Alle Artikel in: Think Aloud

Think aloud_Avocado

Think Aloud | Von Perfektions- und Moralansprüchen

Vor Kurzem las ich ein einem Dossier in der Zeit, wie schädlich der Anbau von Avocados eigentlich für die Umwelt ist. Ausgerechnet jene Superfrucht, die in der westlichen Welt als Sinnbild für das bessere Leben steht, saugt derart viele Nährstoffe aus dem Boden, dass sie ihn danach nicht selten als Brachland zurücklässt. Von den Unmengen an Wasser, die in die Reifung einer einzelnen Frucht gepumpt werden müssen, ganz zu schweigen. Ebenso von den langen Transportwegen, die einen entsprechenden CO2-Ausstoß mit sich bringen. Kurzum: An der Avocado auf unserem Teller ist eigentlich nichts super. Schöner Mist. Meinen Konsum der grünen Frucht habe ich seitdem eingeschränkt. Das funktioniert ganz gut. Die Avocado komplett aus dem Kühlschrank zu verbannen, ist mir allerdings noch nicht gelungen und ich würde sogar behaupten, damit hatte der Beitrag noch immer mehr Affekt auf mich, als auf viele andere die ihn gelesen haben. Denn irgendwie ist es doch so: In der Theorie mögen wir zwar wissen, dass einiges, was wir in unserem Alltag verzapfen, nicht ganz koscher ist, doch ist die Praxis eben …

habits_katharsis_header mood

Think Aloud | Katharsis. Eine Annäherung

Ich schwebe. Die Veränderung hat mich kalt erwischt. Seitdem scheint nichts mehr wie es war und doch ist irgendwie alles gleich. Die Tage gehen dahin, man steht auf, arbeitet, wabert durch die Gegend und geht wieder Schlafen. Nicht mehr. Nicht weniger. Es geht mir OK aber eben nicht gut. Niemand ist gestorben und trotzdem fehlt etwas unheimlich – jemand fehlt unheimlich. So ist das aber nun einmal mit dem Leben. Wenn du etwas verlierst, kannst du dich wie ein Kleinkind auf den Boden schmeißen und lauthals brüllen. Ob das etwas bringt, wage ich zu bezweifeln. Entsprechend bleiben zwei weitere Möglichkeiten. a) Letagiere vor dich hin, verkriech dich im Bett und versinke im Sumpf aus Selbstmitleid oder b) mobilisiere alles, was du an Kraft in dir hast und zieh den Misthaufen, der sich Leben schimpft, durch. Ich habe mich für Letzteres entschieden. Auch wenn es schwer fällt und ich mehr als einmal schon das Bedürfnis verspürt habe, einfach im Bett liegen zu bleiben oder wahllos fremde Menschen auf offner Straße zu beschimpfen. Bis zur verrückten Katzenlady …

coco-libre_gucci-shirt

Think Aloud | Von Trend-Shirts und verlorener Exklusivität

Bilder: Instagram – @Carodaur | @mariejedig | @chiaraferragni | @pandorasykes | @lindatol_ | @pernilleteisbaek Liebe Modelwelt, manchmal möchte ich, bei aller Liebe, die uns beide sonst verbindet, über dich einfach nur den Kopf schütteln. Sicher, Maß kanntest du noch nie so wirklich und das hast du im Prinzip auch gar nicht nötig. Aber ein schlichtes T-Shirt für satte 690 Euronen? Ich bitte dich…! Aber fangen wir von vorne an: Vor knapp zwei Wochen stolperte der kurze, zufällige Plausch mit einem alten Freund auf der Straße über ein T-Shirt aus dem Hause Gucci. Ein sehr angesagtes T-Shirt. Auf dem ein oder anderen Instagram-Account war es mir auch schon begegnet, nur hatte ich es bis dahin noch gar nicht so wirklich als It-Piece wahrgenommen. Im Nachhinein resultierte das wohl vor allem aus meiner selbst auferlegten Social Media-Abstinenz während der Feiertage. Nachdem nun aber besagter Freund, der ebenfalls sehr modeaffin ist, das gute Stück erwähnt hatte, lächelte es mir mit einem Mal von überall entgegen. Alle namhaften “Influencer” schienen längst damit ausgestattet und auch die einschlägigen Zeitschriften konnten gar nicht …

glamour-cover-dunham

Think Aloud | Die Delle im Blick. Was Lena Dunham und die Glamour uns vor allem zeigen

