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“Carmen” by Chloe Sevigny | Miu Mius aktueller Kurzfilm

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Mit der Serie Women´s Tales ist Miuccia Prada nicht nur ein ganz besonderer Clou gelungen, sie trifft damit auch den Nerv der Zeit. Modefilme von Frauen für Frauen. Eine Besonderheit? Irgendwie schon, wenn man bedenkt, dass es auch in der Mode noch immer eher der männliche Blick ist, der Frauen ins vermeintlich rechte Licht rückt. Ins Leben rief die Miu Miu-Chefdesignerin die Reihe 2013 anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Marke. Vor knapp einer Woche feierte nun das neueste Sequel in New York Premiere. Dahinter steht dieses Mal niemand Geringeres als die wunderbare Chloë Sevigny, die mit dieser Arbeit einmal mehr beweist, dass sie hinter der Kamera genauso viel Talent hat, wie davor. Zumindest wir hatten aber auch nichts anderes erwartet, zählt die kreative Eigenbrötlerin – und das im besten Sinne – doch ohnehin längst zu unseren absoluten Heroines. Entsprechend wenig verwunderlich ist es dann auch, wenn sich das Who ist Who der Modeszene nicht zwei Mal für das erste Screening bitten ließ.

Carmen_poster

Der knapp 8-minütige Kurzfilm “Carmen” handelt von der gleichnamigen Protagonistin und Co-Autorin, Carmen Lynch. Die amerikanische Stand-Comedian unterstütze Chloë Sevigny beim Drehbuch und erarbeitete mit ihr ein herrlich bittersüßes Stück um die Themen Frau sein, Schwangerschaft und Liebe/Sex. Wir beobachten Carmen in ihrem Alltag, sehen die Welt durch ihre Augen, folgen wir ihr Schritt auf Tritt und haben am Ende trotzdem das Gefühl in Szenen hineingeworfen zu sein, die wir selbst nur zu gut aus dem eigenen Leben kennen. Mal sind es diese kleinen Formen von Alltagssexismus, mal ist es die Art, wie andere uns sehen und dann vor allem wieder jene, wie wir mit uns selbst betrachten. Vor allem diese Szene sind es, die uns den Spiegel vorhalten und uns vor Augen führen, wie sehr kulturell-herrschende Normen uns formen. So wird aus einer vermeintlich individuellen Geschichte schließlich eine Art Metapher für eine offensichtlich noch immer vorherrschende Idee von Weiblichkeit. Darüber können wir es aufregen. Wir können es aber auch einfach versuchen, mit Humor zu nehmen so wie Carmen es in den kontrastierenden Stand-up Szenen tut. Eigentlich ist es ja auch bloß zum Lachen und das wiederum hilft – zumindest der Theorie nach – doch schon einmal beim Distanzieren.

Am Ende gibt es keine Lösung. Was bleibt, ist ein Weg, der in den verschwommenen Sonnenaufgang und damit ins Ungewisse führt. Sevigny inszeniert damit die potenzielle Möglichkeit zur Veränderung. Etwas wabert in der Luft, auch wenn wir es viellicht noch nicht greifen können. Die ersten Schritte aber sind bereits zurückgelegt, das zeigen aktuelle politische Bewegungen ebenso wie Miuccia Pradas Projekt. Eine Reihe von der wir mehr sehen möchten und die auf wunderbare Weise zeigt, wie eng Kleidung doch mit unserem Leben verwoben ist. Und damit wären wir schließlich auch bei der anderen großen Botschaft all dieser Filme: Mode geht uns indirekt alles etwas an und wenn wir sie nur lassen, kann sie das Bild von uns formen, das wir und andere aufeinander haben.

#preparty thank you @miumiu for the best send off for Carmen! Link into bio to watch!

Ein Beitrag geteilt von Chloe Sevigny (@chloessevigny) am

Kategorie: Fashion, Watch

von

Laura Sodano

FOUNDER & EDITOR IN CHIEF // Lebe lieber ungewöhnlich // Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Für die einen Schizophrenie par exellence, für diese Dame aber ganz normaler Alltag. Frei nach dem Motto, Gegensätze ziehen sich an, verzücken Laufstegbilder und Editorial Shoots Laura ebenso wie die 100. Neuauflage eines Susan Sontag Essays. Bücher und Mode sind ihre Schwäche, Film, Kunst und Kultur das Terrain auf dem sie heimisch ist. Die gebürtige Frankfurterin redet oft schneller, als andere denken. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit Wörtern ihre Waffe. Selten steht das Gedankenkarussell mal still. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Notizbuch ihr ständiger Begleiter.

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