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Clarissa explains it all… vor allem die 90er

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Die 90er sind allgegenwärtig und, wie es scheint, werden wir sie in der nächsten Zeit auch nicht so schnell wieder los. Von RTL bis Pro7: Die TV-Sender haben sich auf das wilde und wohl bunteste Jahrzehnt unserer Geschichte eingeschossen – lange nachdem auch die Mode, die Aura von Grunge, Haarband und Co. wiederentdeckt hat. Und während die einen angesichts der Rückkehr von manch krudem Phänomen des letzten Vor-Millienium-Jahrzehnts erschreckt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, finde ich das alles soweit eigentlich ganz amüsant und herzerwärmend. Schließlich bin ich ein Kind der Neunziger und sehe mich angesichts aktueller Modetrends, Musik, Serien und Co. mit einem Schlag zurück in meine Jugend katapultiert – nur eben mit weniger Emotionskarussell, dank postpubertärer, eingependelter Hormone und so. Sind wir mal ehrlich, so sehr wir alle über die vermeintliche Geschmacksverirrung dieser Zeit schimpfen mögen, die 90er haben als letzte Epoche vor der großen Digitalisierung noch eine Greifbarkeit gehabt, die uns heute doch längst abhanden gekommen ist. Schließlich reden wir hier von einem Jahrzehnt, in dem die Jugend ein letztes Mal zur Revolte ansetzte, Techno und merkwürdige Dance-Moves ihres Blütezeit feierte und Clueless wie Clarissa so manchem Teeniemädel (über-)lebenswichtige Weisheiten fürs Leben mitgaben. Keine Frage es war ein buntes Jahrzehnt, ein manchmal etwas Verrücktes aber genau deshalb auch so liebenswertes. Die Welt war frei und wir waren es auch. Das Super Nintendo war die einzig wahre Spielekonsole und Handys waren überdimensional große Knochen, die sich, wenn überhaupt ohnehin nur, schwerreiche Börsenbroker leisten konnten. Wer telefonieren wollte, nutze das Telefon oder hatte für kurze Nachrichten einen Pager. Wie dem auch sei, früher war irgendwie alles besser – kennt man ja – und vor den 90ern gab es schließlich auch noch die grandios wilden 80er, die politischen 70er und die revolutionären, befreienden 60er. Doch das ist eine andere Geschichte.

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Eine Sache, die mich jedenfalls seit meinen frühen Jugendtagen verfolgt und für die ich die 90er gleichermaßen liebe, wie verteufle, sind ihre Outfits. So richtig losgekommen bin ich davon nie und will ich eigentlich auch gar nicht. Denn vor allem eine Dame hat seinerzeit mein Leben geprägt und auch heute bleibe ich nur zu gern bis 2 Uhr nachts unter der Woche wach, um mit ihr noch einmal auf Nick Night mitzufiebern: Clarissa, du warst und bist meine Heldin! Modisch wie gedanklich auf einer Wellenlänge (schließlich hatten wir beide den großen Wunsch, später einmal Journalistin zu werden), habe ich nicht nur meine Eltern genötigt, mein Zimmer in quietischigem Rosa zu streichen, selbst bin ich fortan nur noch in froschgrünen Strumpfhosen und anderen modischen Buntheiten durch die Welt gelaufen. Zugegeben, das war manchmal etwas wild und das ein oder andere Mal auch ziemlich daneben, aber ich war glücklich und feiere mich selbst noch heute ein wenig dafür. An dieser Stelle ein riesengroßes DANKE an dich, liebe Mama, dass du mich IMMER, wirklich IMMER in diesem Aufzug hast aus dem Haus gehen lassen. Aber auch an dich Clarissa, du fiktive Heldin, die so viel cooler ist, als jeder Disneystar oder Marvel-Superheld es je sein könnte!

Und da man sich, wie oben erwähnt, im Leben immer zwei mal begegnet, flimmerte mir kürzlich auch jenes absolute Habenwollen-T-Shirt meiner Jugend auf dem Bildschirm entgegen: das übergroße pinkfarbene T-Shirt mit dem schwarzen derben Boots-Aufdruck aus der Folge „Die Nacht des Grauens“ (engl.: Darling Wars). Oh, wie gern ich dieses Stück auch heute noch in meiner Garderobe hätte. Wer ein solches haben sollte oder Tipps für mich hat, wo ich eines herbekomme, ich wäre euch unglaublich dankbar. Designer, die sich an dieser Stelle übrigens genötigt fühlen, etwas Derartiges zu entwerfen, Bitte nur zu!

Bis dahin schwelge ich noch ein wenig weiter in Erinnerungen an meine Jugend, schaue Clarissa, so oft ich die Sendezeit im TV erwische und grummele fast ein wenig vor mich hin, dass das Mainstream-TV, die Privatheit meiner persönlichen 90er-Jahre-Gedankenwelt torpediert, indem sie diese kleine Büchse der Pandorra nun der breiten Öffentlichkeit zugänglich macht.

Kategorie: Mind, News, Think Aloud

von

Laura Sodano

FOUNDER & EDITOR IN CHIEF // Lebe lieber ungewöhnlich // Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Für die einen Schizophrenie par exellence, für diese Dame aber ganz normaler Alltag. Frei nach dem Motto, Gegensätze ziehen sich an, verzücken Laufstegbilder und Editorial Shoots Laura ebenso wie die 100. Neuauflage eines Susan Sontag Essays. Bücher und Mode sind ihre Schwäche, Film, Kunst und Kultur das Terrain auf dem sie heimisch ist. Die gebürtige Frankfurterin redet oft schneller, als andere denken. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit Wörtern ihre Waffe. Selten steht das Gedankenkarussell mal still. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Notizbuch ihr ständiger Begleiter.

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  1. Ich musste gerade herzlich lachen! Clarissa habe ich geliebt und wusste gar nicht, dass es wieder im Fernsehen kommt. Clueless ebenso – herrlich! Gebe dir in allen Punkten Recht! Liebste Grüße an dich und Lola aus London!

    xx

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