Lena Dunham und die Frauenzeitschrift Glamour. Unterschiedlicher lässt es sich eigentlich nicht über den weiblichen Körper sprechen. So zumindest bisher meine allgemeine Ansicht. Aber siehe da, manchmal gehen sogar Brokkoli und Schokolade zusammen, oder besser gesagt: Cellulitis und das Cover eines Frauenmagazins. Es ist etwas im Gange, was die Inszenierung des weiblichen Körpers betrifft. Allein im letzten Jahr gab es ausgiebig Gelegenheit bestehende Körperbilder zu diskutieren und sich zunehmend für andere Perspektiven zu öffnen. Das haben wir unter anderem auch hier, hier und hier getan. Trotzdem stehen wir in der Debatte um mehr weibliche Diversität in den Medien und jenseits davon noch immer relativ weit am Anfang. Viel zu oft müssen Frauen jenseits Kleidergröße 34 abschätzige bis verletzende Blicke und Kommentare einstecken. Vor allem in der Anonymität des Netzes scheint die Hemmschwelle für Gehässigkeit sehr gering. Aber auch den analogen Alltag sollte man bei Weitem nicht unterschätzen. Da sollten wir uns nichts vormachen. Eine, die seit jeher gegen diese normierte Engstirnigkeit angeht, ist die von uns viel gelobte und zitierte Lena Dunham. Mit klaren Worten …

christmas_habits

Weihnachtsgrüße | Es kann nur besser werden.

2016 du warst ein komisches Jahr. Manchmal wage, oft irgendwie verrückt und bei Weitem nicht leicht. Egal ob politisch, gesellschaftlich oder privat: 2016 schien die Welt Kopf zu stehen, alte Ordnungen fielen in sich zusammen wie Jenga-Türme. Terror, Krieg und Zerstörung erschütterten die Welt. Flüchtlingskrise, Rechtsruck, Brexit sowie die zunehmende Angst vor Globalisierung und Armut weckten in den Menschen eher das Schlechte, als dass sie den Zusammenhalt untereinander förderten. Die Menschen scheinen müde und kaum einer scheint nicht darauf zu warten, dass dieser 365-Tage-Zyklus endlich zu Ende geht. Die Luft ist raus und wir in unseren Grundfesten erschüttert. Irgendwie scheint nichts mehr so zu sein, wie es einmal war. “Hell is empty and all the devils are here”, hieß es, als Donald Trump zum Präsidenten der USA gewählt wurde – noch so eine Sache mit der keiner gerechnet hatte und die deshalb umso mehr schockte. Der Satz passt allerdings auch nur zu gut auf die Gesamtsituation 2016. Gleichzeitig haben wir eine ganze Menge von den Guten verloren: David Bowie, Prince, Leonard Cohen, Alan Rickman, Roger Willemsen, Bud …

usa-election

Think Aloud | Als das Lachen uns im Halse stecken blieb. Trump ist Präsident.

„Wir sind im Zeitalter des Populismus angekommen“ titelt der Spiegel heute Morgen in einem seiner ersten Kommentare zur Wahlnacht in den USA. Donald Trump wurde vom amerikanischen Volk zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt. Was ursprünglich kaum einer für möglich gehalten hätte, ist seit dem heutigen Morgen (mitteleuropäischer Zeit) bitterernste Realität. „Unfassbar!“ „Sprachlos!„ „Das kann nicht wahr sein!“ Die Kommentare sausen nur so durchs Netz. Kollektives Unverständnis stellt sich ein. Auch bei jenen, die nicht in den USA leben. Schließlich geht es hier noch immer um die größte Weltmacht, die dieser Planet hat. Wie konnte das bloß passieren und vor allem, was sind denn jetzt die Konsequenzen? Wenn wir ehrlich sind, hatten bis zuletzt wohl tatsächlich nur die wenigstens geglaubt, dass der buchstäbliche „Worst Case“ eintreten könnte. Noch vor knapp einem Jahr, als ein gewisser amerikanischer Milliardär mit nicht ganz so großer medialer Integrität verkündete, er wolle das Oberhaupt der vereinigten Staaten werden, haben wir alle herzlich gelacht. Keiner hat den größenwahnsinnigen Deppen mit der markanten Fönfrisur ernst genommen, nicht einmal die …

achselhaar_hm-header_habits

Die Authentizität des Achselhaars. Symbol eines neuen Körperverständnisses?

Ist das denn jetzt eigentlich Revolution oder kann das weg? Vor Kurzem hatte ich bereits am Beispiel der Kampagne von Lonely mit Lena Dunham und Jemima Kirke darüber sinniert, ob weibliche Diversität in den Medien nun tatsächlich gefeiert oder doch vielmehr nur als effekthascherische Marketingstrategie genutzt wird. Schaut man sich die vielen weiteren Kampagnen an, die in den letzten Tagen und Wochen wie Pilze aus dem Boden geploppt sind, wird in jedem Fall ein augenscheinliches Interesse am Spiel mit sogenannten Normen deutlich, ob man der Botschaft dahinter aber immer so ohne Weiteres trauen sollte, das ist noch einmal eine ganz andere Frage. Seit dem Wochenende geistert der neue Imageclip von H&M durchs Netz. In dem, ihr ahnt es schon, die vielen Ausformungen des weiblichen Körpers gezeigt werden. Gerahmt vom soulig gebügelten Musikhit „She´s a Lady“ bietet das Video neben den Klassikern Plus Size und ethnischer Vielfalt natürlich auch die Visualisierung von Alter. Doch keine Kampagne scheint ihre Botschaft derzeit zu treffen, wenn nicht mindestens einer der folgenden beiden Aspekte aufmerksamkeitsstark inszeniert wird: das Achselhaar und …