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Mixtape | Take Care Of Business

An manchen Tagen stehen alle Zeichen auf Retrospektive. Da kann es vorkommen, dass da auf der Bühne vor einem an einem lauen Spätsommerabend ein Künstler steht, den man vor ziemlich genau drei Jahren schon einmal in der gleichen Stadt gesehen hat – und schon hängt der Kopf im Wolkenreich der Erinnerungen. Meist bleibt es nicht nur allein dabei, denn es liegt in der Natur des Menschen, Vergleiche zu ziehen. Das Damals mit dem Jetzt abzuwägen, zu Analysieren, was sich seitdem verändert oder nicht verändert hat und was überhaupt alles passiert ist. Meist gilt der als erfolgreich, dessen Leben sich in besonders großem Maße um die eigene Achse gedreht hat. Ganz unabhängig von dem, was inhaltlich genau passiert ist – es gilt: Wandel ist als positiv einzuschätzen und Stillstand ist eher unangenehm. Womöglich liegt es in der bloßen Natur des Menschen, die sich an das Bestehende klammert und sich vor Neuem scheut. Wer diese grundsätzliche Angst überwindet, gilt immer als respektabler Gewinner. Außerdem lehrt uns bereits die Renaissance: Erneuerung ist erstrebenswert. Wer sich und andere aber rein …

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Music Friday | Devon Welsh

Manche Abende sind magisch und brennen sich nachhaltig in das Gedächtnis ein, weil sie völlig unvorhergesehen ganz großartig werden konnten. Gerade in Neukölln kann es passieren, dass man bei einem abendlichen Spaziergang vor einer Bar oder einem Off-Space hängen bleibt, weil von drinnen Musik von einem Konzert auf die Straßen tönt. So vollkommen ungeplant war das Konzert von Devon Welsh Anfang dieser Woche für mich zugegeben nicht, doch war ich mir ehrlicherweise nicht gewahr, dass es sich bei dem Kanadier um die eine Hälfte des kürzlich aufgelösten Duos Majical Cloudz handelte, die ich seit langem ausgesprochen mag. Als ich dann doch zusammen mit gut fünfzig anderen Menschen im Hauseingang der Bar lehnte, war es nicht sein doch so vertrautes Gesicht, durch das ich ihn erkannte, sondern die so unverkennbare Stimme. Und da war sie dann, die magische Wolke, die über allem und allen schwebte, sichtlich bewegte und ergriffene Zuhörer hervorbrachte und Fremde zu Freunden werden ließ. Erst im März diesen Jahres gaben Majical Cloudz ihre Auflösung bekannt, nach sechs Jahren gemeinsamen Schaffens und drei Longplayern. Gleichzeitig …

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Mixtape | Von Prioritäten und echten Freunden

Obwohl ich mich de facto schon seit knapp fünf Monaten zu den Ende Zwanzigjährigen zählen kann – das sechsundzwanzigste Lebensjahr ist doch so etwas wie die hölzerne Startklappe zum Sprint in eine neue Zeitrechnung – ist mir erst diese Woche etwas Zentrales bewusst geworden. Für die Pointe muss ich allerdings am Anfang beginnen, genau an der Startlinie einer ganz anderen Ära. Als ich nach Berlin kam, das ist nun schon fast zwei Jahre her, dachte ich, dass das große Abenteuer dieses Ortes darin bestand, von nun an auf so viele neue Leute wie nie zuvor zu treffen. Die Magie der Stadt, so erzählte man doch immer, bestand in der Vielzahl von Menschen, Lebensentwürfen, Kulturen, kreativen Energien – der schieren Unendlichkeit von Möglichkeiten, die man ergreifen oder die schlicht passieren und theoretisch in der totalen Selbstverwirklichung gipfeln können. Und tatsächlich, man trifft hier jede Woche, ja jeden Tag, so viele neue unterschiedliche und interessante Menschen: ob nun arbeitsbedingt, auf Events, durch Freunde oder auf Tinder. Das ist toll, wirklich toll und sehr interessant. Allerdings ist es doch so: …

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Mixtape | Alles auf Anfang

Veränderungen gehören zum Leben, wie das morgendliche Zähneputzen. Trotzdem war ich nie wirklich ein Fan davon. Wieso den sicheren bequemen Hafen, in dem man herumschippert, aufgeben, um sich dem großen Unbekannten zu stellen? Warum die Geborgenheit des vermeintlich Heimischen hinter sich lassen, um als anonymer Niemand in einer Masse aus anderen zu verschwinden? Einsamkeit statt Liebe, Herausforderung statt Wertschätzung? Ohne mich! Zumindest bisher. Denn irgendwann kommt wohl bei jedem der Punkt, an sich dem der Schalter mit einem lauten Knall umlegt. Einfach so und man selbst kann im Nachhinein nicht einmal mehr sagen, wann es eigentlich passiert ist. Dann wird die Sehnsucht nach Neuem, nach dem einen großen Abenteuer mit einem Mal so prägnant, dass all unsere Synapsen Gefahr laufen, durchzubrennen. In solchen Situationen haben wir in der Regel zwei Möglichkeiten. Nummer eins wäre, den Impuls zu unterdrücken, bis all das innere Brodeln von alleine wieder versiegt. Das mag die einfache Version sein. Irgendwann sitzt man aber vielleicht da und blickt zurück auf einen ganzen Sack verpasster Chancen, die man nur aus schnöder Angst heraus …

