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Close Reading | Make Enemies & Gain Friends. Eine Design-Bibel mit Mehrwert.

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Wenn eine international erfolgreiche Design-Agentur sich daran macht, ihre Arbeit mitsamt ihres geistigen Know Hows zwischen zwei Buchdeckel zu pressen, ist das Ergebnis meist ein hübscher Bildband. Im Fall von Snask läuft das allerdings ein wenig anders. Die schwedische Design-Agentur, die international ohnehin schon längst als Erfolgsgarant und Enfant terrible der Branche gilt, hat für ihre „Biografie“ mit den alten Mustern rigoros gebrochen und mit „Make Enemies & Gain Fans“ ein bunt-knalliges Manifest veröffentlicht, das ganz klar eines zeigt: Wenn du die Welt verändern willst, musst du manchmal deine eigenen Spielregeln aufstellen!

Aber zurück zum Anfang: Die Geschichte beginnt 2007 in Carlisle in Nordengland. Magnus und Freddie, die Köpfe hinter Snask sind zu dieser Zeit noch einfache Studenten, die es aber schon damals lieben ihre Grenzen auszutesten und die Regeln zu brechen. Während das trockene Grafikdesign-Studium sie eher langweilt, beginnen die beiden Clubnächte zu organisieren und das Leben zu genießen. Am Ende darf Magnus nicht einmal seine Abschlussarbeit ausstellen, doch das interessiert ihn kaum. Noch im gleichen Jahr kehren die Jungs nach Schweden zurück, wo sie schließlich Snask gründen – was anfangs aber längst nicht so rund läuft, wie sie es sich erträumt hatten. Stattdessen ist das Konto leer, die Sorgen groß und am eines knapp fünfjährigen Wegs steht die bitte Erkenntnis und erst große Lektion: Dein Job kann deine Freundschaften ruinieren. Petter, der ursprünglich dritte im Bunde, steigt schließlich aus. Trotzdem machen Magnus und Freddie weiter. Sie holen sich Erik, ihren heutigen Production Manager, Jens, einen weiteren Kreativkopf und Carl Mikael, der auf Anhieb zum CEO der Firma erklärt wird, ins Boot und geben damit Snask endlich den Anstoß, den es braucht. Der Rest ist Geschichte. Eine pinke, oft laute und meist ziemlich unkonventionelle Geschichte, die die Stockholmer Agentur zu jenem global Player gemacht hat, die sie heute ist und der längst auch so hochrangige Institutionen, wie die Washington Post verfallen sind.

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Aber wen wundert das auch? Schließlich beherrschen die Jungs ihr Handwerk, keine Frage! Und obendrein scheinen sie auch ein ziemliches Gespür dafür zu haben, was es in Werbung und Co. heute wirklich braucht. Ihre Spots und Kampagnen sind keine 08/15 Beiträge, in der Unternehmen ihre Vorstellung vom klassischen Image um jeden Preis durchsetzen. Wer sich für Snack entscheidet, entscheidet sich für den Snask-Way of Visualization. Eine Entwicklung, die übrigens hierzulande Dank junger Unternehmen, wie Amorelie, Eis.de, und Überflieger.de allmählich auch endlich ankommt. Aber auch eingesessene Firmen, wie Edeka, Ebay oder Magnum haben mittlerweile diesen Kniff entdeckt – Jung von Matt lautet nicht selten hier der Ursprung dieser visualisierten Pathosgeschichten.

„Make Enemies & Gain Fans“ nimmt – das lässt der Titel schon erahnen – kein Blatt vor den Mund. Ungewohnt ehrlich, versammelt das Buch die Erfahrungen von Magnus und Freddie gebündelt auf Papier. Dabei scheuen sie sich nicht davor, vom eigenen Scheitern zu sprechen, völlig offen vom Kampf mit und gegen andere in einer knallharten Branche zu erzählen oder sich für besondere Erfolge manchmal fast schon ein wenig selbstverliebt auf die eigenen Schultern zu klopfen. Eben ganz dem Credo Snasks entsprechend. Dazwischen entfaltet sich auf unzähligen, bunten Farbseiten die visuell-explosive Strahlkraft ihrer Arbeiten. Und die endet nicht selten in der Farbe Pink, sozusagen der CI der Agentur.

Design-Kenner und -Liebhaber dürften in dem Buch wohl eine kleine „Design-Bibel“ finden, die sich allein schon wegen des Mettalic-Gold schimmernden Einbands ziemlich gut auf dem „Coffee Table“ macht. Doch auch für alle anderen, die sich (wie auch Lola und ich) täglich hochmotivert in den Meltin Pot der kreativ-angehauchten „Irgendwas mit Medien“-Branche werfen, dürften in dem Buch einen wahren kleinen Schatz entdecken. „Make Enemies & Gain Fans“ ist ein Plädoyer, wenn nicht sogar ein Manifest für den Mut die eigenen Träume zu verwirklichen, auch wenn man dabei manchmal mit dem Kopf durch die Wand muss. Hinter der manchmal flapsig bis lässig wirkenden Sprache verbirgt sich am Ende nämlich eine ziemlich große Portion Lebensweisheit, deren Pointe vor allem in zwei knallharten Fakten mündet: 1. Hab Spaß an dem, was du tust und genieß das in völlen Zügen. 2. Nimm dich selbst grundsätzlich nie zu ernst. Oder wie Snask es ausdrücken: „Pee on yourself. It will set you free“!

Die erste Auflage des Buchs ist bereits 2012 erschienen und war binnen eines Jahres weltweit ausverkauft. Der Nachfolger – die zweite, erweiterte Auflage – ist in Deutschland beim August Dreesbach Verlag erschienen, wo man seinerseits ein einzigartiges Händchen für die Perlen der Designwelt haben.

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Kategorie: Culture, Read

von

Laura Sodano

FOUNDER & EDITOR IN CHIEF // Lebe lieber ungewöhnlich // Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Für die einen Schizophrenie par exellence, für diese Dame aber ganz normaler Alltag. Frei nach dem Motto, Gegensätze ziehen sich an, verzücken Laufstegbilder und Editorial Shoots Laura ebenso wie die 100. Neuauflage eines Susan Sontag Essays. Bücher und Mode sind ihre Schwäche, Film, Kunst und Kultur das Terrain auf dem sie heimisch ist. Die gebürtige Frankfurterin redet oft schneller, als andere denken. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit Wörtern ihre Waffe. Selten steht das Gedankenkarussell mal still. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Notizbuch ihr ständiger Begleiter.

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