Alle Artikel in: Mind

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Think Aloud | Von Perfektions- und Moralansprüchen

Vor Kurzem las ich ein einem Dossier in der Zeit, wie schädlich der Anbau von Avocados eigentlich für die Umwelt ist. Ausgerechnet jene Superfrucht, die in der westlichen Welt als Sinnbild für das bessere Leben steht, saugt derart viele Nährstoffe aus dem Boden, dass sie ihn danach nicht selten als Brachland zurücklässt. Von den Unmengen an Wasser, die in die Reifung einer einzelnen Frucht gepumpt werden müssen, ganz zu schweigen. Ebenso von den langen Transportwegen, die einen entsprechenden CO2-Ausstoß mit sich bringen. Kurzum: An der Avocado auf unserem Teller ist eigentlich nichts super. Schöner Mist. Meinen Konsum der grünen Frucht habe ich seitdem eingeschränkt. Das funktioniert ganz gut. Die Avocado komplett aus dem Kühlschrank zu verbannen, ist mir allerdings noch nicht gelungen und ich würde sogar behaupten, damit hatte der Beitrag noch immer mehr Affekt auf mich, als auf viele andere die ihn gelesen haben. Denn irgendwie ist es doch so: In der Theorie mögen wir zwar wissen, dass einiges, was wir in unserem Alltag verzapfen, nicht ganz koscher ist, doch ist die Praxis eben …

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Zwischen Modelust und Modefrust | Die MET Gala

Bilder Titelbild: Instagram.com // @saintrecords | @metgalaofficial | @marykatetomyashley | @lenadunham | @badgilriri  Wir müssen reden… über die MET Gala. Jahr für Jahr tummelt sich bei der prestigeträchtigen Spendengala zugunsten des Metropolitan Museum of Art’s Costume Institute in New York City alles auf dem roten Teppich, was derzeit in der Medien- und Modewelt Rang und Namen hat. In diesem Jahr gab es sogar gleich doppelten Anlass zur Festlichkeit: der jährliche wechselnde Dresscode gestaltete sich dieses Mal als Hommage an Rei Kawabuko, eine der bedeutendsten Designerinnen unserer Zeit, deren Label Comme des Garçons nicht nur weltbekannt ist, sondern auch immer wieder die Konventionen textiler Schneiderkunst grundlegend hinterfragt. Da wundert es kaum noch, dass das New Yorker Costume Insitute diesem japanischen Genius nun endlich eine eigene Ausstellung widmet, die just am Abend der MET Gala eröffnete. Soweit, so gut. Damit könnte der Drops eigentlich gelutscht sein. Fehlen nur noch ein paar Red Carpet-Schnappschüsse. Leider nimmt aber genau an diesem Punkt das Drama alljährlich seinen Lauf. Viele der prominenten Gäste – inklusive der sie ausstattenden Designer – scheinen …

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Think Aloud | Katharsis. Eine Annäherung

Ich schwebe. Die Veränderung hat mich kalt erwischt. Seitdem scheint nichts mehr wie es war und doch ist irgendwie alles gleich. Die Tage gehen dahin, man steht auf, arbeitet, wabert durch die Gegend und geht wieder Schlafen. Nicht mehr. Nicht weniger. Es geht mir OK aber eben nicht gut. Niemand ist gestorben und trotzdem fehlt etwas unheimlich – jemand fehlt unheimlich. So ist das aber nun einmal mit dem Leben. Wenn du etwas verlierst, kannst du dich wie ein Kleinkind auf den Boden schmeißen und lauthals brüllen. Ob das etwas bringt, wage ich zu bezweifeln. Entsprechend bleiben zwei weitere Möglichkeiten. a) Letagiere vor dich hin, verkriech dich im Bett und versinke im Sumpf aus Selbstmitleid oder b) mobilisiere alles, was du an Kraft in dir hast und zieh den Misthaufen, der sich Leben schimpft, durch. Ich habe mich für Letzteres entschieden. Auch wenn es schwer fällt und ich mehr als einmal schon das Bedürfnis verspürt habe, einfach im Bett liegen zu bleiben oder wahllos fremde Menschen auf offner Straße zu beschimpfen. Bis zur verrückten Katzenlady …

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Think Aloud | Von Trend-Shirts und verlorener Exklusivität