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Mixtape | Forget It’s A Dream

Die Sonne scheint, wie so selten am Wochenende, und ich renne mit einer Freundin durch Berlin-Mitte. Genauer gesagt rennt sie gesichthoch ihrem Handy nach, die Linienstraße entlang, und ich hüpfe ihr hinterher. Uns ist warm und ob das wirklich nur am Wetter liegt, können wir gar nicht sagen, denn wir sind auf Pokémon-Jagd und zumindest eine von uns beiden nimmt die Sache ziemlich ernst. Seit einer guten Woche verschwimmen die reale und digitale Welt zu einem Spielbrett und man möchte ein “endlich” hinzufügen, doch besser so etwas wie ein “und erhebt haufenweise persönlicher Metadaten” meinen. Doch diesen Gedanken muss ich jäh beiseite schieben, schließlich müssen wir – viel wichtiger – nach neuen Pokébällen Ausschau halten. Da erscheint ein Bild von einer Graffiti-Banane auf dem Display (als Spot, wo man eben jene rot-weißen Bälle erhält) und mir fällt noch ein, dass ich diese heute schon einmal gesehen habe. Als ich zwei Sekunden später wirklich wieder vor der Banane stehe, frage ich mich, wie das um Himmels Willen sein kann, die Graffiti-Banane dort an der Wand und in diesem Spiel, tief im Smartphone drinnen. …

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Mixtape | Stay Free

Wieder einmal schalten wir den Fernseher an in Erwartung auf einen gewöhnlichen Morgen, nur um kurz darauf kopfschüttelnd vor dem Bildschirm zu erstarren. Gewalt scheint mittlerweile ein fester Bestandteil unseres Lebens zu sein. Beinahe scheinen wir zu resignieren. Nachdem der Schock uns kurz durch die Glieder gejagt ist, macht sich dieses missmutige Gefühl des “Schon-Wieder” breit, ehe wir zurück zum Alltag übergehen. Das klingt erschreckend, aber um ehrlich zu sein, haben wir eigentlich keine Wahl. Die letzten zwei Jahre haben uns gezeigt, dass wir weder auf der Arbeit noch im Café sicher sind. Selbst ein Konzertbesuch oder die Wartehalle eines Flughafens kann dem Leben, wie wir es kennen, inzwischen zum Verhängnis werden. Was früher so weit weg schien, klopft jetzt an unsere eigene Haustür, und während wir alle lauthals von uns geben, dass das alles schon gar nicht so schlimm wäre, schleicht tief in einem drin doch immer ein kleines Fünkchen Unbehagen mit. Haben sie Angst? Bitte kreuzen Sie an, ja, nein, vielleicht. Wir sind endlich. Zu schade, dass so etwas Absurdes wie Terrorismus uns das erst …

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Mixtape | The Summer of ’08

Manchmal passiert es und irgend ein Detail erreicht das eigene Bewusstsein in einem Moment besonderer Sensibilität für derlei Stimulationen und mit einem Mal steckt man mit dem Kopf Unterkante Oberlippe in der Vergangenheit. Ob nun Déjà-vu oder ein bloßes Verbindungen ziehen an eine ganz bestimmte Erinnerung – ab und an gelingt uns das so gut, dass sie wieder alle da sind: die Gefühle und Emotionen, die Gedanken und Haltungen einer vergangenen Zeit. Einer Zeit, der wir entwachsen sind, und eines Ichs, das im Kern zwar noch deckungsgleich mit unserem heutigen Selbst ist, aber an den Rändern ein wenig definierter ist, nicht mehr so unbedarft, naiv und ausgefranst wie vor acht Jahren noch. Wenn ich an den Sommer im Jahr 2008 zurückdenke, was dank des neuen Albums “Summer ’08” vom Allezeit-Liebling Metronomy, damals wie heute, natürlich passiert, habe ich den Geschmack von Aufbruch und Neubeginn, Bangen und Warten, von Adoleszenz und Panik, von purer Freude und viel Abenteuer auf der Zunge. Es war genau die prägende Zeit nach dem Schulabschluss, vor dem Beginn des weiteren Lebens, ich …