davor fürchte ich mich, zugegeben, noch ein wenig. Doch was einen nicht umbringt… Insgesamt wurde durch den Kurztrip nach London meine Reiselust erneut geweckt. 2017 möchte ich mehr von der Welt sehen und insgesamt bewusster leben. Meine Arbeit wird immer eine große Passion und ein innerer Antrieb bleiben. Doch auch die innigste Liebe braucht manchmal Luft zu atmen. Deshalb soll vor allem an den Abenden der Rechner von nun an auch öfter mal ausgeschaltet bleiben. Stattdessen möchte ich mehr lesen, mehr sehen, mehr entdecken. Kultur gehört da ebenso dazu, wie die kleinen Faszinationen des Alltags. Pflanzen zu sammeln, hat sich allmählich zu einem waschechten Hobby entwickelt. Außerdem sollen meine Familie und meine Freunde mehr Platz in meinem Leben bekommen. Die haben es nämlich mehr als verdient wie sie 2016 mehr als bewiesen haben. Ich weiß, dass ich bei Weitem nicht immer einfach bin. Ich bin launisch, manchmal auch emotional bis dramatisch, ich bin oft laut, ein wenig exzentrisch und, wie liebe Menschen so schön sagen, manchmal ein kleiner Vulkan oder einfach nur “anders”. Trotzdem waren, sind und werden sie immer alle für mich da sein, unabhängig dessen, wo sie gerade in der Welt herum trudeln.  Und zu runden Geburtstagen reisen sie für dich sogar durchs halbe Land, damit der Tag auch wirklich das fulminanteste vom Fulminanten wird. Das ist ein verdammt gutes Gefühl! Und das möchte ich mindestens genauso zurückgeben. Was auch immer 2017 bringt, das kriegen wir alle schon gewuppt, wenn es sein muss, auf die harte Tour.

In diesem Sinne: Weniger Angst. Weniger Grübeln. Mehr machen.

2016 – das sind diese vier Bilder für mich:

… and for a short, little moment everything seems to be alright… #instamood #travel #upinthesky #offtolondon #sunrise

Ein von habits. | Laura Sodano (@_laurasodano) gepostetes Foto am

Off to London! Ein Kurztrip mit Mehrwert für die Seele.

A dream comes true.

Being arty. #mmk #Ausstellung #exhibition #aeö #opening #friday #weekend #art #satcgoesffm #ffm #frankfurt #nightwiththegirls #thegang

Ein von habits. | Laura Sodano (@_laurasodano) gepostetes Foto am

Support your local (Girl) Gang! Viel Liebe an dieser Stelle auch an Lena, Lola und Herrn S.

Heaven is a closet – in the best case combined with a huge library.

Lola | “Being independent may save your life”

habits_bye_bye_2016_lola

Der Satz “Being independent may save your life” stand auf einem kleinen Zettel, den ich am 1. Januar 2016 in einem Glückskeks, das neue Jahr betreffend, fand. Peinlich berührt und dabei doch angenehm treffend ertappt – befinde ich mich doch in ständigem Kampf mit mir, mittelgroßen Selbstzweifeln und einem Gefühl des Nicht-Gut-Genug-Seins – erkor ich dies zum Motto wie Projekt der kommenden zwölf Monate. Und tatsächlich stand dieses Jahr im Zeichen des Glückskekses und vor allem eines überraschenden Neubeginns, beruflich und davon tangiert auch mein Privatleben. Im April nahm ich meinen Job bei PRAG AGENCY an und arbeite seitdem in der Mode PR für einige meiner absoluten internationalen Lieblingslabels. Entsprechend drehte sich das Jahr vor allem um diesen Job, der mir zum Lebensmittelpunkt wurde. Nicht nur an den neuen Verantwortlichkeiten und Herausforderungen wuchs und wachse ich immer noch Tag für Tag, sondern auch an den Begegnungen und Reisen, die zu neuen Erkenntnissen führten. Eigentlich wollte ich nie in der PR arbeiten, vielmehr journalistisch tätig sein – inzwischen weiß ich, dass die PR mich viel glücklicher macht, weil sie noch vielseitiger und kommunikativer ist (wenn auch ich auf das Schreiben nicht verzichten kann und man künftig auch hier sowie auf L’Officiel, Material Girl und i-D weiterhin von mir lesen wird).