Bilder: Instagram – @Carodaur | @mariejedig | @chiaraferragni | @pandorasykes | @lindatol_ | @pernilleteisbaek Liebe Modelwelt, manchmal möchte ich, bei aller Liebe, die uns beide sonst verbindet, über dich einfach nur den Kopf schütteln. Sicher, Maß kanntest du noch nie so wirklich und das hast du im Prinzip auch gar nicht nötig. Aber ein schlichtes T-Shirt für satte 690 Euronen? Ich bitte dich…! Aber fangen wir von vorne an: Vor knapp zwei Wochen stolperte der kurze, zufällige Plausch mit einem alten Freund auf der Straße über ein T-Shirt aus dem Hause Gucci. Ein sehr angesagtes T-Shirt. Auf dem ein oder anderen Instagram-Account war es mir auch schon begegnet, nur hatte ich es bis dahin noch gar nicht so wirklich als It-Piece wahrgenommen. Im Nachhinein resultierte das wohl vor allem aus meiner selbst auferlegten Social Media-Abstinenz während der Feiertage. Nachdem nun aber besagter Freund, der ebenfalls sehr modeaffin ist, das gute Stück erwähnt hatte, lächelte es mir mit einem Mal von überall entgegen. Alle namhaften “Influencer” schienen längst damit ausgestattet und auch die einschlägigen Zeitschriften konnten gar nicht …

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Interview | LARA SNOW. “Once I’m on stage all my guards go down and I just let go”

LARA SNOW haben uns vom ersten Ton an begeistert. Ein verhältnismäßig zarter Look trifft auf laut bis wilde Elektro- und Punk-Elemente, dazwischen reichlich Hip Hop und Pop. Das erzeugt Spannung und macht neugierig. Für uns also Grund genug euch Lara Snow anlässlich der Deutschlandtour Ende letzten Jahres nicht nur musikalisch näher zu bringen, sondern auch gleich noch Tickets für die Konzerte in Frankfurt und Berlin zu verlosen. Doch wer steckt den nun eigentlich hinter dem Sound? Wir haben Valery und Jonathan zum Stelldichein gebeten. Im Interview verraten Sie uns mehr über die Idee hinter der Band, über ihre Musik und was sie persönlich bewegt und motiviert. (English Version here) Valery du hast LARA SNOW 2014 gegründet – oder sagen wir vielmehr erschaffen. Was ist die Geschichte dahinter und was war der Punkt, an dem du für dich den Entschluss gefasst hast, diese Reise anzutreten? Valery: LARA SNOW wurde aus dem persönlichen Bedüfrnis heraus geboren, eine bessere und glamourösere Version meiner selbst zu erschaffen. Ich nahm Produktionsstunden in einem lokalen Sound-Institut und ich erinnere mich noch, dass ich …

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Think Aloud | Die Delle im Blick. Was Lena Dunham und die Glamour uns vor allem zeigen

Lena Dunham und die Frauenzeitschrift Glamour. Unterschiedlicher lässt es sich eigentlich nicht über den weiblichen Körper sprechen. So zumindest bisher meine allgemeine Ansicht. Aber siehe da, manchmal gehen sogar Brokkoli und Schokolade zusammen, oder besser gesagt: Cellulitis und das Cover eines Frauenmagazins. Es ist etwas im Gange, was die Inszenierung des weiblichen Körpers betrifft. Allein im letzten Jahr gab es ausgiebig Gelegenheit bestehende Körperbilder zu diskutieren und sich zunehmend für andere Perspektiven zu öffnen. Das haben wir unter anderem auch hier, hier und hier getan. Trotzdem stehen wir in der Debatte um mehr weibliche Diversität in den Medien und jenseits davon noch immer relativ weit am Anfang. Viel zu oft müssen Frauen jenseits Kleidergröße 34 abschätzige bis verletzende Blicke und Kommentare einstecken. Vor allem in der Anonymität des Netzes scheint die Hemmschwelle für Gehässigkeit sehr gering. Aber auch den analogen Alltag sollte man bei Weitem nicht unterschätzen. Da sollten wir uns nichts vormachen. Eine, die seit jeher gegen diese normierte Engstirnigkeit angeht, ist die von uns viel gelobte und zitierte Lena Dunham. Mit klaren Worten …

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So war 2016 | Unser Jahresrückblick

Wie viel und was alles in einem ganzen Jahr alles passieren kann, das hat uns 2016 so nachdrücklich eingebläut wie kein zweites Jahr. Sogar bis auf die letzten Meter blieb es spannend und es kommt zugegeben doch recht selten vor, dass wir regelrecht die Tage zählen, bis ein Jahr bitte endlich zu Ende geht. Einen kleinen, sehr ernüchterten Einblick in das, was von den vergangenen zwölf Monaten bleibt, hat Laura ja bereits an dieser Stelle gegeben. Und selbst ich als geborene Optimistin ringe um Luft angesichts der Ereignisse und Tendenzen diesen Jahres. Doch um den Tod wahrer Ikonen, um Populismus, den Größenwahnsinn von Staatsoberhäuptern, Terrorismus und unser Leben im postfaktischen Zeitalter soll es hier nicht gehen. Laura und ich ziehen nachfolgend unser ganz persönliches Fazit eines Jahres, das auch privat einige Überraschungen bereithielt. Laura | “Wer die Nadel im Heuhaufen sucht, muss das Heu manchmal in Brand setzen” 2016, was für ein Jahr! Selten gab es wohl so viele Aufs und Abs wie in den letzten 365 Tagen. Dabei begann letztes Silvester eigentlich alles ganz …