Alle Artikel in: Think Aloud

dior_03

Zurück zu den Wurzeln? Die Modewelt im Wandel

Bilder: Screenshots DIOR Livestream So sehr ich es sonst verteufle mein Dasein krank im Bett zu fristen – verdonnert zum Nichtstun, das Hirn irgendwo eingepfercht zwischen Triefnase, Kopfweh und Ohrenrauschen – so sehr kann ausgerechnet diese zwangsverordnete Ruhe dazu führen, dass man sich endlich wieder einmal ausgiebig mit Dingen beschäftigt, die man liebt, zu denen in letzter Zeit aber einfach viel zu wenig Zeit blieb. So fand ich mich an einem eisigen Dienstagnachmittag, eingerollt in die warme Decke ein Glas Tee neben mir plötzlich vorm Livestream der Dior AW18/19 Show wieder und stellte mir unweigerlich die Frage: Wieso, liebe Mode, habe ich dich in letzter Zeit eigentlich so sehr vernachlässigt. Aber von vorne: Das Leben ist nicht immer nur Sahneeis schlecken. Dessen wird man sich mit zunehmenden Heranreifen leider nur allzu deutlich bewusst. Wo früher lange Sommertage und durchtanzte Nächte waren, da schlägt man sich selbige auf einmal für den Job um die Ohren, um anschließend wahlweise abgeschlafft auf der Couch oder im sogenannten Freizeitstress zu landen, der einem trotzdem stetig das Gefühl vermittelt, die Liebsten kämen …

fashion week habits_header

Editor’s Letter | Alpha und Omega, oder so ähnlich

„Long time no see“, oder besser gesagt: „no read“. 2017 wurde es mit einem Mal ziemlich still hier auf habits. Dass, das keinesfalls an mangelndem Interesse lag, das haben die liebe Lola und ich an der ein oder anderen Stelle bereits erwähnt. Vielmehr hatte uns in den vergangenen 365 Tagen das große kosmische Ding, das sich Leben schimpft fest im Griff. Von Jobstress über Jobwechsel, persönlicher Suche nach dem Glück und Herzschmerzchaos dank Trennung: Mehr als einmal hatten wir das Gefühl, man schnappe uns die Luft zum Atmen weg, Schreibblockade inklusive. Die war es denn auch, die mich persönlich am meisten belastete. Wer mich kennt, der weiß, wie sehr das geschriebene wie das getippte Wort sonst meinen Alltag bestimmt. Also war Rückzug angesagt. Es wurde sich eingeigelt, Wunden wurden geleckt, Scherben aufgesammelt und feinsäuberlich wieder zusammengeklebt. Das war nicht immer leicht und kostete in manchen Momenten mehr Kraft, als ich es jemals vermutet hätte. Aber mittlerweile kehrt allmählich doch der Alltag wieder ein. Ein neuer Alltag, in dem mit einem Mal zwar nichts mehr scheint, …

Think aloud_Avocado

Think Aloud | Von Perfektions- und Moralansprüchen

Vor Kurzem las ich ein einem Dossier in der Zeit, wie schädlich der Anbau von Avocados eigentlich für die Umwelt ist. Ausgerechnet jene Superfrucht, die in der westlichen Welt als Sinnbild für das bessere Leben steht, saugt derart viele Nährstoffe aus dem Boden, dass sie ihn danach nicht selten als Brachland zurücklässt. Von den Unmengen an Wasser, die in die Reifung einer einzelnen Frucht gepumpt werden müssen, ganz zu schweigen. Ebenso von den langen Transportwegen, die einen entsprechenden CO2-Ausstoß mit sich bringen. Kurzum: An der Avocado auf unserem Teller ist eigentlich nichts super. Schöner Mist. Meinen Konsum der grünen Frucht habe ich seitdem eingeschränkt. Das funktioniert ganz gut. Die Avocado komplett aus dem Kühlschrank zu verbannen, ist mir allerdings noch nicht gelungen und ich würde sogar behaupten, damit hatte der Beitrag noch immer mehr Affekt auf mich, als auf viele andere die ihn gelesen haben. Denn irgendwie ist es doch so: In der Theorie mögen wir zwar wissen, dass einiges, was wir in unserem Alltag verzapfen, nicht ganz koscher ist, doch ist die Praxis eben …

habits_katharsis_header mood

Think Aloud | Katharsis. Eine Annäherung

Ich schwebe. Die Veränderung hat mich kalt erwischt. Seitdem scheint nichts mehr wie es war und doch ist irgendwie alles gleich. Die Tage gehen dahin, man steht auf, arbeitet, wabert durch die Gegend und geht wieder Schlafen. Nicht mehr. Nicht weniger. Es geht mir OK aber eben nicht gut. Niemand ist gestorben und trotzdem fehlt etwas unheimlich – jemand fehlt unheimlich. So ist das aber nun einmal mit dem Leben. Wenn du etwas verlierst, kannst du dich wie ein Kleinkind auf den Boden schmeißen und lauthals brüllen. Ob das etwas bringt, wage ich zu bezweifeln. Entsprechend bleiben zwei weitere Möglichkeiten. a) Letagiere vor dich hin, verkriech dich im Bett und versinke im Sumpf aus Selbstmitleid oder b) mobilisiere alles, was du an Kraft in dir hast und zieh den Misthaufen, der sich Leben schimpft, durch. Ich habe mich für Letzteres entschieden. Auch wenn es schwer fällt und ich mehr als einmal schon das Bedürfnis verspürt habe, einfach im Bett liegen zu bleiben oder wahllos fremde Menschen auf offner Straße zu beschimpfen. Bis zur verrückten Katzenlady …

coco-libre_gucci-shirt

Think Aloud | Von Trend-Shirts und verlorener Exklusivität

Bilder: Instagram – @Carodaur | @mariejedig | @chiaraferragni | @pandorasykes | @lindatol_ | @pernilleteisbaek Liebe Modelwelt, manchmal möchte ich, bei aller Liebe, die uns beide sonst verbindet, über dich einfach nur den Kopf schütteln. Sicher, Maß kanntest du noch nie so wirklich und das hast du im Prinzip auch gar nicht nötig. Aber ein schlichtes T-Shirt für satte 690 Euronen? Ich bitte dich…! Aber fangen wir von vorne an: Vor knapp zwei Wochen stolperte der kurze, zufällige Plausch mit einem alten Freund auf der Straße über ein T-Shirt aus dem Hause Gucci. Ein sehr angesagtes T-Shirt. Auf dem ein oder anderen Instagram-Account war es mir auch schon begegnet, nur hatte ich es bis dahin noch gar nicht so wirklich als It-Piece wahrgenommen. Im Nachhinein resultierte das wohl vor allem aus meiner selbst auferlegten Social Media-Abstinenz während der Feiertage. Nachdem nun aber besagter Freund, der ebenfalls sehr modeaffin ist, das gute Stück erwähnt hatte, lächelte es mir mit einem Mal von überall entgegen. Alle namhaften „Influencer“ schienen längst damit ausgestattet und auch die einschlägigen Zeitschriften konnten gar nicht …

glamour-cover-dunham

Think Aloud | Die Delle im Blick. Was Lena Dunham und die Glamour uns vor allem zeigen

Bild: Instagram Lena Dunham (see below) Lena Dunham und die Frauenzeitschrift Glamour. Unterschiedlicher lässt es sich eigentlich nicht über den weiblichen Körper sprechen. So zumindest bisher meine allgemeine Ansicht. Aber siehe da, manchmal gehen sogar Brokkoli und Schokolade zusammen, oder besser gesagt: Cellulitis und das Cover eines Frauenmagazins. Es ist etwas im Gange, was die Inszenierung des weiblichen Körpers betrifft. Allein im letzten Jahr gab es ausgiebig Gelegenheit bestehende Körperbilder zu diskutieren und sich zunehmend für andere Perspektiven zu öffnen. Das haben wir unter anderem auch hier, hier und hier getan. Trotzdem stehen wir in der Debatte um mehr weibliche Diversität in den Medien und jenseits davon noch immer relativ weit am Anfang. Viel zu oft müssen Frauen jenseits Kleidergröße 34 abschätzige bis verletzende Blicke und Kommentare einstecken. Vor allem in der Anonymität des Netzes scheint die Hemmschwelle für Gehässigkeit sehr gering. Aber auch den analogen Alltag sollte man bei Weitem nicht unterschätzen. Da sollten wir uns nichts vormachen. Eine, die seit jeher gegen diese normierte Engstirnigkeit angeht, ist die von uns viel gelobte und …

christmas_habits

Weihnachtsgrüße | Es kann nur besser werden.

2016 du warst ein komisches Jahr. Manchmal wage, oft irgendwie verrückt und bei Weitem nicht leicht. Egal ob politisch, gesellschaftlich oder privat: 2016 schien die Welt Kopf zu stehen, alte Ordnungen fielen in sich zusammen wie Jenga-Türme. Terror, Krieg und Zerstörung erschütterten die Welt. Flüchtlingskrise, Rechtsruck, Brexit sowie die zunehmende Angst vor Globalisierung und Armut weckten in den Menschen eher das Schlechte, als dass sie den Zusammenhalt untereinander förderten. Die Menschen scheinen müde und kaum einer scheint nicht darauf zu warten, dass dieser 365-Tage-Zyklus endlich zu Ende geht. Die Luft ist raus und wir in unseren Grundfesten erschüttert. Irgendwie scheint nichts mehr so zu sein, wie es einmal war. „Hell is empty and all the devils are here“, hieß es, als Donald Trump zum Präsidenten der USA gewählt wurde – noch so eine Sache mit der keiner gerechnet hatte und die deshalb umso mehr schockte. Der Satz passt allerdings auch nur zu gut auf die Gesamtsituation 2016. Gleichzeitig haben wir eine ganze Menge von den Guten verloren: David Bowie, Prince, Leonard Cohen, Alan Rickman, Roger Willemsen, Bud …