Manchmal sind dann dort, wo man es nicht erwartet, die besten Schätze vergraben. So habe ich 2016 eher nebenbei und überraschend die besten neuen Freunde überhaupt getroffen und auch die alten neu kennengelernt. Eine wichtige Erkenntnis dabei: Ohne gute Freunde ist auch der schönste Ort nichts wert. Und eine weitere Einsicht, die zum Jahresende kam: Gefalle nicht anderen, sondern dir selbst. Erst mit einem weihnachtlichen Besuch meiner Heimat habe ich realisiert, dass ich irgendwie schon immer anders war und deswegen vielleicht nicht so recht in die dörfliche, engstirnige Idylle hineingepasst habe. Das war oft ein Kampf. Aus diesem Grund bleiben die einen aber eben für immer auf gewohntem, begrenzten Terrain, was vollkommen in Ordnung ist, und andere breiten die Flügel aus und treten eine große Reise an. Und immer noch begleitet mich oft das Gefühl, nicht richtig “passend” zu sein, die Erwartungen anderer erfüllen und mich deswegen verstellen zu müssen. Doch wozu das alles? Denn dann verneine ich doch alles an Individualität, was ich habe, und bin noch dazu nicht um ein Haar authentisch, nicht ich selbst. Ich bin niemanden irgendetwas schuldig, nur mir selbst – wie befreiend!

Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal Paris besucht (so richtig, das Disneyland mit 13 Jahren zählt nämlich nicht), habe das erste Mal bei einer Fashion Show in Paris mitgewirkt und, fun fact, war endlich das erste Mal im IfZ in Leipzig. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass man LOL und HDL in Textnachrichten durchaus noch sparsam verwenden darf und auch Smileys in E-Mails manchmal schon in Ordnung sind. Ich war so viel unterwegs wie nie, in Stockholm, Kopenhagen, in der Toskana und auch das soll 2017 so weitergehen. Mehr Wochenendtrips, mehr Nichtstun und mehr Museen stehen auf dem Plan. Ich habe gelernt, dass auch der größte Erfolg nichts wert ist, wenn dein Herz nicht rein ist und in deinem Leben nicht viel mehr ist als Gossip. Dass ich doch hoffnungslos romantisch bin (oh je) und mit meiner Generation nicht ins Reine komme, bevor es nicht endlich um den Menschen an sich geht und nicht darum, was man sexuell gesehen von ihm bekommt und sich all das natürlich auch sofort nimmt. Vielleicht hat diese Einsicht das auch etwas mit Erwachsenwerden zu tun. Überhaupt musste ich dieses Jahr schnell erwachsen werden und das Ergebnis ist nun, dass ich lieber gute als billige Drinks zu mir nehme und das Konzept Restaurant & Bar ansprechender finde als das Konzept Bar & Club (ungeschlagen ist dennoch das Konzept Reisedokumentation auf Arte). Und dass ich mich in vielen Situationen viel zu alt fühle, da ich nun einmal eine der wenigen in meinem Freundeskreis bin, die einen richtigen und irgendwie auch eindrucksvollen Job hat. Davon erzähle ich aber nicht so gerne und nur auf Nachfrage, denn ich mag es immer noch nicht, im Mittelpunkt zu stehen. Ich habe gelernt, dass ich in vielen Situationen viel lockerer tue als ich tatsächlich bin (grundsätzlich bin ich eine sehr steife Person, die ganz gute Witze macht) und das kommt sicher auch vom Job. Das Wichtigste, das mir das Jahr gezeigt hat, ist aber, dass all das nichts zählt – sondern allein, dass es deiner Familie und deinen Freunden gut geht, denn Gesundheit und eine gemeinsame Zeit sind kostbar und keineswegs selbstverständlich. Aus diesem Grund möchte ich mich im neuen Jahr noch mehr darauf besinnen, alles andere ist doch zweitrangig. Mehr Familie, mehr gute Freunde, mehr Aufmerksamkeit, mehr Pilates, mehr Reisen, mehr Authentizität, mehr Unabhängigkeit.

Wo ist mein Glückskeks für 2017?

2016 – das sind diese vier Bilder für mich:

casual friday 4D | one night with toni garrn and @iamakatiegirl 👯

Ein von habits | Lola Froebe (@lola_loud) gepostetes Foto am

New Besties! Plus ganz viel Liebe an die alten Besties.

tuscany, we are coming! Ein von habits | Lola Froebe (@lola_loud) gepostetes Foto am


Jet Set vs. Yes we can!

alexander calder at louisiana.

Ein von habits | Lola Froebe (@lola_loud) gepostetes Foto am

More culture, less consumption! 

my kinda caspar david friedrich moment. Ein von habits | Lola Froebe (@lola_loud) gepostetes Foto am


Travel the world!

Last but not least – 2017 vor allem mehr davon:

habits_laura_lola_2016

 

Headerfoto: via tumblr.

Kategorie: Mind, People

von

Lola Fröbe

Das Köpfchen voller Mode – und dennoch Köpfchen? Eine Selbstverständlichkeit für die Dame, die seit jeher einen Hang zur Polarität kultiviert. Girlpower und Understatement sind die partners in crime. Lola kann sich mit den aktuellen Ready-To-Wear-Kollektionen ihrer skandinavischen und französischen Idole genauso stundenlang zufrieden aufhalten wie im Buchladen um die Ecke. Das Fräulein liebt Kopenhagen und Kafka, hat eine Schwäche für Männermode und schmissige Musikhits, ist aber auch für Kunst und Kitsch zu haben.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *